Zoll kontrolliert zunehmend Sprit-Schmuggler

von Redaktion

Zu viel Benzin: Nur 20 Liter dürfen im Kanister eingeführt werden. © G. Images

Rosenheim – Lange Gesichter an Bayerns Tankstellen: Die Zwei-Euro-Marke ist seit gut zwei Wochen geknackt und bleibt wohl erst einmal bittere Realität. Genauso lange kontrolliert der Zoll an den Grenzen zu Polen und Tschechien verstärkt sogenannte Tanktouristen, die den viel günstigeren Sprit kanisterweise über die Grenze nach Deutschland transportieren – vielmehr schmuggeln. Denn ein vollgetanktes Auto und ein 20-Liter-Kanister für den Eigenbedarf sind laut Gesetzgeber die erlaubte Höchstmenge an Benzin oder Diesel, die steuerfrei eingeführt werden darf.

Auch Bayerns Grenzen zu Österreich hat der Zoll im Blick. Zu den genauen Daten und seit wann kontrolliert wird, darf Marion Dirscherl, Sprecherin des Hauptzollamts Rosenheim, sich nicht äußern. Ähnlich wie Schleierfahnder zieht auch der Zoll – genauer: die Kontrolleinheit „Verkehrswege“ – mit geschultem Auge Fahrzeuge aus dem Verkehr. Im Einsatzgebiet Berchtesgadener Land, über Traunstein und Rosenheim bis nach Altötting, könnte das Augenmerk bei den stichprobenartigen Kontrollen also aktuell auch auf etwaige mitgeführte Kraftstoffe gelegt werden.

Im Gegensatz zur Bundespolizei kontrollieren Zollbeamte nicht nur in Grenznähe. „Unsere Kontrolleinheit darf zur Überwachung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs durchaus auch Verkehrsteilnehmer in München aufhalten“, erklärt Dirscherl. Den Zollbeamten geht es nicht nur um das Schmuggeln verbotener Waren wie Betäubungsmittel oder Waffen, sondern auch um verbrauchssteuerpflichtige Waren – wie Kraftstoffe. Wer also kanisterweise Benzin oder Diesel durch die Gegend fährt, sollte einen deutschen Tankbeleg vorzeigen können.

Steuern fressen Erspartes schnell wieder auf

„Werden über 20 Liter über die Grenze nach Deutschland in Zusatzbehältern mitgeführt, ist dafür Energiesteuer zu entrichten“, erklärt Dirscherl. „Wird durch das Mitführen größerer Mengen die Energiesteuer in erheblichem Umfang verkürzt, kann neben der Steuererhebung auch ein Steuerstrafverfahren eingeleitet werden.“ Dazu kommt die inländische Einfuhrumsatzsteuer, die das Ersparte wohl endgültig wieder auffressen würde.

Andere Länder sind noch strenger. In die Niederlande und nach Dänemark dürfen nur zehn Liter Sprit im Reservekanister steuerfrei eingeführt werden. Es gehe auch um Sicherheit, sagt Dirscherl. Der Transport in Kunststoffkanistern sei nicht ungefährlich. Es können Dämpfe entweichen und selbst ein kleiner Funke kann dieses Gas in der Luft und somit das ganze Auto entzünden.CORNELIA SCHRAMM

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