Auch Ältere greifen inzwischen zu Designerdrogen

von Redaktion

Sogenannte „Legal Highs“ gewinnen weiter Marktanteile – sind aber nicht weniger gefährlich als andere synthetische Rauschmittel

Sehen spaßig aus, nicht gefährlich: Beschlagnahmte Designerdrogen, hier auf Kräuterbasis. © Picture Alliance

München – Während Kokain oder Cannabis natürliche Drogen aus Pflanzen sind, sind sogenannte Designerdrogen auch in Bayern immer mehr auf dem Vormarsch. Fachleute des Landeskriminalamts gehen davon aus, dass die Beliebtheit der leicht zugänglichen Mittel weiter steigen wird. Doch worum genau handelt es sich bei diesen Drogen eigentlich – und wie ist die Lage im Freistaat?

Designerdrogen sind eine Untergruppe synthetischer Drogen, die im Labor hergestellt werden. Der Unterschied: Bei Designerdrogen werden Molekülstrukturen bewusst so verändert („designt“), dass sie zwar eine ähnliche Wirkung wie bekannte illegale synthetische Drogen haben, aber eben nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. In ihrer psychoaktiven Wirkung imitieren sie unter anderem Cannabis, Ecstasy oder Amphetamine. „Jedoch achten die Hersteller akribisch darauf, dass die einzelnen Inhaltsstoffe nicht ausdrücklich verboten sind – daher das irreführende Synonym ‚Legal Highs‘ (legale Rauschmittel)“, erläutert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Die Substanzmischungen werden unter Fantasienamen wie Badesalze, Düngerpillen oder Kräutermischungen angeboten. Oft dienen pflanzliche Grundstoffe als Träger für synthetische Substanzen. Unter den offiziellen Oberbegriff „Neue psychoaktive Stoffe (NpS)“ fallen auch die sogenannten Forschungschemikalien – leicht veränderte Produkte aus der Pharmaforschung, die meist als Einzelsubstanzen konsumiert werden.

„Der Konsum von NpS kann schwere Folgen nach sich ziehen: Die Symptome reichen von Übelkeit, heftigem Erbrechen, Herzrasen und Orientierungsverlust über Kreislaufversagen, Ohnmacht, Lähmungserscheinungen und Wahnvorstellungen bis zum Versagen der Vitalfunktionen“, warnt das Bundesministerium für Gesundheit. Auch die DHS betont: „Neue psychoaktive Substanzen sind alles andere als harmlose Partydrogen.“

Weil über die Wirkweisen wenig bekannt ist und eine wahrheitsgemäße Etikettierung fehlt, gelten NpS als Hochrisiko-Drogen. Allein 2025 starben in Bayern 23 Menschen offiziell an Designerdrogen – meist in Kombination mit noch mindestens einem weiteren gefährlichen Stoff.

Designerdrogen können problemlos online bestellt werden, zudem sind sie oft günstig. Laut Landeskriminalamt sind sie inzwischen ein etablierter Bestandteil des Rauschgiftmarkts. Es stehe zu befürchten, „dass die zahlreichen Derivate den klassischen Rauschgiften weiterhin Marktanteile abringen werden“, so eine Sprecherin.

2025 registrierten die Ermittler 1308 Verstöße mit NpS-Konsum – eine Steigerung von 59 Prozent zum Vorjahr. Da der reine Konsum nicht strafbar ist, fallen die Zahlen der expliziten Verstöße gegen das eigens geschaffene NpS-Gesetz niedriger aus. Doch der Anstieg ist hier noch einmal deutlich stärker: 2025 gab es ein Plus von knapp 85 Prozent auf 273 Fälle.

Während das Angebot früher vorwiegend junge Menschen ansprach, registrieren die Ermittler inzwischen immer mehr über 30-Jährige. In Zahlen: Von den 973 Tatverdächtigen, die 2025 im Freistaat NpS-auffällig wurden, waren 89 unter 21 Jahre alt. Die Alterskohorte der 30- bis 39-Jährigen war mit 330 Tatverdächtigen überrepräsentiert, selbst bei den 40- bis 49-Jährigen waren es noch 194 Personen. 856 der Tatverdächtigen waren Männer, 117 waren Frauen.ELKE RICHTER

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