Der Drogen-Ring des Koks-Kickers

von Redaktion

Was das Wasser verrät: Kokain ist laut Abwasseranalysen die Droge Nummer eins, der Cannabis-Konsum ist in etwa gleich verteilt. Synthetische Drogen, auch das aus der Medizin stammende Ketamin, gewinnen aber an Marktanteilen. Gerade im Osten, zum Beispiel in Dresden, Chemnitz, Erfurt und Magdeburg, ist Crystal Meth ein großes Problem. Auch das bayerische Nürnberg ist betroffen.

Fußballtalent mit Hang zum Dealen: Niko S. (oben und li.) spielte nicht nur unter falschem Namen Fußball, sondern soll auch mit Kokain gehandelt haben. Oben sein zerschossenes Auto nach dem Polizeieinsatz im Dezember. © Mayr/SpVgg/N.P./dpa

München – Es ist ein Netzwerk aus Drogen, Geld und Gewalt. Nun wurden zwei mutmaßliche Komplizen des Münchners Niko S. von der Staatsanwaltschaft München I angeklagt. Es geht um insgesamt 161 Kilogramm Kokain.

Hauptperson ist ein Kroate namens F. (39). Die Ermittler werfen ihm Handel mit 123 Kilo Kokain vor. Das Mitglied der „Firma“ war am 2. Dezember von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei in der Fußgängerzone überwältigt worden. In seiner Wohnung fand man drei Rolex-Uhren und 16.500 Euro, die aus Drogengeschäften stammen sollen. Der Mann soll die 123 Kilo Koks von 2023 bis 2024 in München verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, damit knapp drei Millionen Euro verdient zu haben. Das Geld soll eingezogen werden.

Laut Staatsanwaltschaft soll Kicker Niko S. ein Komplize des kroatischen Kokain-Dealers gewesen sein. Zum engeren Kreis der „Firma“ gehörte er laut Sprecherin Juliane Grotz aber nicht. Gegen Niko S. wurde auch noch keine Anklage erhoben, die Ermittlungen wegen versuchten Mordes und bewaffneten Drogenhandels laufen noch.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden soll so abgelaufen sein: Der Kroate F. organisierte den Transfer des Kokains von Frankfurt nach München. Hier soll er auch den Weiterverkauf gesteuert und Gelder aus diesen Geschäften zurück nach Hessen geschickt haben. Nach unseren Informationen soll Niko S. nach Anweisungen des „Firma“-Bosses die Drogen von Kurieren in München übernommen und hier versteckt und verteilt haben.

Bei der Festnahme fallen Schüsse

Es ist nicht das erste Mal, dass Niko S. wegen Drogen auffällt. Nach unseren Informationen wurde er vor neun Jahren in Münster (Nordrhein-Westfalen) zu drei Jahren wegen Betäubungsmitteldelikten verurteilt. Seitdem war er auf der Flucht. Bis 2015 spielte er noch unter echtem Namen Fußball beim SC Kirchheim (Kreis München). Danach trat er als Spieler hier nicht mehr in Erscheinung.

Im Oktober 2018 heuerte er unter falschem Namen beim FC Neuhadern an, legte bei der Registrierung einen slowenischen Ausweis vor. Als solcher spielte er bis 2024 in Neuhadern, wechselte nach Aubing und letztlich zur Spielvereinigung Haidhausen. Dort schoss der rechte Flügelspieler mit neun Toren den Club an die Tabellenspitze der Kreisliga 3, betrieb nach unseren Informationen auch ein Fitnessstudio im Südwesten der Stadt.

Am 2. Dezember fiel Niko S. den Ermittlern nach neun Jahren endlich in die Hände – auf spektakuläre Weise. Sie wollten ihn in der Münchner Constanze-Hallgarten-Straße (Obersendling) gerade festnehmen, als er mit seinem hochmotorisierten BMW (Modell: M125 i) auf die Beamten zuraste. Die Beamten feuerten auf den Wagen. Niko S. wurde dabei am Arm verletzt. Jetzt sitzt er seine Haftstrafe aus Münster ab. Die Fahrt in Richtung der Polizisten könnte eine Anklage wegen versuchten Mordes bedeuten.

Der Fall Niko S. hat auch für die SpVgg Haidhausen Konsequenzen. Ermittler fanden in seiner Wohnung scharfe Schusswaffen, fünf Kilo Amphetamine und drei gefälschte Pässe – dabei kam ans Licht, dass er mit falscher Identität Fußball in Haidhausen spielte. Laut Bayerischem Fußballverband muss der Club jetzt dafür haften: Haidhausen drohen 27 Punkte Abzug (wir berichteten).

Der dritte im Drogen-Dreieck ist ein 33-Jähriger namens S. Er fiel den Ermittlern auf, weil er mit Niko S. gedealt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, 28 Kilo Kokain verkauft zu haben.

Nach unseren Informationen stießen die Ermittler erst im April 2025 auf S. – im Zusammenhang mit einem Kokain-Deal auf dem Parkplatz des McDonald’s in Obersendling. Dort hatten Dealer einem V-Mann der Polizei sechs Kilo Kokain für 210.000 Euro verkauft. Sie kamen vor Gericht, doch S. wurde erst Ende November verhaftet – nach mehreren mutmaßlichen Deals mit Fußballer Niko S. Am 24. November entdeckten Ermittler 22 Kilo Kokain und 57.000 Euro in einer Tiefgarage in Hadern, die S. gemietet haben soll. Er sitzt nun in U-Haft. Anklagevorwurf: Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Hinter all dem soll „Die Firma“ stecken. Laut Anklage stammte das Münchner Kokain ursprünglich aus Bolivien. „Firma“-Mitglieder kauften es in den Niederlanden oder in Brüssel und brachten es über Kuriere nach Frankfurt und von dort weiter hierher.

Der Münchner Markt ist begehrt: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Kokain-Fälle mehr als verdoppelt: 2016 verzeichnete die Polizei noch 611 Fälle – 2025 waren es 1396. Einer aktuellen Studie zufolge gab es zwischen 2021 und 2025 einen sprunghaften Anstieg an gemessenen Rückständen von Kokain im Abwasser. Laut Ermittlern kostet ein Gramm im Endverkauf aktuell 70 bis 80 Euro.

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