Der große Test: Diese Präparate wirken am besten

von Redaktion

Stiftung Warentest analysiert 17 Präparate – Warnung vor gefälschten Billigprodukten aus dem Internet

In aller Munde: Abnehmspritzen dämpfen den Appetit und lassen Kilos purzeln. © Jens Kalaene/dpa, Imago

Berlin – Die Stiftung Warentest hat jetzt (Heft 4/2026, test.de/abnehmmittel) verschiedene Präparate getestet und kommt zu dem Ergebnis: Nicht alle funktionieren – und günstige Produkte aus dem Internet sind sogar gefährlich.

■ Diese Mittel gibt‘s

In Deutschland sind 17 Präparate in verschiedensten Dosierungen zugelassen. Zwei davon rezeptfrei, für die übrigen ist ein Rezept nötig. Alle vier Wirkstoffe – Tirzepatid, Semaglutid, Liraglutid, Orlistat – wurden getestet. Sie sind je nach Präparat anders dosiert, manche werden als Kapsel eingenommen, die meisten per Spritze.

■ Das sind die Testsieger

„Zwei Wirkstoffe, nämlich Semaglutid und Tirzepatid, haben wir als geeignet eingestuft“, sagt Gesundheitsexpertin Dr. Claudia Michael. Dabei handele es sich um die Abnehmspritzen Wegovy und Mounjaro. Tirzepatid (Markenname Mounjaro, Hersteller Lilly) wird per Spritze wöchentlich verabreicht. Wer das ein Jahr lang macht, kann mit einer Gewichtsabnahme von 13 bis 19 Prozent rechnen. Auch nach drei Jahren der Einnahme hält sich dieser Wert – in Kombination mit Bewegung und einer kalorienreduzierten Ernährung.

Geeignet ist laut Stiftung Warentest auch der Stoff Semaglutid, Markenname Wegovy, Hersteller Novo Nordisk. Auch Semaglutid wird jede Woche einmal gespritzt. Der Gewichtsverlust nach einem Jahr ist etwas geringer als bei Tirzepatid: neun bis zwölf Prozent. Zwei Jahre später bleibt der Wert ähnlich. Von den anderen beiden Wirkstoffen rät die Stiftung Warentest nachdrücklich ab. Weder Liraglutid (Markenname Saxenda, Hersteller Novo Nordisk) noch Orlistat (mehrere Hersteller) konnten überzeugen. Liraglutid kann nach einem Jahr für einen Gewichtsverlust von gerade einmal vier bis fünf Prozent sorgen. Besonders kritisch: die teils schweren Nebenwirkungen, die auch zu Therapieabbrüchen führten. Orlistat ist eigentlich ein Fettblocker und wird als Kapsel eingenommen. Erst nach zwei Jahren macht sich eine Gewichtsreduktion wirklich bemerkbar – allerdings mit gerade einmal zwei bis vier Prozent. Dazu kommen unangenehme Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden.

■ So wirken die Spritzen

Doch wie funktionieren die Medikamente überhaupt? „Die Abnehmspritzen ahmen letztlich Darmhormone nach, die unser Körper selbst produziert und nach dem Essen ausschüttet“, erklärt Expertin Dr. Claudia Michael. Das hat gleich mehrere Effekte: Die Hormone regen die Bauchspeicheldrüse an, Insulin auszuschütten, bremsen die Magenentleerung und dämpfen das Appetitzentrum im Gehirn. „Man hat also weniger Hunger, wird schneller satt und isst insgesamt weniger“, so Michael.

■ Die Langzeitfolgen

Gerade zu Semaglutid und Tirzepatid gibt es wenig Informationen. „Diese Wirkstoffe sind noch nicht so lange auf dem Markt und uns fehlen noch belastbare Langzeitdaten“, erklärt Gesundheitsexpertin Dr. Claudia Michael.

■ Die Nebenwirkungen

Laut Stiftung Warentest können Abnehmspritzen verschiedene Nebenwirkungen haben. Das reiche von Übelkeit und Völlegefühl bis zu schweren Folgen wie akutem Sehverlust oder starken Schmerzen im Oberbauch, die auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hindeuten.

■ Der Kosten-Überblick

Hinzu kommt der Kostenfaktor. Krankenkassen erstatten die Kosten für Abnehmspritzen nicht, da sie als „Lifestyle-Mittel“ eingestuft sind. Doch die Spritzen sind teuer. Für vier Wochen Therapie müssen für die beiden Testsieger-Medikamente von Mounjaro und Wegovy rund 277 Euro hingeblättert werden. Höhere Dosen von Mounjaro sind laut Expertin Michael zwar teurer als Wegovy, für viele Patienten reichen aber fünf Milligramm als Erhaltungsdosis. Diese Dosis kostet pro Packung so viel wie die übliche Erhaltungsdosis von Wegovy à 2,4 Milligramm.

■ Vorsicht im Internet

„Wer sich Abnehmspritzen im Internet besorgt, geht ein ernstes gesundheitliches Risiko ein“, so Dr. Claudia Michael. Man wisse nicht, was in den Produkten steckt. Es könnten ihr zufolge andere oder sogar verbotene Wirkstoffe sowie falsche Mengen sein.MAGDALENA ABERLE

Artikel 2 von 4