Ihre erste Leiche: Batic (Miroslav Nemec, li.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) in „Animals“ (1991). © Klausmann/BR
Raus aus dem Polizeipräsidium: Am Ende des ersten Teils von „Unvergänglich“, so der Titel der finalen Doppelfolge, gehen Batic (Miroslav Nemec, li.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) in den Ruhestand. Allein: Ihr letzter Fall ist noch nicht so richtig gelöst. © Heiden/BR
München – Zum Ende hin machen sie es noch mal richtig spannend. Denn die Frage, wie sich Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec an Ostern vom Münchner „Tatort“ verabschieden, was in den letzten Szenen von „Unvergänglich“ passiert, ob sie tot oder lebendig sind, guter oder schlechter Laune, vereint oder getrennt – das weiß, neben den beiden, nur ein sehr kleiner Kreis. Selbst Journalisten, die für gewöhnlich vom BR oder der ARD die Filme vorab zur Sichtung bekommen, werden auf die Folter gespannt. Die letzten Minuten des Krimis sind: abgeschnitten.
Nemec und Wachtveitl haben in Interviews zuletzt immer betont, dass Batic und Leitmayr gern gelebt haben. In den Äußerungen schwang mit: Es wäre doch komisch, wenn ausgerechnet die Zwei nun zum Ende erschossen oder gar in die Luft gesprengt würden wie vor einer Weile das Frankfurter Ermittler-Duo. Wäre es nicht schön und passender, wenn sie, nachdem sie ihren letzten Fall gelöst haben, auf eine Mass in den Biergarten gehen? Vielleicht. Aber so richtig wissen kann man es eben nicht. Zumal: Geschossen wird am Schluss nicht zu knapp.
Dieses österliche Überraschungs-Ei zum Ende passt gut zum Wesen des Münchner „Tatorts“ mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. Denn auch wenn die Krimis in den vergangenen 35 Jahren (fast) immer von hoher Qualität waren, waren sie selten vorhersehbar und ließen sich vor allem nicht in eine Schublade pressen nach dem Motto: Münster ist lustig, Tukur schräg, die Schweiz – na ja. Oder, anders gesagt: Die Münchner wollten sich nie festlegen, sondern Raum für Überraschungen lassen. Bedingung war nur: Es muss gut sein.
Und damit soll jetzt Schluss sein? Ja! „Wir haben immer gesagt, dass wir nicht mit dem Rollator auf Verbrecherjagd gehen wollen“, erklären Wachtveitl und Nemec. Und haben damit Recht. Irgendwann wäre es schlicht unrealistisch geworden. Nemec ist 71, Wachtveitl 67 Jahre alt. Dass sie überhaupt so lange – 35 Jahre – auf Verbrecherjagd gehen würden, hätten die beiden ohnehin nicht gedacht, als der BR sie im April 1989 für ein Gespräch in den Biergarten an der Münchner Osterwaldstraße einlud. Für sechs Folgen sollten sie unterschreiben – und weigerten sich, weil sie meinten, das könnten viel zu viele sein. Absurd aus heutiger Sicht, aber das Prinzip haben die Schauspieler bis zum Schluss beibehalten und keinen Vertrag unterzeichnet, der sie über mehrere Jahre an die ARD-Krimireihe gebunden hätte. „G’schlamperte Verhältnisse“ also. „Und nicht selten“, sagt Udo Wachtveitl, „erweisen sie sich als die stabilsten“.
Ohne Lederhose, Gamsbart und Dackel
Ihren ersten Auftritt als „Tatort“-Duo hatten sie 1991 in der Folge „Animals“, einer ziemlich wilden Geschichte um eine militante Tierschützerin. Sie tragen „weder Lederhose noch Gamsbart – ja nicht einmal einen Dackel haben sie!“, schrieb das Würzburger „Main-Echo“ damals leicht empört. Tatsächlich waren sie, die Neuen, nicht nur wesentlich jünger, als ihre Vorgänger (Gustl Bayrhammer und Co., siehe unten) es in ihren Rollen waren, sie hatten so gar nichts „Klischee-Bayerisches“ an sich, agierten wahnsinnig cool, redeten flapsig, liefen betont lässig. Wer sich die Folge heute anschaut, der merkt allerdings auch, dass es noch eine Weile brauchte, ehe diese Münchner Jungspunde die großen Kommissarsjacken ausfüllen konnten.
Das haben sie in den vergangenen 35 Jahren freilich geschafft. Nemec und Wachtveitl gehören zu den beliebtesten „Tatort“-Teams, einige Fälle wie „Frau Bu lacht“, „Der tiefe Schlaf“, „Nie wieder frei sein“, „Die Wahrheit“ und viele mehr haben Kultstatus. Auf sie und vieles mehr blicken wir im Lauf der Woche zurück.
Fest steht: Leicht trennen sich Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec nicht von Franz Leitmayr und Ivo Batic. Niemand hat diese Figuren mehr in sein Herz geschlossen als die beiden, die sie mit so viel Leidenschaft gespielt haben. Aber die beiden sind sich auch einig, den richtigen Zeitpunkt für ihren Abschied erwischt zu haben. 99 Folgen hätten sie lustig gefunden, der BR wollte die 100 vollmachen – Rekord. Kein anderes „Tatort“-Team hat mehr Fälle gelöst, nicht mal Ulrike Folkerts, obwohl sie länger im Dienst ist. Udo Wachtveitl und Miro Nemec blicken – wie die Millionen von Zuschauern, deren Gäste sie im Wohnzimmer waren – mit großer Zufriedenheit auf diese unvergleichliche Ära. „Für uns“, sagen sie, war der „Tatort“ ein großes Geschenk. „Ein Glücksfall in unseren Leben.“STEFANIE THYSSEN
Lesen Sie morgen
im Kulturteil unserer Zeitung: Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl verraten ihre Lieblingsfolgen.