50 Jahre Apple, die die Welt verändert haben

von Redaktion

Steve Jobs feiert 2006 in San Francisco das 30-jährige Apple-Jubiläum vor einem alten Bild von ihm und Mitgründer Steve Wozniak. Bild rechts: Jobs, John Sculley und Wozniak (v.li.) 1984 mit dem neuen Apple IIc. Unten: Steve Jobs präsentiert der Welt am 9. Januar 2007 das erste iPhone. Daneben hält er im Jahr 1998 den legendären iMac G3. © imago/PA/Apple/AP

München – Die Dreier-Allianz, sie währt nicht lange. Ron Wayne, damals bereits 41 Jahre alt, steigt nur elf Tage nach der Gründung aus Angst vor finanzieller Haftung wieder aus. Er lässt sich seinen 10-Prozent-Anteil für 800 Dollar auszahlen – und verzockt damit Milliarden. Doch die verbleibenden Steves verändern die Welt und schaffen mit dem iPhone einen Katalysator für TikTok und Instagram, für Fake News und gesellschaftliche Umwälzungen, deren Ausgang bis heute nicht abzusehen ist. Die Geschichte von Apple, sie liest sich wie eine Mischung aus Krimi und griechischer Tragödie.

■ 1976 bis 1986: Urknall und Königsmord

1300 Dollar kratzen die damals 21 und 25 Jahre alten Jobs und Wozniak durch den Verkauf eines VW-Busses und eines Taschenrechners als Startkapital zusammen. Den Namen Apple wählt Steve Jobs nach dem Besuch einer Obstplantage. Er findet den Namen „lustig“ und „lebhaft“ – und dass er dem furchteinflößenden Wort Computer „die Schärfe nimmt“.

Mit dem Apple II, dem ersten Heimcomputer mit Farbgrafik, verwandeln sie klobige Technik in ein freundliches Haushaltsgerät. Das Design einer Küchenmaschine dient als Inspiration. Während in den Kellern der Konzerne Großrechner stehen, verkauft Jobs der Welt „einen Computer für den Rest von uns“. Doch das eigentliche Monument dieser Dekade ist 1984 der Macintosh. Jobs will ein „Fahrrad für unsere Gedanken“ bauen. Der Mac definiert alles, was Computer bis heute ausmacht: Fenster, Menüs, Maus.

Doch Steve Jobs wird zum Opfer seiner eigenen Schöpfung. Der Erfolg wächst ihm über den Kopf, er holt John Sculley von Pepsi als erfahrenen Konzernchef. Der Mann mit dem „Zuckerwasser“, wie Jobs spottet, entmachtet ihn 1985 handstreichartig. Der Gründer muss gehen. Es ist das Ende der Unschuld bei Apple.

■ 1986 bis 1996: Die dunklen Jahre

Ohne Jobs taumelt Apple. Microsoft und Windows sind weniger elegant als der Mac, aber solide und günstig. Es ist die Ära der „grauen Kisten“, der Buchhalter-Computer. Apple-Rechner werden zum kaum bezahlbaren Luxus für Grafiker und Verlage. 1996 steht die Firma am Abgrund: 400 Millionen Dollar Schulden, man verteilt bereits die Totenscheine.

Doch dann das Wunder: Ein Flop rettet die Firma. Der „Newton“, Apples gescheiterter Tablet-Vorläufer, ist ein 500-Millionen-Dollar-Fiasko. Aber um seinen Prozessor zu entwickeln, investiert Sculley 1990 drei Millionen Dollar in die kleine britische Firma ARM. 1996 ist dieser Anteil plötzlich 800 Millionen Dollar wert. ARM-Chips bilden bis heute die technische Basis von iPhone und iPad. Dieses Geld ermöglicht es, den verstoßenen Sohn heimzuholen. Apple kauft Jobs’ neue Firma NeXT. Damit ist die Bühne für das wohl größte Comeback der Wirtschaftsgeschichte bereitet.

■ 1996 bis 2006: Das iPod-Wunder

Als Jobs 1997 zurückkehrt, findet er bei Apple eine Konkursmasse mit angeschlossenem Museum vor. Er feuert die „Bozos“ (Jobs-Slang für unfähige Manager), führt Apple wie eine religiöse Gemeinschaft und brüllt Mitarbeiter in Grund und Boden, wenn ihm Kleinigkeiten nicht gefallen. Doch mit Jobs kommt der Erfolg zurück. Erster Glanzpunkt ist 1998 der iMac G3: ein Würfel in verführerischem Blau, durchscheinend wie ein Bonbon, der das deprimierende Beige der Computerindustrie mit einem Schlag beendet. Mit dem jungen Designer Jony Ive schafft Jobs Geräte, die man nicht nur benutzen, sondern „ablecken“ will. Der iPod rettet 2001 nicht nur die Musikindustrie vor der Piraterie, sondern verwandelt Apple in eine Lifestyle-Marke.

■ 2006 bis 2016: Das iPhone verändert alles

Doch selbst der MP3-Player verblasst im Vergleich zu „Project Purple“. Die Entwicklung des iPhones gleicht einem internen Kriegszustand. Jobs hetzt zwei Teams aufeinander: Eines soll ein Telefon auf Basis des iPods bauen, das andere wagt den Sprung zum revolutionären Touch-Bildschirm. Ingenieure arbeiten jahrelang sieben Tage die Woche, Ehen zerbrechen im Schatten des manischen Gründers.

Die Präsentation des ersten iPhones am 9. Januar 2007 ist ein Kamikaze-Akt. Die Prototypen sind so instabil, dass Jobs einem exakten Pfad von Klicks folgen muss – jede Abweichung lässt das Gerät abstürzen. Während er auf der Bühne bei Starbucks „4000 Latte zum Mitnehmen“ bestellt, halten die Ingenieure im Publikum den Atem an. Doch das iPhone funktioniert. Es lässt alle Nokia-Handys uralt aussehen und wird zum umsatzstärksten Produkt der Menschheitsgeschichte.

Rund 1,4 Billionen Euro hat Apple bisher mit dem iPhone eingenommen. Doch inmitten dieses Triumphs die Tragödie: Als Visionär Jobs 2011 an Bauchspeicheldrüsenkrebs stirbt, hinterlässt er eine Lücke, die sich kaum füllen lässt.

■ 2016 bis 2026: Die Götterdämmerung?

Unter Nachfolger Tim Cook wird Apple zur hocheffizienten „Gelddruckmaschine“, die heute alle 90 Sekunden eine Million Dollar einnimmt. Motor ist neben dem iPhone der „Goldene Käfig“ der Dienstleistungen. Apple Music, iCloud, Apple Pay – die Abos zementieren eine Welt, die man nach dem Einstieg kaum mehr verlassen kann (und will). Denn mit Android-Handys und PCs funktionieren weder die Apple Watch noch die weißen AirPods-Kopfhörer richtig gut.

Heute lebt Apple von immer neuen Verfeinerungen. Ein wirklich bahnbrechendes Produkt hat Apple seit der Watch-Smartuhr von 2014 nicht mehr geliefert – und selbst die dürfte noch auf einer Idee von Steve Jobs beruht haben. 50 Jahre nach der legendären Garage der beiden Steves ist Apple mächtiger denn je – und wirkt doch so normalsterblich wie seit den 1980ern nicht mehr.

Artikel 4 von 4