Der unkreative Vollstrecker

von Redaktion

Unter Tim Cook (65) wurde Apple zum Billionen-Imperium

John Ternus soll Tim Cook (re.) nachfolgen. © Getty/dpa

München – In 50 Jahren Firmengeschichte hatte Apple nur zwei prägende Anführer: Gründer Steve Jobs, der 2011 an Krebs starb, und seinen Nachfolger Tim Cook (65), der trotz Rücktrittsgerüchten wohl noch einige Jahre bleiben will. Er beteuert: „Ich kann mir kein Leben ohne Apple vorstellen.“ Und das, obwohl mit Hardware-Chef John Ternus (50) sein designierter Nachfolger feststeht.

Als Cook 1998 von Konkurrent Compaq zu Apple wechselt, steht der gerade zurückgekehrte Jobs dort vor einem Trümmerfeld. Der manische Visionär sucht keinen weiteren Träumer, sondern ein Logistik-Genie, das für Ordnung sorgt. Er braucht den Anti-Jobs – und findet Tim Cook. Alle raten dem ruhigen Südstaatler vom Wechsel zum konkursreifen Apple ab. Doch Jobs’ Fähigkeit, Menschen für sich einzunehmen, greift erneut. Tim Cook blickt zurück: „Ich schwöre, nach fünf Minuten dachte ich: Ich will das machen.“

Was folgt, ist eine beispiellose logistische Säuberungsaktion. Cook prägt das Mantra, das Apples Profitabilität für immer verändert: „Lagerbestände sind das fundamental Böse. In unserer Branche hat Hardware die Haltbarkeit von frischem Fisch.“ Also reduziert er die Bestände von 30 auf nur noch zwei Tage. Mit militärisch straffer Produktion, vor allem in China, verwandelt Cook die Kreativschmiede in ein Billionen-Imperium. „Es ist besser, Pirat zu sein, als der Navy beizutreten“, hatte Jobs 1984 als Losung ausgegeben. Unter Cook ist Apple der Supertanker, der sich kaum noch manövrieren lässt. Zugkräftige neue Produktideen hat der Mann, der seine Homosexualität als „Geschenk Gottes“ bezeichnet, keine. Aber er ist der perfekte Vollstrecker von Jobs’ Visionen.

Der Apple-Chef nennt sich selbst unpolitisch, pflegt aber einen engen Draht zu Donald Trump. Cook macht dem Präsidenten Geschenke, ist Premieren-Ehrengast des dubiosen „Melania“-Films. Seine Trump-Nähe passt schlecht zum liberalen Geist von Steve Jobs und lässt viele in der Apple-Gemeinde ratlos zurück.JÖRG HEINRICH

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