Der heilige Nagel im Dom zu Bamberg, rechts der in Silber gefasste Kreuzpartikel in Maria-Thalkirchen. © Johannes Först/Wikipedia
Kreuzförmig angelegt: die Holzpartikel in St. Magdalena in Fürstenfeldbruck. © Peter Weber
Das Kloster Scheyern: Hier, in der Wiege des Fürstenhauses Wittelsbach, wird in einer Kreuzmonstranz (links) ein großer Holzsplitter als Reliquie verwahrt. © imago
München – Reliquien gibt es verschiedene. Primäre Reliquien sind Knochen, Haare oder Asche eines Heiligen. Berührungsreliquien wiederum sind Gegenstände, die direkten Kontakt mit dessen Körper oder einer primären Reliquie hatten – etwa das Kreuz Jesu. Wissenschaftliche Nachweise, dass einer der tausenden Kreuzpartikel tatsächlich vom Kreuz Jesu stammt, gibt es nicht. Glaubenssache also – und vor allem im Mittelalter ein lukratives Geschäft, was auch viele Scharlatane auf den Plan rief. So müsste Johannes der Täufer mehrere Köpfe gehabt haben, denn sein Schädel oder Teile davon werden als Reliquie in Rom, in Amiens in Frankreich und in der syrischen Hauptstadt Damaskus verehrt. Auch nach Oberbayern hat es die ein oder andere Reliquie geschafft.
■ Kloster Andechs
Im Kloster Andechs im Landkreis Starnberg sind einige Reliquien zu finden. Die ersten sollen der Überlieferung nach über Rasso, einst Graf im Ammersee-Amper-Gebiet, im frühen Mittelalter dorthin gekommen sein. Angeblich war er 2,50 Meter groß. Als Ritter soll er zwischen 909 und 948 mehrfachvon Herzog Heinrich I. zur Abwehr von Angriffen der Ungarn im Innviertel eingesetzt worden sein. Graf Rasso soll von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land die ersten Herrenreliquien mitgebracht haben. Sie wurden zum Grundstock für den berühmten Heiligen Schatz, der im Kloster Andechs noch heute gezeigt wird. Unter den Reliquien sind ein Zweig der Dornenkrone und ein Stück vom Kreuz Christi. Der Reliquienschatz wird in der „Heiligen Kapelle“ aufbewahrt. Bei angemeldeten Kirchenführungen können kleine Gruppen einen Blick darauf werfen.
■ Fürstenfeldbruck
Auch hier gibt es in der Kirche Sankt Magdalena einen Kreuzsplitter – in einem mit Edelsteinen verzierten Reliquiar. Doch die Edelsteine sind nicht das Besondere: In dem Reliquiar sind zwei Kreuzsplitter, die vom Kreuz Jesu stammen sollen. Die zwei Partikel sind kreuzförmig eingesetzt. Wie genau die Partikel den Weg bis nach Fürstenfeldbruck geschafft haben, ist nicht klar. Ob sie echt sind, ebenso wenig. Das Reliquiar ist in einem Tresor verwahrt, kommt aber immer wieder mal zum Einsatz, zum Beispiel beim Wettersegen.
■ Kloster Scheyern
Im Stammsitz der Wittelsbacher werden ebenfalls Kreuzsplitter aufbewahrt – in einer großen Kreuzmonstranz (lat. „monstrare“ = zeigen). Darin befindet sich einer der größten Splitter. Die seit dem 12. Jahrhundert verehrte Reliquie, die in Form eines Patriarchenkreuzes zusammengesetzt ist, wird in einer Doppelkreuzmonstranz in der Heiligkreuzkapelle aufbewahrt.
Der Legende nach soll die Reliquie ins Abendland gekommen sein, da man im Heiligen Land Geld brauchte. In Oberbayern wurde dafür zwischen 1155 und 1157 Geld gesammelt. Die Grafen von Dachau überfielen den Geldeinsammler, der eben auch das Reliquiar mit sich führte. Der letzte Dachauer Graf brachte es dann kurz vor seinem Tod in einem Strumpf ins Kloster Scheyern.
■ Dom zu Bamberg
Im oberfränkischen Bamberg ist es kein Holzpartikel, sondern ein Nagel, der vom Kreuz Jesu stammen soll. Aufbewahrt wird er im südlichen Querschiff des Bamberger Doms, genauer in der Nagelkapelle. Der Nagel ist elf Zentimeter lang, Kopf und Spitze sind abgebrochen. Laut dem Erzbistum Bamberg wurde er bereits im Jahr 1390 in einer Rechnung erwähnt und ist seit dieser Zeit im Bamberger Domschatz nachweisbar.
■ Thalkirchen
Und noch ein Holzsplitter, der aus dem Kreuz Jesu von Nazareth stammen soll. Der Überlieferung nach kam er Mitte des 15. Jahrhunderts in die Münchner Pfarrkirche Maria-Thalkirchen. Der bayerische Herzog Albrecht III., genannt „der Fromme“ , spendete ihn. Der Splitter lockte viele Wallfahrer zur Kirche St. Maria. Noch heute gibt es dort Einzelsegnungen, bei denen der Kreuzpartikel auf die Stirn der Gläubigen gelegt wird.FRANZISKA WEBER