München – Es gibt kaum ein anderes Medikament, das weltweit so oft verordnet wird wie Statine. Dennoch bestehen reihenweise Irrtümer und Vorurteile gegenüber den Cholesterinsenkern. Kardiologe Prof. Ulrich Laufs klärt auf.
Statine seien ein Bluff der Pharmaindustrie, behaupten Kritiker. Was sagen Sie?
Dass es zahlreiche unabhängige Studien gibt, die zeigen, dass Statine das LDL-Cholesterin senken und so die Gefäßverkalkung bremsen. Mittlerweile sind Statine glücklicherweise auch sehr kostengünstig.
Wer keine Schmerzen spürt, benötigt auch kein Statin. Ein Irrglaube?
Ja! Denn erhöhtes LDL-Cholesterin verursacht keine Schmerzen, schädigt aber die Gefäße. Statine wirken vorbeugend.
Was ist mit den Nebenwirkungen?
Von den meisten Menschen werden Statine gut vertragen. Nur in seltenen Fällen können Muskelschmerzen auftreten, insbesondere bei höheren Dosen. Dann bitte mit dem Arzt eine Lösung suchen.
Fördern Statine Diabetes?
Sie können den Zuckerstoffwechsel leicht beeinflussen, vor allem wenn man unter Prädiabetes leidet. Dennoch: Gerade diese Patienten profitieren am meisten vom Herzschutz der Statine.
Es heißt auch, Statine helfen nur Männern …
Dieses Missverständnis hält sich so hartnäckig, weil in früheren Studien hauptsächlich Männer untersucht wurden. Doch heute weiß man, dass Frauen genauso profitieren, Statine wirken also unabhängig vom Geschlecht.
Wird die Leber durch Statine geschädigt?
Ernste Leberschäden sind extrem selten, aber in Ausnahmen können die Leberwerte leicht ansteigen. Hier helfen regelmäßige Kontrollen beim Arzt. Generell gilt: Hohe Blutfette führen zu einer Fettleber – durch die Statine können die Leberwerte sinken.
Und wie schaut es mit Wechselwirkungen aus?
Mit den allermeisten Medikamenten vertragen sich Statine sehr gut, das wurde auch gründlich erforscht. Einige Statine werden über das Enzymsystem CYP3A4 abgebaut, das sich primär in der Leber befindet. Das kann zu Wechselwirkungen führen. Hier gibt es aber Alternativen wie Pravastatin oder Rosuvastatin, die kaum betroffen sind. Fast alle Patienten finden eine gut verträgliche Option.