Familie: Mario Adorf mit Tochter Stella und Enkel Julius im Jahr 2021. © Pa
Die ganz große Liebe: Mario Adorf und seine Gattin Monique 2018 in Berlin. © imago
München – München. Saint-Tropez. Paris. Das waren die drei Lebenswelten von Mario Adorf und seiner Frau Monique (81). Allen gaben sie übers Jahr hinweg die Ehre. An der Isar hatten sie seit 20 Jahren eine Wohnung am Siegestor, fuhren regelmäßig mit der U-Bahn zum Viktualienmarkt zum Einkaufen. Doch die letzten Jahre machten sich die beiden rar, auch auf roten Teppichen.
2020 tanzten Monique und Mario noch auf dem Deutschen Filmball im Bayerischen Hof, 2023 nahmen sie in München noch an einem Gala-Dinner der Filmwirtschaft zugunsten der Künstlernothilfe teil. Stets umlagert, als der Grandseigneur, der Adorf war. Immer ansprechbar, weltgewandt, an allem interessiert. Mario Adorf sprach leise – mit dunkler, samtiger Stimme. Laut wurde er höchstens in seinen Rollen, doch selbst da gab er auch den abgründigsten Figuren menschlichen Glanz.
Adorfs Souveränität und Charisma waren nie durch Banalitäten zu durchbrechen. Egal, wie trivial die Fragen der Journaille an roten Teppichen waren, Adorf gab seiner Antwort Tiefe. Er war der große Bellheim im TV und der große Lebemann im wahren Leben. Aber nur mit der einen Frau an seiner Seite – Monique, mit der er seit fast 60 Jahren zusammen war. Moniques Freundin Brigitte Bardot hatte sie 1968 bei Dreharbeiten zusammengebracht. Es war die ganz große Liebe. Nie waren sie voneinander getrennt, Monique begleitete ihren Mann überall hin. Am Mittwochvormittag hat der Tod die beiden voneinander getrennt – in ihrer Pariser Wohnung. Monique fand ihren Liebsten friedlich eingeschlafen, nach kurzer Krankheit.
Zuvor war Adorf kurz mit der 2019 verstorbenen Schauspielerin Lis Verhoeven verheiratet – die gemeinsame Tochter Stella (62) und Enkel Julius bleiben nun verwaist zurück.
Zur Welt kam Mario Adorf am 8. September 1930 in Zürich als Sohn einer deutschen Röntgenassistentin. Sein Vater, ein italienischer Chirurg, war mit einer anderen Frau verheiratet. So wuchs Adorf ärmlich in der Eifel auf, zeitweise lebte er sogar in einem Waisenhaus. Sein Traum wurden Bühne und Film. In München absolvierte er die Otto-Falckenberg-Schule und spielte hier viel Theater.
Mario Adorf hätte gern noch einmal gespielt. Eine gute Altersrolle. Das hat er die letzten Jahre oft erzählt. Doch es gab keinen Platz mehr für ihn auf der Leinwand oder im Fernsehen, der ihm entsprochen hätte. Darüber ist er müde geworden. Monique musste ihn oft darüber hinwegtrösten. In Paris, Saint-Tropez und München schien am Mittwoch die Sonne. Sie war Adorfs Lebenselixier, prägte sein markantes Gesicht. Es wird für immer in Erinnerung bleiben.ULRIKE SCHMIDT