Großbritannien
„Times“: „Viktor Orbán hatte zwischen 2010 und 2022 bei vier Wahlen eine überwältigende Mehrheit gewonnen und war mit seinem Kampf gegen Migration und seinem Veto gegen EU-Hilfen für die Ukraine zum Vorbild für nationalistische Politiker in ganz Europa geworden. Doch am Ende wurden dem Ministerpräsidenten bei sich zu Hause Klagen über unterfinanzierte Krankenhäuser und schlechte Straßen sowie Enthüllungen über dubiose Regierungsgeschäfte, in die seine Freunde und Familienangehörigen verwickelt waren, zum Verhängnis.“
„Financial Times“: „Viktor Orbáns Niederlage wird über Ungarn hinaus Nachhall finden. Für westliche Liberale und Pro-Europäer ist dies ein Moment, den es inmitten der allgegenwärtigen düsteren Stimmung angesichts des Abdriftens des Kontinents in Richtung nationalistischer Populismus zu würdigen gilt. (…) Kiew ist der größte Gewinner dieser Wahl außerhalb Ungarns, während Moskau der größte Verlierer ist. Orban war der nützlichste Verbündete des Kremls innerhalb der EU, der für Verzögerungen, Spaltung und Lähmung sorgte.“
Polen
„Rzeczpospolita“: „Für uns ist entscheidend, was dieser Wechsel für die Außenpolitik Ungarns und für Europa bedeutet. Politiker der polnischen oppositionellen Rechten, der PiS und der Konfederacja, argumentierten, dass ihnen Orbáns Annäherungsversuche an Wladimir Putin zwar nicht gefielen. Aber schließlich sei es doch wichtiger, dass Orbán ein Verbündeter im Kampf gegen die EU-Kommission sei. Eine solche Sichtweise bedeutet jedoch, dass für die polnische Rechte die EU eine größere existenzielle Bedrohung für Polen darstellt als Russland. Deshalb sollte uns Magyars Sieg freuen, denn mit Orbáns Abgang verliert Moskau einen wichtigen Stützpunkt in Europa. Und alles, was Russland schwächt, liegt im Interesse Polens.“
Slowakei
„Sme“: „Es ist keine gewöhnliche Niederlage in einem normalen demokratischen Land. Es ist eine Niederlage in einem gekaperten Ungarn, in dem Orbán eine ähnliche propagandistische Maschinerie zur Verfügung hatte wie jene, auf die sich sein russischer Verbündeter Wladimir Putin verlassen kann. (…) Orbán hat nicht nur für seine Partei verloren, sondern auch für Putin, der nun vorerst seine wichtigen ungarischen Agenten verliert, mit denen er die Organe der Europäischen Union infiltriert hatte. Auch Donald Trump verliert seinen wichtigsten Verbündeten, der für ihn Europa weiter schwächen sollte.“
Italien
„La Repubblica“: „Der große Verlierer der Wahl ist Donald Trump, der sich am meisten für Orbáns Wiederwahl eingesetzt hatte. Im Plan des Weißen Hauses war Orbán der Vorreiter und Dreh- und Angelpunkt jener europäischen extremen Rechten, die in Frankreich und Deutschland sowie in Italien an die Macht kommen sollte, um die europäische Integration endgültig zu lähmen. Doch die Wahl der Ungarn zeigt nach jener der Italiener beim Referendum, dass Trumps Segen sich für diejenigen, die ihn erhalten, als toxisch erweist.“