Arbeitskampf verhagelt die Jubiläumswoche

von Redaktion

Gute Laune? Lufthansa-Chef Carsten Spohr (l.) begrüßt Kanzler Friedrich Merz. © dpa

München/Frankfurt – Es wäre eigentlich ein Tag der reinen Freude. Die Lufthansa feiert ihren 100. Geburtstag. Zum Festakt ist sogar Friedrich Merz gekommen. Eigentlich ein Wohlfühltermin für den Kanzler, der sich während seiner sonstigen Arbeitszeit mit innenpolitischen Reformstreitigkeiten und außenpolitischen Krisen herumschlagen muss. Doch tatsächlich gleicht auch die große deutsche Fluggesellschaft derzeit einer Konfliktzone.

Die Streiks legen das Fluggeschehen derzeit weitgehend lahm. Auf die Piloten folgte das Kabinenpersonal und ab heute wieder die Piloten. Sie riefen erneut für Donnerstag und Freitag zum Ausstand auf. Am Terminal 2 des Münchner Flughafens ging es gestern extrem ruhig zu. Von den 880 geplanten Starts und Landungen seien 380 abgesagt worden, sagte eine Sprecherin. Angaben zu möglichen Ausfällen am Donnerstag konnte sie nicht machen. Möglichst viele Flüge sollen von anderen Airlines der Lufthansa-Gruppe und von Partner-Fluggesellschaften durchgeführt werden. Reisende warteten noch auf Nachricht, ob ihr Flieger nun geht oder nicht.

Die Zeichen stehen weiter auf Konfrontation: Am Dienstagabend hatten das Unternehmen und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ihre Bereitschaft für eine Schlichtung signalisiert. Nur wenige Stunden später überzog man sich schon wieder mit gegenseitigen Vorwürfen. Die Piloten verlangen höhere Betriebsrenten und bei der Cityline höhere Gehälter.

Wegen der Folgen des Iran-Kriegs muss der Konzern auch im Kleinen sparen. In einer Mail forderte Vorstandsmitglied Dieter Vranckx die Beschäftigten zu erhöhter Kostenkontrolle auf, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Sie sollen auf Dienstreisen, Weiterbildungen und kostspielige Übernachtungen verzichten. Neue Stellen und Beraterverträge soll es nicht mehr geben. Offene Jobs dürfen nur noch mit Genehmigung des Vorstands besetzt werden.

Von Feierlaune also keine Spur. Trotzdem fand der Kanzler in Frankfurt lobende Worte: Die strategisch wichtige Lufthansa habe das Bild von Deutschland stärker geprägt als jedes andere Unternehmen, lobte der Kanzler. „Das zivile Know-how Ihres Unternehmens stärkt damit auch die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Lufthansa ist eben in dieser Hinsicht ein Schlüsselunternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Zur gleichen Zeit demonstrieren am Frankfurter Flughafen 1150 Menschen gegen ihr eigenes Unternehmen.

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