In Deutschland wird vergleichsweise wenig gestreikt

von Redaktion

München – Im internationalen Vergleich gehört Deutschland noch immer zu den Ländern, in denen traditionell eher weniger gestreikt wird. Ein Grund dafür ist, dass hier Flächentarifverträge dominieren, die für alle Unternehmen einer Branche und Region bindend sind und auch für Nichtgewerkschaftsmitglieder gelten. Außerdem sind Streiks, die politische Forderungen durchsetzen wollen, hierzulande nicht zulässig – anders als zum Beispiel in Frankreich. Allerdings holt Deutschland bei der Zahl der Streiktage in den vergangenen 15 Jahren auf, stellt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fest. Schaut man auf die im Jahresdurchschnitt der durch Streik ausgefallenen Tage je 1000 Beschäftigte, so waren es in den 2000er-Jahren noch fünf, in den 2010er-Jahren sieben und zwischen 2020 und 2024 schon zehn Tage. Dagegen nahm in den meisten OECD-Ländern das Ausmaß der Arbeitskämpfe ab.

Auch in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Japan ziehen Arbeitnehmer nicht oft in den Arbeitskampf. Häufiger wird dagegen in südeuropäischen, angelsächsischen und einigen skandinavischen Staaten gestreikt (siehe Grafik).

Aufsehen erregen Streiks vorwiegend dann, wenn sie unmittelbare Auswirkungen auf die Öffentlichkeit haben, wie das im Fall von Ausständen in Kitas, Krankenhäusern oder dem öffentlichen Nahverkehr der Fall ist. Dabei handelt es sich laut IW in Deutschland sehr häufig um Warnstreiks, die nur wenige Tage dauern. Reguläre, unbefristete Streiks sind eher die Ausnahme.COM

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