Mit E-Lastenrädern will Amazon Emissionen beim Liefern vermeiden.
Über 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren zur Einweihung der Amazon-Zentrale in der Parkstadt Schwabing gekommen. Das moderne Gebäude (Foto links) mit seinen 2500 Arbeitsplätzen wurde architektonisch von der Bauhaus-Epoche inspiriert. Nachbarn sind Microsoft und IBM. © Jens Hartmann (3)
München – Filigrane Säulen in elegantem Weiß verzweigen sich in schier endloser Höhe unter dem Glasdach. Dem Himmel so nah. Wer hier arbeitet, scheint großes Glück zu haben. „Spätestens wenn Sie im Atrium stehen, freuen Sie sich auf die Arbeit“, sagt Katrin Kleiser von Amazon, die gestern vor der feierlichen Einweihung des neuen Amazon-Hauptsitzes Deutschland mit über 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die versammelte Presse durch die heiligen Hallen führte.
Das hochmoderne und nachhaltig konzipierte Gebäude an der Anni-Albers-Straße 21 in der Parkstadt Schwabing vereint erstmals 2500 Arbeitsplätze unter einem Dach – darunter die Teams von Alexa, Prime, Video und Amazon Music. Bislang waren die Mitarbeiter der Firma auf vier separate Standorte in der Parkstadt Schwabing verteilt. „Amazon und Bayern gehören einfach zusammen. Wir sind hier seit knapp 30 Jahren zu Hause, haben über 6000 Arbeitsplätze in Bayern geschaffen und seit 2010 rund 20 Milliarden Euro vor Ort investiert“, sagte Deutschland-Chef Rocco Bräuniger.
Gute Nachrichten also mal, die Politiker aus Stadt und Land sind deshalb schnell zur Stelle. In der schweren Wirtschaftskrise, die auch die reichen Regionen im Freistaat mit Wucht trifft, gibt es nicht oft solche Eröffnungen. Amazon sei Innovationstreiber. „Das passt perfekt zu Bayern: Unsere Philosophie heißt Innovation und Technologie“, verkündet Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er nutzt den Auftritt, um seine Hightech-Agenda zu preisen. „Wir sind die Nummer eins bei Hightech und Start-ups und haben die zwei besten Universitäten in der EU.“ Sieben Milliarden investiere der Freistaat in künftige Schlüsseltechnologien. Söder ist übrigens Nachbar: Die CSU-Parteizentrale liegt direkt nebenan.
Auch der designierte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), der sich zuletzt sehr mit Auftritten zurückhielt, eilt zu Amazon. Er sieht ein „starkes Bekenntnis zu unserer Stadt“. Insbesondere in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten seien Investitionen in den Standort München wichtig. Gut, dass Amazon und München die gemeinsame Geschichte fortsetzten. Auch wenn in Schwabing nicht die Päckchen-Laster losrollen, sondern es um Tech-Jobs geht, geht Krause auf die Probleme mit der Zustellung ein. „Paketlogistik in Großstädten ist eine Herausforderung. Ich begrüße es deshalb sehr, dass Amazon zunehmend auf emissionsfreie und flächeneffiziente Lieferungen setzt.“
Abschließend würdigte Krause unter Beifall auch diejenigen, „die heute vielleicht nicht so zahlreich hier vertreten sind“, weil sie gerade auslieferten oder Pakete packten. Eine sehr anstrengende Arbeit, die keine Reichtümer bringe. „Deswegen will ich Sie zum Schluss bei Appellen zur Arbeitsmoral oder bei irgendwelchen Aussagen zum Stadtbild bitten, die Worte genau abzuwägen. Denn wenn man sieht, wer dann spät abends noch die Pakete bringt, wenn man schon gemütlich auf der Couch sitzt, dann verbietet sich das ein oder andere Pauschalurteil.“
München war einer der ersten Amazon-Sitze außerhalb der USA. Amazon hat seine Münchner Wurzeln in Hallbergmoos, 2000 zog das Unternehmen in die damals entstehende Parkstadt Schwabing. In der neuen Unternehmenszentrale soll die Erfolgsgeschichte jetzt weitergehen. „Wir wollen durch Investitionen in unser Logistiknetzwerk die Zustellung nachhaltiger gestalten und eine noch schnellere Lieferung mit einer größeren Auswahl und niedrigen Preisen für Kundinnen und Kunden bieten“, sagte Bräuniger.
Mit dem neuen Hauptsitz will Amazon auch seinen Angestellten eine „zukunftsweisende Arbeitsumgebung“ bieten. Ein firmeninternes Prime-Video-Kino, ein Musikhörraum für das Amazon-Music-Team sowie elf begrünte Dachterrassen gehören zu den Annehmlichkeiten. Hunde im Büro? Ausdrücklich erwünscht.