Unverhofft im selben Team: Markus Söder mit Dominik Krause (rechts) beim Kickern. © LUKAS BARTH
München – Sportlich – und überraschend locker: Markus Söder (CSU) und Dominik Krause (Grüne) haben sich zum ersten Mal seit der Wahl offiziell getroffen. Der Ministerpräsident und Münchens designierter Oberbürgermeister, politisch eigentlich Welten auseinander, fanden sich zum Wettstreit am Kickertisch zusammen. Sogar auf der gleichen Seite. Nanu?
Der Kickertisch stand am Rande der Eröffnung des neuen Amazon-Hauptsitzes Deutschland in München, wo beide als Ehrengäste geladen waren. „Herr Krause und ich wurden gleich zusammengewürfelt in einem Team – und haben auch gleich gewonnen“, sagte Söder nach dem kurzen Match. „Das wird im Landtag den ein oder anderen verunsichern“, ergänzte Söder unter Gelächter.
Ein unverkrampfter Start ist nicht selbstverständlich. Söder hat die Grünen einige Jahre als Lieblingsfeind lustvoll bekämpft (und umgekehrt genauso). Zur Stichwahl gab‘s noch eine offizielle CSU-Wahlempfehlung für Krauses Gegner Dieter Reiter (SPD). Doch im Alltag sind Ministerpräsident und München-Boss, deren Büros kaum 700 Meter voneinander entfernt liegen, auf gutes Miteinander angewiesen. Bei Fördergeld, Infrastruktur – und Großprojekten. Würde sich Krause etwa gegen Bayerns Olympia-Bewerbung stellen, käme die Kandidatur grob ins Wanken. Der junge Bald-OB (offizieller Dienstbeginn im Mai) hat klargestellt, die Bewerbung zu unterstützen. Söder beeilte sich, das nach dem Kicker-Match öffentlich zu wiederholen: München sei eine „super erste Adresse“ für die Olympischen Spiele. „Da bin ich mir mit dem neuen OB einig.“
Das Ja zu Olympia, einen konstruktiven Kurs der Stadt beim Flughafen und ebenso bei der Automesse IAA – diese drei Bedingungen hatte Söder schon vor drei Wochen als Bedingung für ein auskömmliches Miteinander formuliert. Und etwas gönnerhaft angefügt, ein junger Mann wie Krause (35) könne im Amt noch reifen. Wobei auch in der CSU etwas reift: Die Aussicht, in künftigen Konstellationen im Landtag und in der Stadt München vielleicht doch mal in alternativlose Partnerschaften mit Grünen zu rutschen und deshalb doch nicht so grob wie früher übereinander zu reden.
Krause äußerte sich gestern ebenso höflich. Er freue sich über das erste Treffen „hier und heute“. Ganz so schön wie die Wiesn-Eröffnung im September sei der Termin zwar nicht. „Aber er zeigt klar und deutlich, wir fruchtbar es ist, wenn Stadt und Freistaat zusammenarbeiten. Und ich freue mich, wenn wir das genauso fortsetzen.“D. POHL/C. DEUTSCHLÄNDER