Die Anästhesie ist so sicher wie noch nie

von Redaktion

München – Der Kontrollverlust über den eigenen Körper bei einer Operation macht vielen Patienten Angst. Tatsächlich war das Risiko, durch die Narkose zu sterben, früher nicht unerheblich. Genaue Statistiken gibt es zwar nicht, aber in den 1970er- und 1980er-Jahren starben noch zwischen zehn und 30 von 100.000 Patienten. In den 1940er-Jahren waren es sogar noch 64. Durch verbesserte Überwachungsmethoden und bessere Medikamente ist das Risiko inzwischen extrem gesunken.

Die anästhesiebedingte, also durch die Narkose an sich bedingte Sterblichkeit liegt heute in der industrialisierten Welt bei etwa 0,4 von 100.000 Narkosen. Und dann wurden in aller Regel Sicherheitsstandards missachtet. Zwar sterben immer noch viele Menschen während oder nach einer Operation, das liegt dann aber selten an der Narkose, sondern an der Schwere der Grunderkrankung, der Notfallsituation, die die Operation notwendig gemacht hat, an anderen Vorerkrankungen oder an Komplikationen während des Eingriffs.

Narkosen werden nicht nur in Kliniken, sondern auch in Praxen verabreicht. Weil offizielle Zahlen fehlen, hatte das ARD-Magazin „Report Mainz“ über Monate hinweg recherchiert und unter anderem Gerichtsurteile ausgewertet. Den Recherchen zufolge kommt es in deutschen Arztpraxen, etwa beim Zahnarzt oder beim HNO-Arzt, nach Vollnarkosen zu mindetens ein bis zwei Sterbefällen im Jahr. In den vergangenen zehn Jahren wurden der Recherche zufolge zehn Ärzte verurteilt, weil sie Fehler gemacht hatten. Weitere Verfahren liefen laut „Report Mainz“ noch.

Patienten sollten sich vorab gut über die Narkose aufklären lassen. Die Anästhetika selbst sind jedenfalls heute so sicher wie nie. Auch Fälle von intraoperativer Wachheit (Bewusstsein trotz Narkose) sind extrem selten (0,1 bis 0,2 Prozent). Man spricht auch von zu flacher Narkose. Mit Hirnaktivitätsmessungen und Narkosetiefe-Überwachung lässt sich das Risiko minimieren.WHA

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