Erinnern sich: Annemarie Bertl (weiße Schürze) und Annelies Sutter waren am 21. Mai 1965 beim Empfang der Queen an der Münchner Residenz dabei. © Andreas Mayr
Die Queen in München: Elizabeth II. winkt den Münchnern zu. Rechts ihr Gatte Philip. In der Mitte Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel und sein Vize Alois Hundhammer. © imago
München – Diesen Moment hat Annemarie Bertl (79) nie vergessen. Sie sah Elizabeth II. am 21. Mai 1965 in die Augen. Die Queen und ihr Mann Philip statteten Deutschland den ersten Staatsbesuch ab und kamen auch für einen Tag an die Isar. Annemarie Bertl aus Wildsteig (Kreis Weilheim-Schongau) stand mit vielen anderen Trachtlern zum Staatsempfang vor der Residenz. „Die Königin ist etwas verspätet gekommen“, erzählt sie uns sechs Jahrzehnte später.
Die Aufregung stieg für die damals 19-Jährige schon viel früher. Der Vorstand des Trachtenverbandes wählte damals zwei Paare im Oberen Lerchgau aus, um nach München zu fahren. Sie war eine der Vier. Auch ihre Freundin Annelies Sutter (78) durfte mit. „Wir haben uns sehr gefreut.“ Eine kleine Hürde gab es für Bertl aber noch. „Ich musste erst bei meiner Schneiderei nachfragen, ob ich mitfahren kann.“ Der Betrieb willigte ein. Ihr heutiger Mann Max hatte nicht so viel Glück, er musste in seiner Zimmerei helfen. Am 21. Mai brachen die vier Plattler vom Trachtenverein Alpengruß Wildsteig um fünf Uhr in der Früh nach München auf. Annemarie Bertl trug ihre originale Vereinstracht mit steifem Mieder, rotem Rock, weißer Schürze und Strümpfen. Dazu legte sie ihr Kropfband an und setzte einen Hut auf. „Uns hat ein Bus dorthin gefahren, es war alles organisiert“, erinnert sie sich. Ein Foto von damals. Ja, irgendwo hat sie es aufbewahrt. Bloß wo, das weiß sie nicht mehr.
Als sie in München ankamen, nieselte es leicht. „Es war nicht das beste Wetter“, sagt Annemarie Bertl. Alle stellten sich in vorgeschriebener Ordnung auf: Frauen vorn, Männer hinten. Nach langem Warten war es so weit: Die Queen kam. „Sie hatte einen beigefarbenen Zweiteiler an mit einem Sommermantel und einem Hut in derselben Farbe“, erzählt Bertl.
Auch Sutter hat die Szenen noch vor Augen: „Sie war so schön!“ Auf Annemarie Bertl wirkte die Königin „sehr freundlich und mütterlich“. Gesprochen hat sie mit der Queen nicht. „Wir konnten ja alle kein Englisch.“ Sie habe aber Augenkontakt gehabt. Und die Blicke der Königin verrieten Bertl: „Sie war von der Tracht sehr angetan, das hat man deutlich gesehen.“ 25 Minuten konnte sie Elisabeth II. beobachten. „Uns war sofort klar: Das wird uns im Leben nie wieder passieren“, sagt Annemarie Bertl. Bei den Proben zu Hause hätten die Trachtler nur über den Besuch der Queen gesprochen.
Annemarie Bertl blieb ihrem Verein bis heute treu. Ihr Mann Max ist heute Ehrenvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes. Deswegen durfte er Barack Obama bei seinem Besuch in Bayern die Hand schütteln. Seine Annemarie blieb dafür an diesem Tag daheim.MARIE-THERES WANDINGER