Inniges Verhältnis: Ingeborg Bock-Schroeder mit Tochter Dorothea beim Besuch in Wasserburg. © Duczek
Karin Dor, aufgenommen in einem Studio.
Sänger Ivan Rebroff mit einem Stofftiger.
Senta Berger im Englischen Garten in München.
Auch Fußball-Ikone Franz Beckenbauer, hier beim Autogrammeschreiben, hatte Ingeborg Bock-Schroeder vor der Linse.
Ingeborg Bock-Schroeder mit ihrer Rolleiflex.
Heino mit seinem Markenzeichen, der Sonnenbrille.
Willy Millowitsch, Schauspieler und Sänger aus Köln (verstorben 1999), fotografiert im Tierpark Hellabrunn.
Hildegard Knef mit Tochter Christina und Katze.
Michaela May, Schauspielerin aus München.
Mario Adorf, erst im April verstorben, als junger Mann.
Die jungen Kessler-Zwillinge Alice und Ellen mit ihrer Mama Elsa. Erst im November starben die Zwillinge mit 89 Jahren durch einen assistierten Suizid. © Alle Fotos: Ingeborg Bock-Schroeder
Wird heute 90: Star-Fotografin Ingeborg Bock-Schroeder aus Pfaffing. © Duczek
Hannelore Elsner in roter Lederjacke.
Daheim bei Roberto Blanco entstand dieses Bild.
Marianne Koch im Garten: Die Ärztin, Schauspielerin und Autorin lebt heute am Starnberger See.
Der junge Loriot posiert für Ingeborg Bock-Schroeder.
Pfaffing – Ein jugendliches schwarzes Kleid mit weißen Punkten, eine knallrote Weste, ein flotter Haarschnitt: Ingeborg Bock-Schroeder schaut nicht aus wie 90. Mit Tochter Dorothea (63) kommt sie zum Gespräch in die Wasserburger Schranne und bestellt ein alkoholfreies Bier. Nur der Rollator zeigt, dass die Pfaffingerin nicht mehr gut zu Fuß ist. Die Augen hinter der Brille strahlen, sie erzählt fröhlich eine Anekdote nach der anderen aus ihrem spannenden Leben.
Sie hat die Stars vor der Linse gehabt: den jüngst verstorbenen Mario Adorf („Das war so ein lieber Mensch“), die Grande Dame der deutschen Schauspielerei, Senta Berger, Ruth-Maria Kubitschek („Monaco Franze“, „Kir Royal“), den Wasserburger Weltstar Maria Schell (mit Tochter Marie Theres Relin als Kleinkind auf dem Arm), Verlegerin Aenne Burda, Sängerin Dunja Reiter, die Schauspielerinnen Hannelore Elsner, Michaela May und Gaby Dohm. Ingeborg Bock-Schroeder fotografierte unter anderem für die Illustrierte „Quick“, die „Bunte“, den „Stern“, die „Hörzu“.
Nach dem Krieg eine „wilde Jugendzeit“
Ein Berufsleben in der Glitzerwelt der A-Promis. Wobei die Jubilarin mit Nachdruck darauf hinweist: Für sie waren die Stars keine Stars, sondern „ganz normale Menschen“. Das bestätigt auch Tochter Dorothea Schroeder. Sie und ihre drei Geschwister hat die Mama oft mitgenommen zu beruflichen Einsätzen, als sie noch klein waren. Die Mutter fotografierte, die Kinder plantschten derweil im Pool von Roberto Blanco. „Wir haben gar nicht gemerkt, dass wir zu Gast bei Berühmtheiten waren“, sagt Dorothea Schroeder lachend.
Ihre Mutter und ihr Vater machten kein großes Aufheben um ihren Beruf. Für Ingeborg Bock-Schroeder war er eine Berufung. Sie hatte eine „wilde Jugendzeit“ in Nordrhein-Westfalen, in einem Elternhaus, das der Kunst offen gegenüberstand. Und sie fotografierte bereits als Teenagerin „für mein Leben gern“. Dann bekam sie die Chance, hinter die Kulissen des Schauspielhauses Bochum zu schauen und als Theaterfotografin erste Erfolge zu sammeln.
Mit 21 Jahren ging es nach der Lehre nach München, wo sie bereits nach elf Tagen ihren Mann kennenlernte, mit dem sie über 40 Jahre verheiratet war. Der 23 Jahre ältere Peter Bock-Schroeder war, als sie sich ineinander verliebten, bereits ein bekannter Bildjournalist. Er fotografierte ebenfalls für den „Stern“, in den USA, Südamerika, für das olympische Komitee und den Flughafen München.
„Er war ein ganz Großer, ich eine kleine Maus“, erzählt die 90-Jährige lachend. Doch sie mauserte sich. Ein Foto von Schauspielerin Kathrin Ackermann, der Mutter von „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler, beim Baden im Tegernsee schaffte es 1957 auf das Titelbild einer Illustrierten. Danach folgte Auftrag auf Auftrag: Judith Winter, Heidelinde Weis, Senta Berger, Dieter Hildebrandt, die Kessler-Zwillinge – sie und viele weitere Stars ließen sich von Ingeborg Bock-Schroeder ablichten. Die Kubitschek beispielsweise beim Baden in einem Weiher, Loriot mit Hund auf dem Rasen vor seiner Villa, die jüngst Günther Jauch gekauft hat.
Viele Stars reisten extra an
Viele Aufnahmen entstanden daheim in einer Scheune auf dem Hof der Familie nahe München. Die Berühmtheiten reisten extra an und ließen sich fotografieren. Viele Aufträge kamen von Patricia Riekel, der früheren Chefredakteurin der „Bunten“. 2018 gab es mit vielen Stars der Anfangsjahre ein Wiedersehen: Sie ließen sich erneut ablichten. Darunter auch Edmund Stoiber, den die Pfaffingerin schon als jungen Politiker fotografiert hatte. Die Gegenüberstellung, etwa der jungen und älteren Senta Berger, zeigt, dass Ausstrahlung nie vergeht, auch im Alter nicht.
Auch „Menschen wie du und ich“ fotografierte Ingeborg Bock-Schroeder vor allem im Chiemgau, ihrer Wahlheimat: Trachtler am Stammtisch, Ministranten beim Ausflug. Stets eine eigene Geschichte erzählend, mit Tiefgang.
Das schnelle Bild, das Agieren wie ein Paparazzi, das war nicht der Arbeitsstil von Ingeborg Bock-Schroeder. „Ich knipse nicht, ich fotografiere“, sagt sie. Will heißen: Sie suchte und fand einen Zugang zur Person, schaffte eine Vertrauensbasis, „dann öffnet sich der Mensch“. Dieses Vertrauen hat sie nicht missbraucht: Sie blieb verschwiegen, obwohl sie viele Stars privat gut kannte, sie „wanzte sich niemals an“, erzählt die Tochter.
Selten hat ihre Mutter erlebt, dass ihre Arbeit nicht ankam. Nur an eine Berühmtheit erinnert sie sich, die die Fotos von ihr zerriss, weil sie ihr nicht gefielen. Den Namen der Auftraggeberin nennt sie nicht. Verschwiegen bis heute. Das bereits gezahlte Geld gab sie zurück.
Oft gelang es ihr jedoch hervorragend, die Barriere zwischen Fotomotiv und Fotografin zu überbrücken. Mit Loriot wagte sie ein Tänzchen („der hatte übrigens keinen Mops, sondern einen riesigen Hund“), mit Willy Brandt durfte sie im Flugzeug mitreisen, Petra Schürmann lieh ihr für einen festlichen Anlass ein Kleid, Hildegard Knef beschwerte sich einmal, weil Ingeborg Bock-Schroeder auf einen Brief des Weltstars nicht geantwortet hatte.
Auch Ehemann Peter arbeitete auf diese Weise: Sophia Loren soll ihn, so erzählt die Jubilarin, sogar persönlich um ein Foto gebeten haben. Anthony Quinn ließ sich überreden zu einem Foto, Andy Warhol, sehr kamerascheu, in einer Telefonzelle von dem ihm unbekannten Fotografen ablichten.
„Ich bin so dankbar für mein Leben“
Geschichten wie diese kann die 90-Jährige stundenlang erzählen. Mit Elan, einem hervorragend funktionierenden Gedächtnis, voller Lebensfreude, mit ausholenden Gesten. „Ich bin so dankbar für mein Leben“, sagt sie, „vier gesunde Kinder, drei gesunde Enkel: Was will ich mehr? Ich habe geliebt, getanzt, genossen. Ich habe keinen Porsche, aber viel gehabt – weil viel erlebt.“
„Es ist ein Glück, dass meine Mutter noch so fit ist. Wir lieben ihre Geschichten“, sagt die Tochter, die mit ihr in Pfaffing im Landkreis Rosenheim lebt. Demnächst komme ein Buch heraus mit Fotos und Erzählungen aus dem Leben der Stars und der Jubilarin. Den 90. Geburtstag will Ingeborg Bock-Schroeder heute in einer Weinstube mit der Familie, Freunden und Wegbegleitern feiern. „Ich genieße mein Leben. Und ich habe keine Angst vor dem Tod. Obwohl ich mit der Kirche nicht viel anfangen kann, weiß ich: Herr, du nimmst mich in deine Hand, wenn es so weit ist.“
Bis dahin soll es noch dauern. Es gibt so viele Geschichten aus der Welt der Stars, die noch erzählt werden müssen.