Immer wieder fallen die Opfer auf die Täter rein

von Redaktion

München – Sogenannte Schockanrufe, mit denen hemmungslose Betrüger ältere Menschen um ihr Geld bringen wollen, sind an der Tagesordnung. Durch das Vortäuschen von Notsituationen enger Angehöriger versuchen die Täter, ihre Opfer in eine emotionale Ausnahmesituation zu bringen und sie so dazu zu bewegen, ihnen möglichst große Geldsummen oder Wertgegenstände wie Gold auszuhändigen.

Erst im März übergab ein Senior aus Oberbayern 50 Kilogramm Silber an einen unbekannten Täter. Der 80-Jährige aus der Gemeinde Bergheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) war von einem Unbekannten angerufen worden. So wie im Fall von Hubert Eberl (siehe Artikel rechts)behauptete dieser, ein Angehöriger des Seniors habe einen Unfall mit Todesfolge verursacht. Um eine Haftstrafe zu verhindern, solle der Mann Bargeld oder Wertgegenstände übergeben. Darauf fiel der Senior herein – und übergab das Silber an einen unbekannten Abholer.

Ein erst 21-jähriger Mann aus Bayern überführte ebenfalls im März mit einer Schauspieleinlage einen Schockanrufer. Der junge Mann aus dem oberfränkischen Ahorntal wurde von dem Betrüger, der sich als Staatsanwalt ausgab, ebenfalls mit der Lüge konfrontiert, ein Angehöriger habe einen tödlichen Unfall verursacht und müsse eine Kaution zahlen, um eine Haft abzuwenden. Doch der 21-Jährige durchschaute die Sache, gab sich als ältere Frau aus und hielt mehrere Stunden Kontakt mit den Tätern. Weil die Täter eine persönliche Geldübergabe verlangten, verkleidete er sich mit Schürze und Kopftuch und übergab einen Beutel ohne Wertgegenstände. Die Polizei nahm den Geldabholer noch vor Ort fest.

Ein 84-Jähriger aus Germering bei München fiel dagegen auf den Betrüger herein, der sich am Telefon als Polizist ausgab und dem Senior sagte, ein Mitarbeiter der Sparkasse des Seniors sei verdächtig, Gold aus den Schließfächern zu tauschen. Deshalb sei eine Prüfung nötig. Der Rentner räumte auf Anweisung der Betrüger sein Schließfach aus und übergab Gold und Münzen mit sechsstelligem Wert an seiner Haustür an den falschen Polizisten. Beute und Täter sind, wie meist in diesen Fällen, spurlos verschwunden.

Im Februar waren die Kriminellen in München besonders erfolgreich. Opfer wurde eine 77-jährige Frau aus dem Stadtteil Haidhausen. Eine unbekannte Frau gab sich am Telefon als „Monika Weber“ aus und erzählte, die Tochter der 77-Jährigen sei angeblich in einen schweren Autounfall verwickelt. Wie fast immer bei solchen Schockanrufen gab es auch hier Todesopfer. Um eine Inhaftierung der Tochter zu verhindern, müsse die Seniorin einen hohen Geldbetrag zahlen. Emotional massiv unter Druck, übergab die 77-Jährige Goldbarren und Goldmünzen im Millionenwert an zwei Abholer. Der Betrug fiel erst auf, als eine Angehörige der Seniorin auf die Situation aufmerksam wurde und die Polizei verständigte. Das Gold ist weg.

Betrugsmaschen können nach Angaben der Polizei auch hinter Angeboten für Teppich- und Polsterreinigungen oder Reparaturen stecken. Demnach werben die Täter auch mit besonderen Rabatten für ältere Menschen oder geben vor, dass die Betroffenen bereits in der Vergangenheit Kunden waren.