Über die Versichertenkarte kann der Arzt die elektronische Patientenakte einlesen. Er hat dann Zugriff für 90 Tage. © epd
Berlin – Ein Jahr nach dem Start der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland sind bereits mehr als 100 Millionen Befunde, Laborberichte und Arztbriefe in den digitalen Speichern abgelegt. Die Patientenakte werde mittlerweile in der ärztlichen Versorgung zunehmend genutzt, teilte die bundeseigene Digitalagentur gematik mit. Das sei ein wichtiger Fortschritt für die Versorgung und die Digitalisierung des Gesundheitswesens.
Insgesamt haben die Krankenkassen in Deutschland rund 73 Millionen Akten für ihre Versicherten angelegt. Im Schnitt werden den Angaben zufolge wöchentlich mehr als 21 Millionen Abrufe von Medikationslisten verzeichnet. Die Zahl der Dokumenten-Downloads liege mittlerweile bei mehr als 37,4 Millionen. Auch mehr als 5,5 Millionen Zahnbonushefte sind über die ePA abrufbar. Die E-Patientenakte war Ende April vergangenen Jahres schrittweise bundesweit eingeführt worden. Seit 1. Oktober 2025 sind Praxen und Kliniken verpflichtet, wichtige Daten wie Befunde oder Laborwerte einzustellen.
Wegen der umfangreicheren technischen Infrastruktur läuft die Einführung in Krankenhäusern langsamer als in Arztpraxen oder Apotheken. Die Nutzung der ePA nimmt aber auch hier zu. Pro Woche werden inzwischen mehr als 90.000 Dokumente von Kliniken eingespeist.
Bisher nutzen laut gematik Millionen Versicherte ihre E-Akte noch nicht aktiv, um eigene Daten anzusehen oder auch sensible Inhalte zu sperren. Inzwischen haben aber 5,1 Millionen Versicherte eine digitale Gesundheits-Identität, die ihnen Zugriff auf ihre ePA ermöglicht – Ende Oktober waren es nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 3,89 Millionen.
Viele Versicherte verzweifeln an der komplizierten Technik
Versicherte können die ePA über Smartphone, Tablet oder Computer nutzen. Allerdings haben viele Versicherte Probleme bei der Einrichtung, denn die ist nicht so ganz einfach.
Jede gesetzliche Krankenkasse bietet eine eigene App an, eine einheitliche Anwendung gibt es nicht. iPhone-Nutzer laden die App über den App Store herunter, Android-Nutzer über den Google Play Store. Bei einigen Krankenkassen, etwa der Techniker Krankenkasse, ist die ePA in der regulären Krankenkassen-App integriert. Wer keinen mobilen Zugang hat, kann die ePA über einen Desktop-Client, also eine Software, die die ePA-Daten abrufen kann, auf seinem Computer nutzen. Dazu wird ein USB-Kartenlesegerät benötigt, mit dem die Gesundheitskarte eingelesen und die Identität des Versicherten überprüft wird. Zu kaufen gibt es das Gerät in entsprechenden Fachgeschäften.
Bei der ersten Anmeldung müssen Versicherte ihre Identität bestätigen, entweder mit dem elektronischen Personalausweis (eID) inklusive PIN oder mit der Gesundheitskarte plus PIN. Die PIN kann bei der Krankenkasse beantragt werden. Am einfachsten direkt online, mit der eID-Funktion des Personalausweises oder über das Post-Ident-Verfahren. Alternativ kann man sich auch an eine Geschäftsstelle vor Ort wenden. Wer die Anmeldung abgeschlossen hat, findet in der ePA eine aktuelle Übersicht aller verschriebenen und eingelösten E-Rezepte, die sowohl Patienten als auch medizinisches Personal einsehen können. Später wird ein elektronischer Medikationsplan verfügbar sein, der zusätzliche Informationen liefert.
Neben der Medikationsliste können Versicherte in der ePA auch Arztbriefe, Befunde oder Röntgenbilder speichern. Papierdokumente lassen sich einfach abfotografieren oder einscannen, und auf Antrag können nicht digitalisierte Dokumente aus früheren Behandlungen über die Krankenkasse in die ePA übernommen werden. Die ePA erleichtert so den Überblick über die eigene Gesundheit und die Weitergabe von Informationen an behandelnde Ärzte. Alle Daten sind verschlüsselt gespeichert, nur berechtigte medizinische Fachkräfte haben Zugriff.
Der Hausärzteverband fordert aufgrund der noch geringen Nutzung durch Patienten, dass die Krankenkassen ihre Versicherten besser über die ePA informieren. In ihrer derzeitigen Form sei die elektronische Patientenakte für den Alltag kaum praktikabel, kritisierte Markus Beier, Bundesvorsitzender des Verbandes, im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. Er verwies dabei insbesondere auf den komplizierten Registrierungsprozess.LEA SCHÜTZ, KNA