Mit München war Mario Adorf tief verbunden

von Redaktion

„Kir Royal“: Mario Adorf mit Herbie (Dieter Hildebrandt) und Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz, re.). © SWR

Mario Adorf mit Filmregisseur Helmut Dietl 1997 in München bei der Premiere des Films „Die Apothekerin“. © P. Alliance

München – Er war ein Charakterdarsteller ohnegleichen – beherrschte die kraftvollen wie die sanften Töne und spielte in seiner knapp 70-jährigen Schauspielkarriere den furchterregenden Choleriker ebenso glaubhaft wie die verletzliche Seele. Mario Adorf war oft der Mann fürs Grobe, konnte aber auch extrem feinfühlige oder hochgradig manipulative Charaktere spielen.

Seine wohl einprägsamste Szene, ein 90-sekündiger Monolog, mit dem Adorf Kultstatus erlangte, stammt aus der sechsteiligen Gesellschaftssatire „Kir Royal“ aus dem Jahr 1986. Regie führte der unvergessliche Helmut Dietl. Adorf spielt darin den großkotzigen Klebstoff-Fabrikanten Heinrich Haffenloher – ein Neureicher aus der rheinischen Provinz, der verzweifelt versucht, in der Münchner Schickeria Fuß zu fassen. Als ihm der ähnlich großmäulige Klatschreporter Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) jedoch die gebührende Anerkennung verwehrt und sich weigert, über ihn zu berichten, platzt dem exzentrischen Fabrikanten der Kragen. Im Bademantel vor seinem Pool baut er sich vor Schimmerlos mit den einschüchternden Worten auf: „Isch scheiß disch so was von zu mit meinem Jeld, dat de keine ruhije Minute mehr hast.“

München war mehr als nur ein Arbeitsort

In Erinnerung an den im April verstorbenen Schauspieler und diesen einprägsamen TV-Moment, der deutsche Filmgeschichte schrieb, fand nach der Trauerfeier ein Empfang an einem besonderen Schauplatz statt: dem damaligen Drehort – der Spa-Terrasse des Nobelhotels „Bayerischer Hof“. Bei der Feier, bei der geladene Gäste das Leben von Mario Adorf im privaten Rahmen würdigten, wurde am Rande des Pools das Glas mit französischem Crémant erhoben, Anekdoten ausgetauscht, geweint, gelacht und einander Trost gespendet. Zur Stärkung wurden Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat und Gnocchi mit Trüffel gereicht. An diesem legendären Ort noch einmal gemeinsam mit seinen Liebsten zu feiern, hätte Adorf sich auch gefallen.

Zu München hatte der gebürtige Schweizer generell eine tiefe, über sieben Jahrzehnte gewachsene Verbindung. Die Stadt war für ihn weit mehr als nur ein Arbeitsort. Sie war die Schmiede seiner beeindruckenden Karriere, ein langjähriger privater Rückzugsort – und Schauplatz zahlreicher ikonischer Rollen sowie Ehrungen (Bayerischer Verdienstorden, Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises, Karl-Valentin-Orden). Nach seinem abgebrochenen Germanistik- und Philosophie-Studium in Zürich lernte Mario Adorf von 1953 bis 1956 sein Schauspiel-Handwerk an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule, bis 1962 war er festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. In diesen Jahren war München sein primärer Lebensmittelpunkt, bevor er für internationale Produktionen nach Rom zog. Nachdem er jahrzehntelang hauptsächlich in Rom, Saint-Tropez und Paris gelebt hatte, legte er sich im fortgeschrittenen Alter, um 2004, wieder einen festen Wohnsitz in München zu, besaß eine Wohnung in Schwabing, in der Nähe des Siegestors. Denn er schätzte nicht nur die Münchner Lebensart, sondern bezeichnete München auch als seine „deutsche Heimat“, nicht zuletzt, weil seine Mutter dort ihren Lebensabend verbracht hatte.

Legendär und Ausdruck der typischen Münchner Lebensart war neben Helmut Dietls Kultserie „Kir Royal“ auch Adorfs Rolle in dessen Gesellschaftskomödie „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“, in dem er als Restaurantbesitzer Paolo Rossini großartig das Herzstück der Münchner Film-Boheme verkörpert.

Mario Adorf war in München fest verwurzelt und wurde oft als einer der „großen Münchner“ wahrgenommen, obwohl er eigentlich in der Eifel (Mayen) aufgewachsen war.

Er verkörperte den Typus des „Weltbürgers mit Münchner Herz“ und die Stadt blieb für ihn stets ein wichtiger biografischer Ankerpunkt. Er wird fehlen…ANKE SIEKER

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