„Wir hielten ihn alle für unsterblich!“

von Redaktion

Familie, Freunde und Kollegen nehmen bei der Trauerfeier in München bewegend Abschied von Mario Adorf

Günter Netzer und seine Frau Elvira. © babiradpicture

Axel Milberg und seine Frau Judith kannten die Adorfs auch privat gut. © ABR-Pictures

Mario, Adieu! Dieser Fan kam auch zur Trauerfeier. © api

Veronica Ferres mit David Dietl und Tochter Lilly Krug. © babiradpicture

Eberhard Junkersdorf und Gattin Margit. © babiradpicture

Marios Tochter und Enkel: Stella und Julius. © bp

Witwe Monique Faye und Iris Berben. © bp

Senta Berger mit Uschi Glas (re.) und deren Ehemann Dieter Hermann. © babirad

Manager Michael Stark hielt eine bewegende Rede. © Api

Ein letzter verschmitzter Blick: Im Altarraum von St. Michael sind Fotos von Mario Adorf aufgestellt. Links die Kirche von außen. Beigesetzt wird Adorf in Saint-Tropez. © Just/KNA

München – Der weiß-blaue Himmel strahlt am Samstag über der Jesuitenkirche St. Michael in der Münchner Fußgängerzone. So, als würde der Himmel dem am 8. April mit 95 Jahren in Paris verstorbenen Schauspieler Mario Adorf eine gebührende letzte Ehre erweisen. Rund 100 Gäste sind geladen. Adorfs Tochter Stella Maria Adorf (aus seiner Ehe mit Schauspielerin Lis Verhoeven) betritt als Erste die Kirche durch den Seiteneingang, gefolgt von Uschi Glas, die an der Seite ihres Mannes Dieter Hermann mit den Tränen kämpft. „Der Mario war so viele Jahre ein guter und zuverlässiger Freund und ist in seiner Karriere immer durch und durch Mensch geblieben. Er war ein toller, bodenständiger und außergewöhnlicher Mensch mit sehr viel Humor“, sagt sie.

Veronica Ferres ist in Begleitung ihrer Tochter Lilly Krug und Regisseur David Dietl, Sohn des verstorbenen Regisseurs Helmut Dietl: „Mit Mario verbinde ich so viele schöne Erinnerungen. Sein Tod hinterlässt eine Riesenlücke, die man nicht füllen kann.“ Lilly erzählt: „Ich bin praktisch mit ihm aufgewachsen. Meine Mama hat ja meine ganze Kindheit lang Filme mit Mario Adorf gedreht. Wir haben sehr viel Zeit, auch bei Dreharbeiten in Südafrika, zusammen verbracht.

Bewegt ist Günter Netzer neben Ehefrau Elvira. Mit brüchiger Stimme sagt er: „Was soll man über so einen großen Mann sagen, der die Welt bewegt hat, der ein großartiger Mensch war? Ich bin froh, dass wir ihn über sehr viele Jahrzehnte begleiten durften.“ Senta Berger sagt nur: „Mario Adorf war mein Lebensfreund.“

In der Kirche sind zwei großformatige Schwarz-Weiß-Porträts des Schauspielers aufgestellt. Daneben ein in Weiß-Blau gehaltener Kranz mit weißen Chrysanthemen und Rosen des Ministerpräsidenten. Ein zweiter mit roten Rosen, Gerbera und Lilien des Regisseurs und Filmproduzenten Nico Hofmann trägt die Aufschrift „Danke für alles!“

Iris Berben tritt als erste prominente Rednerin ans Pult: „Ach, liebster Mario, was kann ich noch zu deinem Leben, Schaffen, deiner Persönlichkeit hinzufügen? Ist nicht alles gesagt? Nein! Wie soll das möglich sein, bei einem Menschen wie dir – mit so einem prall gefüllten Lebenskoffer!“ Adorf sei für sie „immer ein Komplize der Kunst, ein Komplize des Lebens“ gewesen: „Danke für alles. Ich würde dir jetzt gerne zurufen: „Da capo, Mario!“

Schauspielkollege Axel Milberg erinnert an ein gemeinsames Mittagessen in Paris anlässlich des 20. Hochzeitstags mit seiner Frau Judith. Adorf sei immer ein guter Zuhörer und Anekdotenerzähler gewesen, hätte sich auch an jede Kleinigkeit erinnert. „Und ich wollte alles wissen! Er erzählte, dass ihn die Amerikaner nicht mochten, auch über die Spannungen zwischen ihm und ‚Fitzcarraldo‘-Regisseur Werner Herzog.“ Beide hatten einen ähnlichen Werdegang, lernten erst an der Otto-Falckenberg-Schule, danach an den Kammerspielen in München ihr Schauspielhandwerk.

Adorfs Manager Michael Stark, der Adorf 35 Jahre begleitete und ihn als seinen besten Freund bezeichnete, bedankte sich – auch im Namen von Adorfs Frau und nun Witwe Monique Faye (81)– für die überwältigende Anteilnahme und den großen Stellenwert, „den Mario auf verschiedenste Weise bei Ihnen eingenommen hat! Wir alle – seine Fans, seine Freunde, seine Familie und auch ich – hielten ihn für unsterblich! Nur er selbst wusste, dass es nicht so ist. Und nur wenige Wochen bevor er seine letzte Reise antrat, hat er Zeilen über den Abschied geschrieben und mir übermittelt. Seine Worte: Er hoffe, dass der Tod gnädig daherkomme, und er wolle das Ende annehmen, ohne zu jammern und zu fragen: Warum? Das Leben war doch so schön! Er wolle das Leben zufrieden verlassen.“

Bewegend auch die Dankesworte von Adorfs Tochter Stella: „Ich bin sehr dankbar, dass mein Vater Mario ein so hohes Alter – ohne schwere Krankheiten – erreicht hat. Denn so hatten wir Zeit, uns, gerade in den letzten 25 Jahren, als Erwachsene zu begegnen und unsere Bindung zu vertiefen. Wir gingen zusammen ins Theater, auf Filmfestivals, auf den Flohmarkt, italienisch essen – alles, was uns beiden Freude machte. „Vielen Dank Mario, vielen Dank Papi für alles!“

An der Trauerfeier (mit einer Solo-Einlage von Star-Tenor Klaus Florian Vogt) nahmen unter anderem teil: Innegrit Volkhardt,Chefin des Hotels Bayerischer Hof, Regisseur Dominik Graf, Musikmanager Thomas Stein, Regisseurin Margarethe von Trotta, Regisseur und Produzent Eberhard Junkersdorf mit Gattin Margit. Auch der ein oder andere Fan kam zur Trauerfeier. Einer hatte weiße Rosen mitgebracht – und eine Fotocollage. „Mario, Adieu“, stand darauf.