Dr. Christoph Liebich ist Hautarzt. © Emil Zander
Linderung ist mit einem Allergie-Nasenspray möglich.
Die Nase läuft: Viele Menschen, wie etwa diese Mutter und ihre Tochter, leiden als Allergiker in der Natur, wenn besonders jetzt im Frühjahr die Pollen fliegen. Was hilft, weiß unser Experte. © smarterpix
München – Im Laufe ihres Lebens erkranken mehr als 30 Prozent der Erwachsenen an mindestens einer allergischen Erkrankung, teilt das Robert Koch-Institut mit. Die Zahlen steigen massiv an: Bis 2050 könnte bereits jeder Zweite in Deutschland von einer Allergie betroffen sein, schätzt die Weltgesundheitsorganisation.
■ Die Ausgangslage
„Allergien können jederzeit auftreten. Auch wenn Sie als Kind nie Probleme hatten, können Sie im Erwachsenenalter eine Allergie entwickeln“, erklärt Dr. Christoph Liebich. „Dabei können Beschwerden von leichten Hautausschlägen bis zu lebensbedrohlichen Reaktionen wie Atemnot auftreten.“ Grundsätzlich ist eine Allergie eine Überreaktion des Körpers auf eigentlich harmlose Substanzen. Am weitesten verbreitet ist laut der AOK die Pollenallergie (59 Prozent), gefolgt von der Hausstaubmilbenallergie (34 Prozent).
■ Die Fälle steigen
„Durch die Erderwärmung und den Klimawandel startet die Pollensaison früher und dauert länger“, so Liebich, der die Praxis Dermazent an der Hackenstraße leitet (www.hautarzt-muenchen.com). „Durch den erhöhten Kohlendioxidgehalt, der wie Dünger wirkt, produzieren die Pflanzen mehr Pollen. Diese werden noch dazu aggressiver und lösen stärkere allergische Reaktionen aus.“ Außerdem spielt die Hygienethese eine Rolle: „Weil die Menschen heutzutage nicht mehr so viel mit Bakterien in Kontakt kommen, ist das Immunsystem unterfordert und reagiert stattdessen überempfindlich auf unbedenkliche Stoffe wie Pollen.“ Schließlich kommen noch neue Allergien hinzu. „Zum Beispiel durch die Ambrosia-Pflanze, die aus den USA eingeschleppt wurde.“
■ Wann blüht was
Hier sollte man auf den Pollenflugkalender achten, rät der Hautarzt. Im Januar blühen Hasel und Erle; im März und April sind es Birke, Esche, Weide, Pappel, Buche und Hainbuche. Von Mai bis Juli haben die Gräser und der Roggen Saison. Von Juli bis September sind Beifuß, Brennnessel, Spitzwegerich und Ambrosia dran.
■ Richtige Medikamente
Nasenspray: Allergie-Nasensprays gibt es mit unterschiedlichen Wirkstoffen. „Sprays mit Antihistaminika wie Azelastin und Levocabastin helfen bei Niesen und einer laufenden Nase.“ Bei einer verstopften Nase, so der Mediziner, seien Sprays mit Kortikosteroiden bzw. Kortison besser, „die Substanzen wie Mometason oder Fluticason enthalten und entzündungshemmend wirken“. Liebich warnt: „Bitte kein rein abschwellendes Spray nehmen, da hier das Risiko, abhängig zu werden, zu groß ist.“
Nasendusche: Auch eine Nasendusche „mit isotoner Salzlösung wie bei einer Erkältung kann die Symptome lindern“.
Augentropfen: Bei tränenden oder juckenden Augen sollte man zu Augentropfen mit Antihistaminika greifen. „Wichtig ist, dass die Tropfen ohne Konservierungsstoffe sind, damit das Auge nicht zusätzlich gereizt wird.“
Tabletten: Bei hartnäckigen Beschwerden können Betroffene zusätzlich Tabletten mit Antihistaminika einnehmen. „Es gibt auch Mittel, die nicht müde machen. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.“
■ Alltags-Tipps
„Vor dem Schlafengehen Haare waschen, um die Pollen zu entfernen“, rät Dr. Liebich. „Außerdem hilft ein Pollenschutzgitter an den Fenstern, weil der Filter das Eindringen von Pollen in ein Zimmer reduziert.“ Wichtig sei auch das richtige Lüften, wenn weniger Pollen fliegen. „Pollen, die morgens auf dem Land aufsteigen, werden durch den Wind in die Stadt getragen. Deshalb soll man in der Stadt am besten morgens zwischen 6 und 8 Uhr, am Land dagegen eher abends zwischen 19 und 24 Uhr lüften.“
■ Allergietest
„Verschlimmern sich die Beschwerden, ist ein Allergietest sinnvoll“, so der Mediziner. „Bei der Prick-Testung werden Allergene wie Pollen oder Hausstaubmilben als Tröpfchen auf den Unterarm aufgetragen.“ Danach wird die Haut mit einer spitzen Lanzette vorsichtig geritzt. Das Testergebnis gibt’s nach 20 Minuten. Liebich: „Ist danach die Allergielage noch ungenau, können Allergene beim inhalativen Provokationstest direkt in die Schleimhäute der Nase oder Bronchien eingebracht werden. Das Ergebnis basiert auf Messungen der Schleimhautreizung.“
■ Hyposensibilisierung
Steht nach dem Test die jeweilige Allergie fest, folgt eine maßgeschneiderte Behandlung: die Hyposensibilisierung. „Diese Therapie dauert im Schnitt drei bis fünf Jahre. Schrittweise werden Allergene verabreicht, um das Immunsystem an die jeweiligen Stoffe zu gewöhnen“, berichtet Dr. Liebich. Das könne mit Spritzen oder Tabletten passieren. „Die beste Zeit dafür ist der Herbst, weil die Betroffenen weniger Beschwerden haben.“ Ist die Allergie ärztlich nachgewiesen, zahlen die Kassen in der Regel die Therapie.