Der langwierige Prozess zum Neubau

von Redaktion

400 Millionen Euro teures Projekt am Leonrodplatz in München wird sechs Jahre später fertig – Ministerium klagt über Baupfusch

Das neue Strafjustizzentrum ist viel später fertig geworden als geplant. © Sigi Jantz

München – Das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz galt lange als das Sorgenkind unter den bayerischen Projekten. Denn kaum eine andere Hochbaustelle hat für so viel Ärger gesorgt. Nun, nach mehr als zehn Jahren Bauzeit und über 400 Millionen Euro Kosten, steht das neue Strafjustizzentrum vor der Eröffnung. Es war ein langwieriger Prozess.

Die formale Übergabe an die Justiz ist abgeschlossen. Jetzt wird es offiziell eingeweiht. Im Juli startet dann der reguläre Gerichtsbetrieb. Mördern, Vergewaltigern und Dieben wird dann am Leonrodplatz der Prozess gemacht – und nicht mehr (wie seit den 1970er-Jahren) am Stiglmaierplatz (siehe Text oben).

Der Umzug ist eine Mammutaufgabe: Sieben Behörden mit insgesamt 1300 Mitarbeitern wechseln die Adresse. Den Auftakt macht die Staatsanwaltschaft München II – es folgen München I, das Amts- und die beiden Landgerichte sowie das Oberlandesgericht. Insgesamt sind dafür 1500 Lastwagen-Ladungen und 300.000 Umzugskartons notwendig.

54 Gerichtssäle wird es auf 5100 Quadratmetern geben – darunter der bundesweit größte mit 300 Quadratmetern und neuester Technik. Dazu kommen 850 Büros. 40.000 Quadratmeter Nutzfläche hat der Bau. Der ist allerdings auch sechs Jahre später fertig geworden als ursprünglich geplant.

Neben der Pandemie, Ukraine-Krieg und Rohstoffmangel hatte auch Baupfusch für die enorme Verzögerung gesorgt – und das will der Freistaat nicht auf sich sitzen lassen. Feuchteschäden am Gebäude wurden zwar mittlerweile behoben. Aber: Die Schadensverfolgung sei angesichts der Komplexität des Schadens noch nicht abgeschlossen, hieß es vor einer Weile aus dem Bauministerium.

Auch die Gefangeneneinfahrt wurde zur peinlichen Panne. Sie war zu schmal, wie erst im Sommer 2025 entdeckt wurde – die Zeiserlwagen aus Stadelheim wären nicht durchgekommen. Deshalb musste das Tor der Tiefgarage ausgetauscht werden. Das neue Tor wurde ohne Trennung in der Mitte und mit einer schmaleren Umrandung realisiert. Die Kosten der Schadensbeseitigung werden beim Verursacher geltend gemacht. Mehrere Firmen könnten hier betroffen sein.THI/SKA

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