Bei starkem Leiden: Wer regelmäßige Schmerzen in den Beinen verspürt, sollte unbedingt einen Arzt kontaktieren, vor allem, wenn gleichzeitig Schwellungen oder Rötungen auftreten. © smarterpix
München – Bei einer Venenthrombose steckt ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer Ader, das das Blutgefäß teilweise oder vollständig verstopft. Hauptrisikofaktor ist dabei das Alter. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen sind über 70 Jahre alt. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass das Gewebe der Venenwände mit den Jahren an Elastizität verliert und Blut im Alter schneller gerinnt. Mit der Zeit schließen auch Venenklappen oft nicht mehr richtig. Folge: Das Blut staut sich in den Beinen. „Sind die Venen so stark geschädigt, dass das Blut nicht mehr nach oben zum Herz fließen kann, ist eine Operation wichtig“, sagt Prof. Daniela Branzan, Direktorin der Gefäßchirurgie am Münchner TUM Klinikum Rechts der Isar.
Gründe für den Eingriff
Die renommierte Gefäßmedizinerin zählt Symptome auf, die für einen Eingriff sprechen: „Regelmäßige Schmerzen in den Beinen oder häufige Schwellungen im Unterschenkel oder am Knöchel, die die Gesundheit der Patienten gefährden.“ Auch eine Wunde am Bein, die durch Gefäßprobleme verursacht wird (die Mediziner sprechen dabei von Ulcus cruris), sei einer der dringendsten Gründe für eine Operation. „Fehlt die medizinische Notwendigkeit, weil es nur um die Ästhetik geht, der Patient aber keine Schmerzen hat, ist eine OP nicht sinnvoll“, erläutert die Expertin. Laut Statistikamt wurden 2023 in Deutschland knapp 18.000 Patienten stationär mit der Hauptdiagnose Thrombose und Venenentzündung behandelt.
Problem Krampfadern
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten von Venenerkrankungen: Erstens die Erkrankungen des tiefen Venensystems, die thrombotischen Erkrankungen. Betroffen sind hier die unsichtbaren Leitvenen, die für den Haupttransport des Blutes zum Herzen verantwortlich sind. Zweitens gibt es die Erkrankungen des oberflächlichen Venensystems, der Varizen, sprich Krampfadern. Diese können gefährliche Blutgerinnsel verursachen. Von Krampfadern betroffen sind rund zwölf Millionen Menschen hierzulande. Ein Drittel der Frauen, aber nur knapp 20 Prozent der Männer leiden an Varizen. Die Erkrankung ist meist hormonbedingt.
Endovaskuläre Verfahren
Während bei Varizen früher das Ziehen der Venen üblich war, mit Vollnarkose und Klinikaufenthalt, empfiehlt Prof. Branzan heute die schonende und effektive minimalinvasive Methode mit einem dünnen Katheter. „Hier wird ein winziger, warmer Schlauch in die Ader hineingeführt. Beim Herausziehen wird die Ader erhitzt, wodurch sie sich zusammenzieht und zuklebt“, erklärt die Expertin. „Die Schmerzen sind gering, meistens nur ein leichtes Spannen im Bein.“ Der ambulant mögliche Eingriff dauere nicht einmal eine Stunde, danach würden die Patienten entlassen. Wer gesetzlich versichert ist, sollte vorher bei seiner Krankenkasse fragen, ob die Kosten für das minimalinvasive Katheterverfahren übernommen werden.
Thrombosegefahr
Krampfadern entstehen in der Regel über Jahre. Eine Thrombose hingegen tritt meist innerhalb weniger Stunden auf. Und dann kann es ein lebensgefährlicher Notfall sein. „Die Gefahr besteht, dass sich ein Blutgerinnsel löst und eine Lungenembolie verursacht, die im schlimmsten Fall tödlich sein kann“, sagt Branzan. Denn: Verstopft ein kleiner Blutklumpen eine Schlagader in der Lunge, fließt dort weniger Blut und der Körper wird nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt. Bei einem Thrombose-Verdacht führt der Arzt einen Ultraschall durch. „Zur Behandlung erhalten Patienten Gerinnungshemmer wie Heparin – per Spritzen oder Tabletten –, die dafür sorgen, dass das Blutgerinnsel nicht mehr weiterwächst.“ Eine Thrombose könnte sich abzeichnen, wenn man durch die Schwellung am Fußknöchel nicht mehr in den Schuh passt, Brustschmerzen oder Atemnot verspürt oder sich die Haut am Bein rötlich-blau oder violett verfärbt. „Dann müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen!“
Mythos Aspirin
Aspirin ist kein Schutz. „Viele glauben irrtümlich, man könne mit dem frei verkäuflichen Medikament zum Beispiel bei langen Flugreisen vorbeugen, umgangssprachlich wird es oft als Blutverdünner bezeichnet“, sagt Prof. Branzan. Doch dieser Glaube sei falsch. „Aspirin mit dem Hauptwirkstoff Acetylsalicylsäure erhöht das Blutungsrisiko und kann ein bereits bestehendes Blutgerinnsel nicht auflösen. Deshalb bleibt das Risiko einer Lungenembolie trotz der Einnahme von Aspirin weiter sehr hoch.“
Risiko vermeiden
Wer sein Thrombose-Risiko verringern möchte, sollte sich viel bewegen und viel Wasser trinken, damit das Blut flüssig bleibt und die Venenpumpe der Waden das Blut aktiv zum Herzen zurücktransportiert. „Außerdem sollten Sie auf Ihr Gewicht achten und nicht rauchen“, erklärt die Medizinerin. Studien zeigen, dass Raucher ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko für eine venöse Thrombose haben. Bei starkem Übergewicht ist die Wahrscheinlichkeit fast doppelt so hoch wie bei Menschen mit Normalgewicht.