Wunderbares Panorama: Eine Wanderin blickt vom Bodenschneid auf den Tegernsee. © imago
München – Immer mehr Menschen entdecken die Berge für sich – und der weite Blick über die Alpen ist die schönste Belohnung für eine anstrengende Bergtour. „Vor allem bei den jungen Menschen wird das Bergsteigen immer moderner“, sagt Markus Block, Sprecher des Alpenvereins München und Oberland. Doch der Berg ist auch gefährlich, wie das jüngste Drama an der Zugspitze zeigt. Wie berichtet, stürzte dort Ende vergangener Woche ein 19-Jähriger aus dem Kreis Paderborn am Stopselzieher-Klettersteig in den Tod – weil er und sein Begleiter die Tour unterschätzten und unzureichend ausgerüstet waren. „Ein großer Teil beschäftigt sich nicht damit, wie man sich richtig vorbereitet“, bedauert Block. Entsprechend hoch sind die Einsatzzahlen der Bergwacht – mit oft tragischem Ende. Auch die BR-Dokureihe „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ mit Millionen Zuschauern zeugt von den Gefahren, die in Bayerns Alpen lauern. Markus Block ist Natur- und Erlebniscoach, Berg- und Schneeschuhwanderführer und Ranger im Landkreis Miesbach. Er erklärt, wie man das Bergerlebnis möglichst sicher gestalten kann.
■ Welche Schuhe eignen sich am besten?
„Die Schuhe sind mit Abstand das wichtigste Ausrüstungselement“, sagt Block. Sneaker und Turnschuhe sind für die Berge ungeeignet. Wanderschuhe sollten immer knöchelhoch sein, das verringert die Verletzungsgefahr. Wanderschuhe sind von A bis E klassifiziert – A für flache Regionen und E für Expeditionen. „B und C würde ich für die meisten Alpentouren im nahen Münchener Umfeld empfehlen“, sagt Block. Diese Klasse eignet sich für das Mittelgebirge. Für Hochgebirgstouren empfiehlt der Profi Klasse D. Eine professionelle Beratung beim Kauf macht Sinn.
■ Was sollte man immer dabeihaben?
Eine richtige Grundausrüstung ist für Block ein erster wichtiger Punkt beim Wandern und Bergsteigen. Dazu zählen neben dem richtigen Schuhwerk ein atmungsaktives T-Shirt (eventuell noch ein Wechselshirt) und eine leichte Hose. Am besten eignet sich eine zweiteilige Zipphose zum Verlängern. Denn im Tal ist es meistens viel wärmer. „Momentan liegt an den Nordhängen noch teilweise Schnee.“ Zudem zählen eine Regenjacke und ein Fleece dazu. „Beim Bergsteigen gilt das Zwiebelprinzip“, sagt der Experte. Bedeutet: Je nach Wetterlage zieht man weitere Kleidungsstücke über oder zieht welche aus. Wichtig ist auch Sonnenschutz: Sonnencreme, Hut oder Kappe und Sonnenbrille. Wer richtig in die Berge steigt, sollte stets ein Erste-Hilfe-Set und einen Biwaksack mit sich tragen. Letzterer ist zusammengefaltet so klein wie ein Apfel und leicht. „Man kann sich in den Sack setzen, wenn man nicht mehr transportfähig ist und auf die Bergwacht warten muss.“ Ausreichend Essen und Trinken im Rucksack zu haben, kann im Notfall auch überlebenswichtig werden.
■ Auf was muss man bei der Planung achten?
Die Grenze von der Wanderung zur Bergtour wird von vielen unterschätzt. Und manchmal gibt es auf scheinbar leichten Touren doch schwierigere Passagen zu bewältigen. Bei der Planung, sagt Markus Block, passieren die meisten Fehler. Als Allererstes müsse der Bergsteiger auf seine eigene Kondition und die seiner Begleiter achten. Wie viel traue ich mir körperlich zu? Dabei gehe es um die Länge der Tour, aber auch um die Höhenmeter. Bei der Planung ist es zudem ausschlaggebend, auf das Wetter zu achten. Zuletzt gab es nachmittags immer wieder Unwetterwarnungen. „Das heißt, ich muss natürlich schauen, dass ich rechtzeitig wieder unten bin.“ Der Deutsche und der Österreichische Alpenverein bieten unter „Bergwetter“ eine zuverlässige Wettervorhersage.
■ Wo kann man sich am besten informieren?
Bei der Auswahl der richtigen Tour helfen Apps oder Wanderführer. Auch die Alpenvereine Deutschlands, Österreichs und Südtirols haben rein für Bergsteiger eine App mit dem Namen Alpenverein Aktiv eingerichtet. „Man kann die Regionen auswählen und eine leichte, eine mittlere oder eine schwere Tour suchen“, erläutert Block. Zudem gebe es die Register Einkehrmöglichkeit, Rundtour, Höhenmeter sowie technische Schwierigkeit – von einer Skala von 1 bis 6. Aber auch Komoot, Outdooractive oder die gleichnamige App von Bergfex liefern viele Tourenvorschläge. Block sieht ein Problem, wenn die Nutzer ihre Touren selbst einstellen können. „Niemand überprüft, ob die Wege wirklich geeignet sind, ob die Angaben korrekt sind, und es gibt keinerlei Zusatzinformationen, sondern einfach nur den Weg.“ Als weitere Alternative gibt es immer noch die klassischen Bergführer in Papierform. Bei alten Exemplaren rät Block, im Internet zu überprüfen, ob sich die Route verändert hat.
■ Der richtige Schritt bringt Stabilität
In den Bergen kommt es auf den richtigen Schritt an. Im Normalfall setzt man den Fuß flächig auf. Auf steileren Wegen verlagert sich die Trittfläche auf die Fußballen. Beim Abstieg rollt man den Fuß von der Ferse nach vorn ab. Das schafft Stabilität. „Das kann man selbst lernen, indem man häufiger geht, sich zu Beginn leichte Touren aussucht und sich dann langsam und Stück für Stück steigert“, rät Block. Es gebe aber auch Kurse. Der richtige Halt hänge „natürlich auch ganz stark vom Schuhwerk ab“.
■ Wann sollte ich eine Bergtour abbrechen?
Viele überschätzen sich, weil sie etwa ins Fitnessstudio oder zum Joggen gehen. „Bergsport ist eine ganz andere Art von Sport. Lunge und Herz sind viel stärker belastet.“ Laut Bock gibt es eine Grundregel: „Beim Wandern sollte ich in einem Tempo laufen, bei dem ich mit meinen Wanderkollegen noch normal reden kann.“ Wenn das nicht mehr der Fall ist, geht die Person zu schnell und es kann schnell zu einer Erschöpfung kommen. Spätestens dann sollte eine Tour abgebrochen werden. Zudem sollte man sofort umkehren oder Schutz suchen, sobald das Wetter umschlägt und ein Gewitter aufzieht.
■ Wie verhält man sich im Notfall?
„Auch hier gibt es eine Grundregel: Eigenschutz vor Fremdschutz“, erklärt Block. Wenn jemand anderes sich verletzt und sonst niemand gefährdet ist, sollte man Erste Hilfe leisten. Block rät: „Im Zweifel lieber einmal zu viel einen Notruf absetzen.“ Ersthelfer geben bei der 112 ihren Standort an und werden dann zur Bergwacht weitergeleitet. Diese entscheidet dann, wie sie mit dem einzelnen Notfall umgeht. In der Zwischenzeit geht es darum, einzuschätzen, warum es dem Patienten schlecht geht. Ist jemand umgeknickt, hat er oder sie einen Sonnenstich oder ist die Person bewusstlos? Entsprechend sind dann Maßnahmen vorzunehmen.
■ Welche Tour eignet sich mit Kindern?
Bei einer Tour mit Kindern sind die äußeren Bedingungen wichtig. Block rät: Möglichst wenige Forstwege, dafür viel Wasser als Spielmöglichkeit. „Nicht wir führen die Kinder in die Berge, sondern sie uns.“ Kinder geben die Geschwindigkeit und die Pausen vor. Deshalb muss man genügend Zeit einplanen, um etwa einen Wasserfall oder einen Ameisenhaufen anzuschauen.
■ Wenn der Hund dabei ist: Das ist wichtig
In erster Linie sollte der Besitzer auf die Kondition des Tieres achten. Er sollte auch nicht andere Menschen stören oder bedrängen. Zudem sollten die Besitzer die Hunde in Schutzgebieten nicht frei laufen lassen. „Viele Wildtiere ziehen bis Mitte Juli ihre Jungen auf.“ Dazu zählen Auerhühner, Gämsen oder Rehe. Auch bei Kuhherden sollten Hunde an die Leine.