„Kühe wollen nicht einfach gestreichelt werden“

von Redaktion

Die Landtierärztin Barbara Lutz gibt Tipps, wie Wanderer und Radfahrer mit den Tieren auf der Alm umgehen sollten

Tierärztin Barbara Lutz versorgt die Rinder auf den Almen. Im runden Bild bereitet sie am Auto ein Medikament vor. © Achim Schmidt

Steingaden – Jedes Jahr begegnen Wanderer und Radfahrer auf den Bergen Kuhherden, die im Sommer auf den Almen weiden. Dabei kommt es immer wieder zu – teils tödlichen – Unfällen. Die Landtierärztin Barbara Lutz hat sich auf Kühe spezialisiert und weiß, welches Verhalten die Tiere in Angst versetzt.

„Kühe sind ruhige, soziale und neugierige Tiere“, sagt Lutz. Es komme aber auch auf die Rasse an. „Braunvieh ist deutlich neugieriger als Fleckvieh.“ Vor allem jüngere Kühe seien verspielter und aktiver. Genau diese Altersgruppe hält sich zurzeit auch auf den Almen auf. Dabei entwickeln sie individuelle Freundschaften. „Am Anfang ist es für die Jungtiere anstrengend, weil sie erst ihre Herde kennenlernen und Freunde finden müssen.“ Manche Kuhfreundschaften halten dann sogar ein Leben lang, so die 31-Jährige.

Gegenüber Menschen verhält sich die Kuh anders. Vor allem Fremde sollten bei einer Begegnung vorsichtig sein. Die Expertin rät: „Am besten nicht direkt auf die Kühe zugehen.“ Dann können sie sich bedroht fühlen. Auch von hinten sollten sich Menschen nicht einfach nähern. Denn die Kühe nehmen Bewegungen anders wahr. „Sie haben eine Rundumsicht, aber sehen nicht scharf.“ Kühe wollen sich auch nicht einfach streicheln lassen. Manchmal gehen Tiere aber aus Neugier auf Menschen zu. „Dann sollte man sich ruhig verhalten und keine hektischen Bewegungen machen.“

Wenn sich eine Herde oder einzelne Tiere auf dem Weg befinden, sollte man sie möglichst ruhig umgehen. Vor allem, wenn junge Kälber dabei sind, ist großer Abstand nötig. Denn die Muttertiere entwickeln schnell einen Beschützerinstinkt. Die ganze Herde wehrt sich dann gegen den mutmaßlichen Feind. Zudem sollte man immer aufrecht gehen und stehen. Deshalb sollten Wanderer in der Nähe einer Kuh nicht die Schuhe binden oder in die Hocke gehen. „Diese Reaktion schätzen Kühe manchmal falsch ein“.

Wenn die Tiere gestresst sind, gibt es eindeutige Signale. Der Kaumuskel ist angespannt. Bei Angst wird der Augapfel größer und der weiße Teil des Auges ist deutlicher sichtbar. „Wenn die Kühe anfangen zu prusten und den Kopf nach unten zurückziehen, sind sie erregt und man sollte sich am besten ruhig zurückziehen.“ Spätestens, wenn Kühe anfangen zu laufen, sollte auch der Mensch fliehen und am besten hinter einem Zaun Schutz suchen. Dasselbe gilt bei einer angespannten Situation mit Hunden.

Manchmal laufen und hüpfen die Kühe miteinander. Das ist meist ein Zeichen für Freude. Auch ein ruhiges Spielen mit den Ohren zeigt, dass die Tiere entspannt sind. Lutz erklärt aber auch: „Das Verhalten von Kühen können wir nur deuten, eindeutig einschätzen können wir es aber nicht.“ Manche Verhaltensweisen können zum Beispiel auf zwei unterschiedliche Gefühlslagen hindeuten. Das gegenseitige Ablecken der Kühe ist häufig als Zuneigung anzusehen. Manchmal signalisiert es aber auch Spannungen. In der Schweiz forschte Lutz intensiv über Verhaltensmuster von Kühen.

Mittlerweile hänge das Verhalten gegenüber Menschen auch von der Haltung ab. „Große Betriebe melken die Tiere nicht mehr selbst.“ Es gebe sogar Kraulroboter. Andere Betriebe fördern noch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. In diesen Fällen ist es möglich, dass die Tiere auch gekrault werden wollen. „Das sollte aber immer nach Absprache mit dem Bauern erfolgen“, sagt Lutz. Vor allem Kraulen am Hals oder am Hornansatz mögen die Tiere gerne. Der Bauch sei für die Kuh hingegen ein unangenehmer Bereich, weil sie dort viele Insekten stechen.MTW

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