Antoni Gaudí: Sein geniales Werk – und sein tragisches Ende

von Redaktion

„Haus der Knochen: die Casa Batlló. © ChristianSchd

Gaudís „Casa Milà“: In jeder Wohnung lassen sich die Wände verändern. © Ledl/pa

München – Das Dach wirkt wie der geschuppte Rücken eines Drachen. Die Balkone erinnern an Augenhöhlen von Riesenschädeln, die tragenden Säulen der Fenster an menschliche Knochen. Nicht umsonst wird die Casa Batlló in Barcelona „Haus der Knochen“ genannt. Entworfen hat es der bedeutendste Architekt in der Geschichte Barcelonas und herausragende Vertreter des katalanischen Jugendstils (Modernisme): Antoni Gaudí. Radikal orientiert er sich an den Formen der Natur. Alles ist geschwungen und verschlungen, alles windet sich wie seine Treppenhäuser, die Schneckenhäusern gleichen. Gaudí nutzt farbenprächtige Mosaike, gestaltet die Lüftung ebenso wie Möbel und Lichtführung. Egal ob Wohnhaus oder Kirche, alles ist für ihn ein Gesamtkunstwerk. Sieben seiner Gebäude, darunter auch Teile der Sagrada Família, gehören heute zum Unesco-Weltkulturerbe.

Geboren wird Gaudí (rundes Foto) 1852 in Reus, Katalonien, als Sohn eines Kesselschmieds. Als Kind leidet er unter einer rheumatischen Erkrankung. Statt mit anderen Kindern zu spielen, sitzt er stundenlang draußen und beobachtet die Natur. Die Beobachtung der Formen und Farben wird die Grundlage seines späteren Schaffens. Er studiert Architektur und darf in seinem ersten offiziellen Auftrag für Barcelona Straßenlaternen entwerfen.

Bereits 1883 ist er viel beschäftigt. Er baut eine Sommervilla und ein Wohnhaus in Barcelona – und übernimmt die Leitung des Baus der Sagrada Família. Gaudí ist der Star-Architekt seiner Zeit. In der Liebe findet er aber kein Glück. Nach mehreren Enttäuschungen beschließt er, zölibatär zu leben und sein Leben dem Glauben und seiner Arbeit zu widmen. Parkanlage, Wohnhäuser, Pförtnerhaus, Pferdeställe – Gaudí arbeitet Tag und Nacht. Ab 1914 widmet er sich ausschließlich der Sagrada Família und lehnt andere Aufträge rigoros ab. In seinen letzten Jahren lebt er in seiner Werkstatt auf der Kirchenbaustelle – asketisch und isoliert.

Am 7. Juni 1926 macht sich Gaudí wie jeden Nachmittag zur Kirche Sant Felip auf, um zu beten und zu beichten. Er wird von einer Straßenbahn erfasst und verliert das Bewusstsein. Niemand kümmert sich um den Verletzten, der, weil ärmlich gekleidet, für einen Bettler gehalten wird. Erst Stunden später wird er in ein Krankenhaus für Arme gebracht. Als man ihn dort erkennt, ist es zu spät. Drei Tage nach dem Unfall, am 10. Juni, stirbt Gaudí mit 73 Jahren – und ganz Barcelona trauert.BEATRICE OSSBERGER

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