Sieben Minuten Applaus für Papst im Parlament

von Redaktion

Papst Leo XIV. im spanischen Parlament. © Vatican Media/KNA

Madrid – „Viva-el-Papa“-Rufe in Spaniens Parlament? Fast Undenkbares ereignete sich am Montagmorgen in den „Cortes Generales“ in Madrid. Bei der allerersten Ansprache eines Papstes vor den beiden sonst sehr weltlichen Parlamentskammern erhielt Leo XIV. gut sieben Minuten stehende Ovationen – den längsten Beifall, der je im Halbrund des Hohen Hauses gespendet wurde.

Nach dem von der großen Fronleichnamsmesse mit rund 1,2 Millionen Menschen geprägten Sonntag gestaltete sich der Montagvormittag für den Papst überwiegend politisch. Morgens traf er den linken Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in der Papst-Botschaft in Madrid. Bei dem 20-minütigen Gespräch überreichte Sánchez einen Bonsai-Olivenbaum – Symbol für Frieden, Dialog und Verständigung, so der Regierungschef: „Werte, die Spanien und der Vatikan teilen.“

Vor seiner Rede begrüßte er zunächst spontan Menschen auf der Straße und zeigte sich als nahbarer Papst. Und vor knapp 350 Parlamentariern beider Kammern des spanischen Parlaments – nur sechs Vertreter zweier linker Parteien waren ferngeblieben – wurde er mit großer Herzlichkeit von Parlamentspräsidentin Francina Armengol Socias begrüßt. Dann sprach Leo XIV. über eine halbe Stunde lang. Zentrales Thema war die Achtung der Menschenwürde.

Neben Gesetzesreformen mahnte das Kirchenoberhaupt eine moralische Erneuerung an. Ferner rief er zu einem zivilisierten Dialog zwischen den politischen Lagern auf und wandte sich gegen Aufrüstung in Europa. „Die Welt befindet sich in einer tiefen geistigen und kulturellen Krise, die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußert.“ Es sei besorgniserregend, dass sich auch in Europa „die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt“. Wahre Sicherheit entspringe aber der Gerechtigkeit, dem Dialog und der Achtung des Völkerrechts.

Die im Parlament versammelten Politiker, unter ihnen auch die Rechtpopulisten der Vox-Partei, mahnte er, Meinungsvielfalt dürfe nicht in Abwertung des Gegners ausarten. Er wünsche Spanien „eine Zeit des Wohlstands, der Gerechtigkeit und des dauerhaften Friedens“. Daraufhin erhoben sich die Abgeordneten und spendeten ihren langen Beifall.

Das Thema Missbrauchsaufarbeitung sprach Leo vor dem Parlament nicht an. Schon am Morgen hatten sich Betroffene sexualisierter Gewalt enttäuscht gezeigt. Bei einer Ansprache vor Spaniens Bischöfen wurde er aber deutlich: Missbrauch sei eine „Pest“, auf die die Kirche „mit Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge“ reagieren müsse.SABINE KLEYBOLDT

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