Kaiser Ludwig der Bayer gründete 1330 das Kloster. © geb
Abt Placidus Seitz gründete die Ritterakademie. © Kloster
Ettal – Das Kloster Ettal blickt auf eine bewegte Geschichte von 700 Jahren zurück. Gegründet am 28. April 1330 von Kaiser Ludwig dem Bayern, entwickelte es sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Die eigentliche Blüte begann unter Abt Placidus Seitz. Im Jahr 1710 gründete er die Ritterakademie und rief damit die schulische Tradition Ettals ins Leben. Die Benediktinische Ritterakademie in Kloster Ettal bestand von 1711 bis 1744. Sie war eine Bildungsanstalt für die Söhne adeliger Familien, in der aber auch Bürgersöhne zugelassen waren.
Nach einem verheerenden Brand 1744 erstrahlte die Anlage im barocken Glanz, bevor die Säkularisation 1803 das klösterliche Leben für beinahe ein Jahrhundert zum Erliegen brachte. 1900 wurde das Kloster durch Mönche der Abtei Scheyern wiederbelebt, und die benediktinische Bildungstradition fand mit der Eröffnung von Gymnasium und Internat 1905 ihre Fortsetzung. Das Kloster Ettal steht für eine beeindruckende Geschichte von Aufbruch, Wandel und Beständigkeit. Benediktinerklöster müssen sich selbst finanzieren. In eine tiefe Krise wurden das Kloster und seine Eliteschule gestürzt, als die Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit 2010 ans Licht kamen. Internat und Schule verloren viele Schüler. Das Internat musste geschlossen werden. Aus finanziellen Gründen musste die Abtei Ettal im vergangenen Jahr auch ihre Niederlassung in Wechselburg (Sachsen) nach 30 Jahren aufgeben.
Die Benediktiner (Ordenskürzel OSB) gelten als der älteste Orden der westlichen Christenheit. Der heilige Benedikt von Nursia verfasste um das Jahr 529 die berühmte Ordensregel (Regula Benedicti) und gründete das Mutterkloster Montecassino in Italien.CLAUDIA MÖLLERS