In der Polysomnografie wird die Qualität des Schlafs durch verschiedene Messungen analysiert. © Schlafexperte.de
München – Es gibt zahlreiche Mythen rund um den Schlaf. Somnologe Dr. Miachael Feld erklärt, welche falsch sind und wie Sie zur Ruhe kommen.
■ Irrtum 1: Acht Stunden Schlaf sind optimal
Nein, die perfekte Schlaflänge ist unterschiedlich: „Die meisten Menschen benötigen zwischen sieben und acht Stunden Schlaf, aber wichtiger als die Zeit ist die Qualität des Schlafs“, sagt Dr. Michael Feld. So können Atemaussetzer den Schlaf empfindlich stören – ohne dass der Betroffene das realisiert. Ob man genug schläft, könne man daran erkennen, dass man morgens zumeist ausgeruht ist: „Wer sich dagegen schon nach dem Aufstehen erschöpft fühlt, der sollte seinen Schlaf optimieren – in Sachen Länge oder Schlafqualität“, rät der Experte.
■ Je härter die Matratze, desto besser
Hart ist nicht immer auch gut, sagt Feld: „Es gibt Menschen, die lieber etwas weicher schlafen, und andere, die eine harte Matratze bevorzugen.“ Probeliegen vorm Kauf ist deshalb entscheidend.
■ Man bemerkt Atempausen selber
„Selbst oft nicht“, betont Feld und stellt klar: „Zuverlässigster Indikator ist der Partner beziehungsweise die Partnerin.“ Neben extrem lautem und unregelmäßigem Schnarchen sind auch das plötzliche Aufwachen mit Atemnot oder Herzklopfen sowie starke Tagesmüdigkeit Anzeichen.
■ Die Probleme sind meist psychischer Natur
„Wer Sorgen hat oder unter Stress steht, kann schlechter einschlafen“, sagt Feld. Schlafstörungen durch psychische Ursachen lassen sich in vielen Fällen etwa durch eine kognitive Verhaltenstherapie behandeln. Schlafmittel dagegen sollten nie eine Dauerlösung sein, betont der Experte. Aber es ist keineswegs meistens die Psyche schuld an Schlafproblemen. Unter anderem können folgende körperliche Ursachen gegeben sein: Schlafapnoe, Schilddrüsenstörungen oder Diabetes.
■ Nachts aufzuwachen, das ist sehr schlecht
„Falsch! Nachts aufzuwachen ist völlig normal“, sagt Experte Dr. Michael Feld. Der Schlaf ist in verschiedene Phasen und Zyklen von jeweils 90 Minuten gegliedert. Von Natur aus wacht jeder Mensch bis zu 30 Mal pro Nacht kurz auf, um seine Umgebung zu prüfen. Meist nehmen wir das gar nicht bewusst wahr und schlafen auch gleich wieder ein.
■ Das menschliche Gehirn ruht im Schlaf
Im Gegenteil, sagt Experte Feld: „In der REM-Schlafphase ist das Gehirn aktiver als im Wachzustand, nur in der Tiefschlafphase ist es deutlich passiver.“ Das liegt daran, dass im REM-Schlaf quasi Gedächtnis-Inventur betrieben wird: Neue Erfahrungen werden verarbeitet und – je nach Wichtigkeit – gelöscht oder behalten. „Ohne diese nächtliche Inventur wäre der Arbeitsspeicher überlastet“, sagt der Schlafforscher. Weiterhin wird das Gehirn im Schlaf gespült. „Unser Gehirn besitzt keine Lymphgefäße, es arbeitet stattdessen nachts mit einem glymphatischen System. Zellen schwellen an und pumpen so verbrauchtes Gehirnwasser ins Rückenmark.“ Auch schädliche Eiweiße werden ausgespült.
■ Kälte stört unseren Tiefschlaf
Nachts gibt der Körper Wärme ab und die Körpertemperatur senkt sich um 1 bis 1,5 Grad ab, erklärt Feld. Dies funktioniert aber nur, wenn die Schlafumgebung nicht zu warm ist. Für erholsamen Schlafkomfort sollte die Schlaftemperatur einen Richtwert von 20 Grad Celsius nicht überschreiten.
■ Melatonin ist ein Schlafmittel
„Melatonin ist kein Schlafhormon, sondern genau genommen ein Dunkelhormon, also quasi Dunkelheit in chemischer Form“, erklärt der erfahrene Somnologe Feld. Es zeigt dem Körper also die Nacht an. Bei nachtaktiven Tieren wie Fledermäusen oder Nagern wirkt Melatonin anders als bei tagaktiven Säugetieren nicht schlaffördernd, sondern aktivierend und wachstumsfördernd. Künstliches Licht unterbricht den natürlichen Rhythmus der Melatoninausschüttung empfindlich, denn Licht stoppt diesen Prozess.
■ Schlaf vor Mitternacht ist besonders wichtig
Das stimmt so nicht, sagt Feld und erklärt: Die meisten Menschen haben nachts vier Schlafphasen. In der ersten Phase ist die Tiefschlafphase am längsten, in den späteren Schlafphasen fallen wir immer kürzer in Tiefschlaf, stattdessen werden die Traumschlafphase und die Leichtschlafphase länger. Muskeln, Knochen und Haut wachsen und erneuern sich im Schlaf, und vor allem in der Tiefschlafphase, die ja im ersten Schlafzyklus am längsten ist. Somit ist diese Phase sehr wichtig. Es ist aber egal, ob sie vor oder nach Mitternacht stattfindet, Hauptsache, man schläft lang genug.SUSANNE SASSE