Warum Schnarchen auf Dauer krank macht

von Redaktion

Schnarchfaktor Alkohol: Beim Fußball schauen wird auch das ein oder andere Bier vernichtet. Das entspannt die Muskeln und kann zu stärkerem Schnarchen führen. Auf dem Bild eine deutsche Fangruppe bei der EM im Jahr 1988. © imago

Somnologe Dr. Michael Feld erklärt an einem Rachenmodell, wie es zum Schnarchen kommt. © schlafexperte.de

Bewährungsprobe für die Liebe: Wenn der Partner schnarcht, ist das nervig, für den Betroffenen selbst kann es auch gefährlich werden. Deshalb sollte man die Ursache herausfinden. Im runden Bild eine Überdruckmaske. © Smarterpix/Schlafexperte.de

München – Alkohol verstärkt das Schnarchen. Der Grund: Alkohol wirkt als Muskelrelaxans und entspannt die Muskeln im Rachen. Das Gewebe erschlafft. Die oberen Atemwege verengen sich, und der Luftstrom bringt das weiche Gewebe beim Atmen zum Vibrieren. Zudem hemmt Alkohol den Reflex, die Atemwege im Schlaf offen zu halten. Weil die Atemwege schmaler sind, muss der Körper mehr Kraft aufwenden, um Luft in die Lunge zu ziehen. Zusätzlich wird der Rachen enger, weil Alkohol die Schleimhäute anschwellen lassen kann.

Bei notorischen Schnarchern ist meist aber nicht Alkohol die Ursache. Deshalb sollte man die Ursache unbedingt ergründen. Denn Schnarchen ist nicht nur lästig, sondern vor allem ein Zeichen dafür, dass nachts etwas mit der Atmung nicht stimmt. „Und das ist gefährlich“, warnt Schlafexperte und Mediziner Dr. Michael Feld. „Unbehandelte Schlafapnoe macht krank!“ Viel zu wenige Betroffene gehen das Problem an.

Dabei ist Schlafapnoe, wie die Wissenschaft nächtliche Atemaussetzer nennt, laut Feld ein sehr häufiges Problem. Die Hälfte der Männer und nach der Menopause auch die Hälfte der Frauen kann nachts nicht so gut und regelmäßig atmen, wie das für eine langfristige Gesundheit notwendig ist. „Aber auch bei jungen Frauen können schlafbezogene Atmungsstörungen vorkommen“, warnt der Experte.

Schlafapnoe schade in vielerlei Hinsicht, erklärt er: „Der Körper wird jede Nacht in einen Alarmzustand versetzt.“ Der Sauerstoffabfall signalisiert Lebensgefahr. Das Gehirn schüttet Stresshormone (wie Adrenalin) aus, der Blutdruck steigt und das Herz rast. Der Sauerstoffmangel löst im Gehirn unbewusste Weckreaktionen aus. Dies verhindert den erholsamen Tiefschlaf und führt zu Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Schäden, Stoffwechselstörungen sowie starker Tagesmüdigkeit.

Durch den ständigen nächtlichen Blutdruckanstieg können sich auch die Gefäße verändern. Das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) steigt massiv an. Die Hormonproduktion, etwa für das Sättigungsgefühl, wird beeinträchtigt, ebenso der Zuckerstoffwechsel. Dies begünstigt die Entstehung von Diabetes mellitus.

Diagnostiziert werden kann Schlafapnoe durch eine professionelle Schlafanalyse. „Ein Schlaftracker ist kein zuverlässiger Indikator“, sagt der Experte: „Die Tracker können zwar Herzrhythmus und Blutdruck gut messen, nicht aber die Schlaftiefe.“ Dazu brauche es eine Polysomnografie, bei der unter anderem die Gehirnströme und die Augenbewegungen gemessen werden, ebenso die Sauerstoffsättigung, die Bewegungen des Oberkörpers und die elektrische Aktivität des Herzens.

„Schnarchen muss nicht sein“, sagt Feld. Er gibt Tipps, wie man die Störgeräusche eindämmt oder ganz verhindert:

■ Überdruckmaske

Bei unregelmäßigem Schnarchen und nächtlichen Atemaussetzern sei die CPAP-Maske der Goldstandard, sagt Feld. Ein kleines Gerät erzeugt einen leichten Überdruck, der die Atemwege mechanisch offen hält.

■ Unterkieferschiene

Eine Zahnschiene passt der Zahnarzt individuell an. Sie schiebt den Unterkiefer leicht nach vorn. Dadurch bleibt der Rachenraum offen, die Zunge kann nicht nach hinten fallen.

■ Seitenlage

Wer auf dem Rücken schläft, erleichtert Zunge und Gaumensegel das Zurückfallen. Seitenschläferkissen verhindern die Rückenlage.

■ Gewichtsabnahme

Übergewicht führt zu Fettablagerungen im Rachenraum. Das verengt die Atemwege. Oft reicht schon eine geringe Gewichtsabnahme, ermutigt Feld.

■ Nasenoperation

„Die Nase ist nur in 20 Prozent der Fälle Ursache für nächtliche Atemprobleme“, so Feld. Deshalb sei eine Nasenoperation gegen Schnarchen nur in seltenen Fällen ratsam.

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