Etwa 100.000 Deutsche leiden an Lungenfibrose

von Redaktion

München – Allein in Deutschland hat Mette-Marit etwa 100.000 Leidensgenossen, weltweit sind es etwa drei Millionen. Und ihre Krankheit ist nicht heilbar. Bei Lungenfibrose vernarbt immer mehr Gewebe des Atemorgans, geht unwiederbringlich verloren. Die Folgen: Reizhusten, Luftnot, Müdigkeit, Leistungsabfall. Die Ursache ist oft unklar, es kommen rund 100 Auslöser infrage – von Schadstoffen wie Asbest über Autoimmunerkrankungen wie Rheuma bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten und Bestrahlungen. „Im Endstadium ist eine Lungentransplantation oft die einzige Möglichkeit, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und ihre Lebenszeit zu verlängern“, sagt Dr. Jürgen Barton, Leiter des Zentrums für Lungentransplantationen im LMU Klinikum.

Dort werden jedes Jahr etwa 80 bis 90 solcher Hochrisiko-Eingriffe vorgenommen, die meisten Lungentransplantationen in Deutschland erfolgen an der Medizinischen Hochschule Hannover. Auch in München stehen ausschließlich hoch spezialisierte Ärzteteams mit viel Erfahrung am OP-Tisch, denn der Eingriff gilt als besonders komplex – unter anderem, weil die Lunge eng mit anderen Organen wie Herz, Leber und Nieren verbunden ist.

■ Erfolgsaussichten

72 Prozent der im Münchner Zentrum operierten Patienten sind fünf Jahre nach dem Eingriff noch am Leben. „Wir haben einige Patienten, die ihr Spenderorgan vor mehr als 20 Jahren erhalten haben, eine Patientin wurde bereits vor 32 Jahren operiert. Sie ist allerdings eine Ausnahme“, berichtet Barton. „Eine normale Lebenserwartung können wir leider nicht ermöglichen. Aber in vielen Fällen gewinnen die Patienten Lebensjahre und vor allem auch Lebensqualität, es geht ihnen einfach besser als vor der Transplantation. Sie können sogar teilweise wieder arbeiten gehen und die Zeit mit ihrer Familie genießen. Manche gehen sogar auf Weltreise.“ Wie erfolgreich das Ergebnis ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen das Alter zum OP-Zeitpunkt, Begleiterkrankungen und Komplikationen wie Abstoßreaktionen. „Man muss klar sagen: Eine Transplantation bedeutet keine Heilung“, sagt Barton.

■ Wartezeit

Im LMU Klinikum hoffen derzeit etwa 90 Menschen auf eine neue Lunge, darunter auch Schwerstkranke, die auf der Intensivstation liegen. Deutschlandweit waren vergangenes Jahr mehr als 300 Patienten für eine Lungentransplantation vorgemerkt. Statistisch gesehen dauert es in München von der Anmeldung bis zur OP 311 Tage. „Die individuelle Wartezeit ist allerdings unterschiedlich. Sie hängt unter anderem davon ab, ob Größe und Gewicht von Spender und Empfänger passen und ob ihre Blutgruppe übereinstimmt“, erklärt Barton.

■ Organvergabe

In Norwegen erfolgt die Auswahl nach Dringlichkeitsstufen. Auch in Deutschland gibt es klare Regeln. „Wir nutzen ein Punktesystem, das man Lungenallokations-Score nennt. Einen Promi-Bonus gibt es definitiv nicht, jeder Patient hat dieselben Chancen“, betont Barton. Tumorpatienten kommen nicht infrage, weil die nach dem Eingriff nötigen Medikamente das Wachstum von Krebszellen beschleunigen. Patienten auf der Warteliste müssen in der Regel mindestens fünf Jahre krebsfrei sein.

■ Komplikationen

Ein häufiges Problem sind Infektionen. Sie können durch Medikamente befeuert werden, die eine Abstoßung des Spenderorgans verhindern sollen und dazu das Immunsystem unterdrücken. Langfristig kann es auch zu einer chronischen Abstoßung kommen.

■ Die Zeit danach

Die Patienten bleiben in der Regel sechs bis acht Wochen in der Klinik, gehen dann für drei bis fünf Wochen in die Reha. Sie sind also nach etwa drei Monaten wieder daheim. „Sie brauchen allerdings oft etwa ein Jahr, um sich von dem Eingriff zu erholen“, sagt Barton. „Sie müssen vor allem lernen, wieder normal zu atmen. Vor der Transplantation konnten sie dies oft nicht mehr und mussten ihre Luftnot mit einer Art kurzer Hechelatmung kompensieren. Diese Umstellung ist ein langwieriger Prozess.“ANDREAS BEEZ

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