Luft für die Kronprinzessin: Anfang April trug Mette-Marit zum ersten Mal öffentlich ein Sauerstoffgerät. Rechts ihr Gatte Haakon. © Getty images
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit hat eine neue Lunge bekommen. Auch Schlagerstar Roland Kaiser (rundes Bild) lebt seit 2010 mit einer Spenderlunge. © Lise Åserud/Sandro Halank
Oslo – Die Zeichen dafür, dass bald etwas passieren würde, hatten sich gemehrt. Immer wieder hatte Norwegens Kronprinz Haakon (52) Termine abgesagt. Die Tochter des Paars, Ingrid Alexandra (22), war von ihrem Studium in Australien nach Hause zurückgekehrt. Der älteste Sohn der Kronprinzessin, Marius Borg Høiby (29), hatte mit Verweis auf den Gesundheitszustand seiner Mutter vergeblich versucht, aus der U-Haft freizukommen. Der Hof sprach kürzlich plötzlich von einem „lebensbedrohlichen“ Zustand. Und erst vor zwölf Tagen kam Mette-Marit auf die Warteliste für eine Transplantation.
Die Kronprinzessin leidet seit Jahren an der unheilbaren Krankheit Lungenfibrose. Dabei bilden sich Narben im Lungengewebe, was Atemnot, Kurzatmigkeit und Husten verursachen kann (siehe Artikel unten). Zunächst konnte Mette-Marit nach der Diagnose 2018 relativ normal weiterleben – im letzten halben Jahr ging es ihr aber immer schlechter. Am norwegischen Nationalfeiertag im Mai winkte sie dem Volk mit Sauerstoffgerät zu. Dann musste sie sich zurückziehen. Zuletzt sah man sie fast gar nicht mehr.
Ohne den Eingriff, so die Ärzte, hätte sie nur noch rund ein Jahr zu leben gehabt. Mit der Transplantation stehen Mette-Marits Chancen nun besser – aber ein Risiko bleibt: Mit einer neuen Lunge überleben dem Krankenhaus zufolge 85 bis 90 Prozent das erste Jahr, nach fünf Jahren leben noch 70 bis 75 Prozent, nach zehn Jahren noch etwa die Hälfte der Patienten. Abstoßungsreaktionen sowie Infektionen können jederzeit auftreten. Ihren Job als künftige Königin werde Mette-Marit wohl kaum voll wahrnehmen können, meinen Königshaus-Experten.
Schlagerstar Roland Kaiser zeigt allerdings, dass man sich erholen kann. Der 74-jährige Berliner litt unter der ebenfalls unheilbaren Lungenerkrankung COPD, bei der sich die Atemwege verengen und die Lungenbläschen kaputtgehen. 2010 war sein Zustand so bedrohlich, dass er – nach einem Jahr Wartezeit – eine neue Lunge bekam. Die Transplantation habe ihm ein zweites Leben geschenkt, sagte Kaiser.
Dass es bei Mette-Marit so schnell ging, dürfte viele überrascht haben. Und auch das Timing: Erst vor zwei Tagen war Sohn Marius zu vier Jahren Haft verurteilt worden, unter anderem wegen Vergewaltigung. Auch die Experten von der Stiftung Organspende in Norwegen hatten nicht mit so einer raschen Transplantation gerechnet. „Normalerweise ist das nicht so“, sagte Informationschef Aleksander Sekowski in der Zeitung „Aftenposten“. „Das war früh.“ Andererseits: Wenn man auf der Liste stehe, könne jederzeit das Telefon klingeln. „Es ist fantastisch, dass sie eine Lunge gefunden haben, die so gut passt.“ Und: In Norwegen warten nur wenige Menschen auf eine neue Lunge. Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB waren es vergangene Woche zehn.
Mette-Marit löst Boom bei Organspenden aus
Wem Mette-Marit ihre neue Lunge zu verdanken hat, wird sie wahrscheinlich nie erfahren. In Norwegen dürfen Spender und Empfänger die Identität des anderen nicht kennen. Um den Spender zu schützen, verrät das Königshaus auch den genauen Zeitpunkt der Transplantation nicht.
In einer Mitteilung bedankte sich die Familie für das Mitgefühl aus der Bevölkerung in den vergangenen Wochen. „Die Anteilnahme bedeutet viel in ihrer schwierigen Situation“, hieß es vom norwegischen Hof. Die Sympathie für ihre Kronprinzessin war unter den Norwegern zuletzt ins Wanken geraten. Neue Details über Mette-Marits enge Freundschaft mit dem US-Sexualverbrecher Jeffrey Epstein hatten das Königshaus Anfang des Jahres erschüttert. Dazu der Prozess gegen ihren Sohn Marius.
„Wir freuen uns sehr, dass bisher alles gut verlaufen ist“, sagte Are Holm vom Osloer Universitätskrankenhaus laut der Mitteilung des Königshauses. „Wie alle anderen frisch transplantierten Patienten wird auch die Kronprinzessin für einige Wochen im Krankenhaus bleiben.“
Die Nachricht, dass die Kronprinzessin eine neue Lunge braucht, hatte für einen Boom bei den Registrierungen für eine Organspende gesorgt. Zwar gilt in Norwegen ohnehin die Widerspruchslösung, allerdings können die Angehörigen die Entnahme ablehnen.
Über den Zustand der Kronprinzessin sollen vorerst keine weiteren Nachrichten öffentlich werden. Erst bei Mette-Marits Entlassung sei ein Update zu erwarten, kündigte der Hof bereits an. Kronprinz Haakon wird nun noch kürzer treten: Er will bei seiner Frau sein.