Magdalena Michelsen auf ihrem Grundstück in Kitzingen neben der Messstation des DWD. © dpa
Enis Tiz, Bürgermeister von Kitzingen, steht mit Thermometer vor dem Rathaus der heißesten Stadt Bayerns. © Stadt Kitzingen
Kitzingen – Es war 2015, als Magdalena Michelsen aus Kitzingen Berühmtheit erlangte. Die damals 84-Jährige stand neben einer Messstation, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf ihrem Grundstück betrieb. Und es war heiß. Verdammt heiß. 40,3 Grad Celsius wurden in Michelsens Garten in Unterfranken gemessen. Am 5. Juli und am 7. August. Es war die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. 2019 ging der Rekord verloren. Am 25. Juli wurden in Tönisvorst und Duisburg-Baerl (Nordrhein-Westfalen) 41,2 Grad registriert.
Bei „Oma Magdalena“, wie die Medien sie tauften, dürfte es heuer wieder heiß werden. Denn Kitzingen ist ein Hitze-Hotspot in Bayern. Die Kleinstadt knapp 20 Kilometer östlich von Würzburg war mit 39,1 Grad auch vergangenes Jahr der heißeste Ort in Bayern.
Gründe gibt es mehrere. Kitzingen ist dicht bebaut, hat viele versiegelte Flächen und wenig Grün. So entstehen extreme Wärmeinseln. Außerdem ist es in Unterfranken deutlich trockener als im Süden. Nachts sammle sich die kalte Luft im Maintal, erklärt Lothar Bock von der Abteilung Klimatologie des DWD in München. „Wenn dann sommerlich warme Wetterlagen da sind, erhitzt sich die Luft natürlich schneller als im Maintal.“ Durch den sehr trockenen Boden „kann kaum etwas verdunsten und dann fehlt diese Verdunstungsabkühlung“. Dadurch werde es noch wärmer. Auch die geografische Lage sei entscheidend. Kitzingen liege zwischen den Gebirgszügen Spessart im Westen und dem Steigerwald im Osten in einem Kessel. An der windabgewandten Seite des Spessarts gebe es weniger Niederschlag – und das treffe den Untermain, erklärt DWD-Experte Bock. Zwar weht aus Westen kühlende Frischluft nach Kitzingen, aber sie kommt nur begrenzt durch – die Frischluftschneise ist schlicht zugebaut.
Das Geld für große Modernisierungen ist auch in Kitzingen nicht vorhanden. Also setzt man zur sommerlichen Abkühlung auf kleinere Maßnahmen. „Wir sind dabei, Trinkwasserbrunnen zu installieren, einer steht schon und ist sehr begehrt“, sagt Oberbürgermeister Enis Tiz. Und die städtische Gärtnerei soll für mehr Grün und Schattenplätze sorgen.
Am häufigsten regnet es übrigens in Unterfranken in den Mittelgebirgslagen von Spessart und Rhön, in den Weinanbaugebieten am seltensten, wie Wissenschaftler der Universität Würzburg in ihrem „Klimabericht für Unterfranken“ schreiben. Rund um Regensburg und direkt am Bodensee sei es auch oft sehr warm, erklärt Bock. Der Bodensee befinde sich in einer sogenannten Beckenlage, umringt von Höhenlagen wie dem Allgäu. Das begünstige höhere Temperaturen. Regensburg wiederum sei eine relativ trockene Region.ANGELIKA RESENHOEFT