Entspannen in der Sommerhitze: Eine Frau treibt im Starnberger See auf einer Matratze. © Loop Delay/imago
■ Sommersonnenwende
Der 21. Juni ist nicht nur kalendarischer Sommeranfang, sondern markiert auch die Sommersonnenwende. Ab Sonntag werden die Tage wieder kürzer. Die Tage um die Sonnenwende prägten schon in vorchristlicher Zeit das Denken und Handeln der Menschen, davon zeugen mitunter die Sonnentempel in Bayern aus dem 5. Jahrtausend vor Christus in Niederbayern und Mittelfranken. Später hat die Kirche den 24. Juni Johannes dem Täufer gewidmet. Deshalb werden auch heute noch vielerorts rund um die Sommersonnenwende Johannifeuer entzündet, so etwa am 23. Juni im Werdenfelser Land. Bekannt sind außerdem die Sonnwendfeuer auf der Kampenwand und dem Wallberg (beide am morgigen Samstag, 20. Juni).
■ Hotspots
Mit 40,3 Grad hält Kitzingen den bayerischen Hitzerekord, weshalb es scherzhaft auch Hitzingen genannt wird (siehe Artikel unten). Die heißeste Stadt Bayerns ist aber Regensburg – mit im Schnitt 16 Hitzetagen (über 30 Grad Celsius) im Jahr. Weitere heiße Städte Bayerns sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD): Würzburg (15,9 Hitzetage), Bamberg (15) und Erlangen (14,7).
■ Frische Oasen
Wem schon warm geworden ist – hier kommt die Abkühlung. In Bayern gibt’s mehrere Orte, die auch im Hochsommer kühl oder gar frostig bleiben. Sehr erfrischend ist es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Hier herrschen im Sommer die konstant niedrigsten Temperaturen in ganz Bayern. Selbst im Juli und August liegt die mittlere Temperatur nur bei 6 bis 8 Grad Celsius. Auch Schneefall und Frost sind im Sommer keine Seltenheit. Auch der kälteste Ort Deutschlands liegt in Bayern: der Funtensee im Berchtesgadener Land. Der Gebirgssee im Steinernen Meer hält mit minus 45,9 Grad, gemessen im Dezember 2001 an einer privaten Wetterstation, den inoffiziellen Kälterekord Deutschlands. Tagsüber kann es hier im Sommer auch mal über 25 Grad warm werden. Aufgrund der besonderen Kessellage sinken am Funtensee nachts die Temperaturen in den einstelligen Bereich. Auch Bodenfrost ist im Sommer möglich.
Ob die Breitachklamm bei Oberstdorf die kühlste Klamm Deutschlands ist, wissen wir nicht. Aber sie ist zumindest die tiefste Klamm Mitteleuropas, und ja, auch hier ist es kühl im Sommer. Wenn oben alle bei 30 Grad schwitzen, lässt es sich unten in der Klamm bei 10 bis 18 Grad gut aushalten.
■ Badespaß
Ein weiterer Superlativ: Bayerns kältester See – und auch der kälteste See Mitteleuropas – ist der Frillensee bei Inzell. Die Wassertemperatur dieses eiszeitlichen Glazialsees beträgt im Schnitt zehn Grad. Wer jetzt überlegt, hier Abkühlung zu suchen: Baden ist im Frillensee strengstens verboten!
Da Bayern ohnehin zu den Bundesländern mit den meisten Seen gehört, die als Badegewässer ausgewiesen sind, finden sich leicht Alternativen – etwa an Deutschlands tiefstem See, an dem auch Bayern einen Anteil hat. Die Rede ist vom 251 Meter tiefen Bodensee. Hier herrschen im Hochsommer angenehme Wassertemperaturen von 21 bis 25 Grad. Wer dort badet, kann auch gleich Bayerns einzigem Leuchtturm einen Besuch abstatten. Das ist der 1853 bis 1856 erbaute Leuchtturm Lindau. Die Aussichtsplattform bietet einen grandiosen Rundumblick, allerdings gilt es dafür 139 Stufen zu erklimmen.
Wer beim Baden kältere Temperaturen bevorzugt, dem sei der Königssee im Berchtesgadener Land ans Herz gelegt. Das ist mit 192 Metern Bayerns tiefster See, der vollständig im Freistaat liegt. Selbst im Hochsommer und in Ufernähe erreicht die Wassertemperatur des Gebirgssees nur 18 bis 20 Grad.
Und der Vollständigkeit halber: Bayerns größter See, der vollständig in Bayern liegt, ist natürlich das Bayerische Meer, der Chiemsee. Im Hochsommer erreicht die Wassertemperatur des rund 80 Quadratkilometer großen Sees bis zu 23 Grad, in den flacheren Uferbereichen sogar 24 oder 25 Grad.
■ Regenloch
Sommerzeit heißt auch Regenzeit: Auch in Bayern gibt’s im Juni und Juli am meisten Niederschlag. Der nasseste Ort Bayerns – und auch Deutschlands – liegt im Allgäu. Durchschnittlich 2450 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr verzeichnet die Statistik für das Bergdorf Balderschwang. Der gesamtbayerische Durchschnitt liegt laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt bei 942 Litern.
■ Potzblitz
Auch die meisten Gewitter treten im Juni und Juli auf. Im Freistaat kracht es besonders häufig. Seit 2021 geht der Pokal für die Blitzhauptstadt Deutschlands nach Bayern. 2025 war es Kaufbeuren im Allgäu mit einer Blitzdichte von 1,23 pro Quadratkilometer. In den Jahren zuvor hatten Rosenheim, Memmingen, Kempten und der Landkreis Starnberg diesen Titel inne.
■ Sommerföhn
Manche Menschen spüren den Föhn schon Tage, bevor es überhaupt losgeht. Der Sommerföhn in Bayern ist, wie der Name vermuten lässt, ein Wetterphänomen, das nur im Sommer vorkommt. Dabei strömt ein warmer, trockener Fallwind von den Alpen bis weit ins Alpenvorland. Dort trifft die ohnehin schon warme Luft auf eine aufgeheizte Sommeratmosphäre, was die Temperaturen schlagartig in die Höhe treibt. Gleichzeitig sorgt der Sommerföhn im Gebirge für eine unwirkliche Fernsicht und einen optischen Lupeneffekt. Dieser lässt die Alpenkette von München oder dem Umland aus so plastisch und nah erscheinen, als läge das Gebirge direkt vor den Toren der Stadt.
■ Der blutende See
Meist erscheint das Wasser des Alatsees bei Füssen türkisblau und glasklar. Sein Geheimnis liegt in etwa 15 Meter Tiefe: eine Schicht Purpur-Bakterien. Bei bestimmten Wetterbedingungen, die im späten Frühjahr oder Sommer auftreten können, gelangen diese Bakterien an die Oberfläche und färben das Wasser stellenweise rot. Dann blutet der See.
■ Touristenmagnet
Bayern ist das beliebteste Urlaubsbundesland. 2025 brachte mit knapp 41 Millionen Gästeankünften und 102,9 Millionen Übernachtungen einen Rekord. Die meisten in- und ausländischen Besucher zieht es von Juni bis September in den Freistaat. Meistbesuchte Sehenswürdigkeit ist das Schloss Neuschwanstein (2025: rund 1,1 Millionen Besucher). Ebenfalls beliebt: die Zugspitze mit rund 600.000 Besuchern und das Residenzmuseum in München mit rund 560.000 Besuchern.
■ Zur Sommerfrische
Der moderne Tourismus hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert, als Adel und wohlhabendes Bürgertum in den Sommermonaten aufs Land, und hier gerne in die Alpenregion, zogen, um der Hitze der Städte zu entfliehen. „Sommerfrische“ nannte man das damals. Die Bayern haben diesen Trend zwar nicht erfunden, den Begriff aber schon. Geprägt hat ihn der Münchner Reiseschriftsteller Ludwig Steub.