Die Sonne genießen ohne Krebsrisiko

von Redaktion

Dr. Christoph Liebich untersucht Maximilian Achhammer, Sprinter aus Schwandorf. © Achim Frank Schmidt

Sonne schenkt Lebensfreude. Doch der richtige Schutz ist wichtig, um ein Gesundheitsrisiko zu vermeiden. Denn die Zahl der Hautkrebserkrankungen ist in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. © smarterpix, dpa

München – Vitamin D ist wichtig für Knochen, Zähne und Muskulatur. Produzieren können wir es vor allem über das Sonnenlicht, das auch unser Immunsystem stärkt und das Ausschütten von Glückshormonen fördert. „Einerseits tut uns die Sonne gut, andererseits kann sie extrem gefährlich sein“, warnt Dr. Christoph Liebich, der die Praxis Dermazent an der Münchner Hackenstraße leitet. Denn die menschliche Haut ist nicht für zu viel Sonnenstrahlung gemacht. Die Fälle von schwarzem Hautkrebs haben sich laut der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in 25 Jahren verdoppelt, bei weißem Hautkrebs fast verdreifacht. Bei weißem Hautkrebs ist die Lebenszeitdosis an UV-B entscheidend – also die Menge an Sonnenstrahlung, die über das gesamte Leben auf den Körper einwirkt. Liebich: „Deshalb entsteht weißer Hautkrebs meistens im Gesicht oder auf der Glatze, den Sonnenterrassen.“ Beim schwarzen Hautkrebs seien dagegen schwere Sonnenbrände in der Kindheit der Hauptauslöser. Der Experte gibt einen Überblick zu den wichtigsten Fakten:

Mythos Bräune: Galt eine sonnengebräunte Haut früher als Symbol für Gesundheit, weiß man heute: Jede Bräune ist bereits ein Zeichen für geschädigte Hautzellen. Indem sie ihre Farbe verändert, wehrt sich die Haut gegen das aggressive Sonnenlicht.

Zwei Arten von Strahlung: Während die UV-B-Strahlung die Hautoberfläche trifft und für Sonnenbrand sorgt, dringt die UV-A-Strahlung tief in die Haut ein und führt zur vorzeitigen Hautalterung.

Keine Altersfrage: Hautkrebs macht vor keinem Alter halt. Schwarzer Hautkrebs ist bei jungen Frauen zwischen 20 und 29 Jahren mittlerweile die häufigste Krebsart überhaupt, so die Deutsche Krebshilfe. Bei jungen Männern in derselben Altersgruppe liegt er an dritthäufigster Stelle.

Mittagssonne: Bleiben Sie zwischen 10 und 16 Uhr möglichst im Schatten, da die UV-B-Strahlung in dieser Zeit am intensivsten ist, weil die Sonne am höchsten steht.

Lichtschutzfaktor: Nutzen Sie immer den hohen Lichtschutzfaktor (LSF) 50. Der Unterschied: LSF 30 blockt etwa 97 Prozent der UV-B-Strahlen, bei LSF 50 sind es rund 98 Prozent. Doch genau dieses eine Prozent bietet einen wichtigen Schutzpuffer.

Die richtige Zeit: Am besten eine halbe Stunde vor dem Hinausgehen gründlich eincremen, damit die Creme auf der Haut trocknen kann.

Bio- oder konventionelle Creme? Bio-Sonnencremes arbeiten mit mineralischen Filternwie Zinkoxid oder Titandioxid, konventionelle Produktenutzen chemische UV-Filter, die in die Haut einziehen. Wichtig bei einer Sonnencreme ist, dass sie einen breiten UV-A- und UV-B-Schutz bietet. Das ist an dem runden UV-A-Symbol auf der Verpackung zu erkennen. Alle in der EU zugelassenen Sonnencremes – ob Bio oder konventionell – schützen die Haut vor diesen Strahlen.

Risiko Inhaltsstoffe: Zwar stehen einige Inhaltsstoffe in Sonnencremes im Verdacht, gesundheitliche Risiken zu bergen, etwa bestimmte chemische UV-Filter sowie Weichmacher-Verunreinigungen. Die Gefahr, ohne Sonnencreme an Hautkrebs zu erkranken, ist jedoch viel größer als das Risiko durch mögliche Schadstoffe in der Creme.

Genug auftragen: Die meisten Menschen verwenden zu wenig Sonnencreme. Empfohlen werden zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Heißt für Gesicht und Hals: etwa ein Teelöffel. Für den ganzen Körper benötigt ein Erwachsener etwa vier gehäufte Esslöffel.Eine 200-ml-Flasche sollte also nach fünf bis sechs Nutzungen leer sein.

Vorzeitige Hautalterung: UV-A-Strahlen zerstören das Bindegewebe, so altert die Haut vorzeitig. Bis zu 80 Prozent der sichtbaren Alterungserscheinungen im Gesicht gehen auf das Konto von UV-Strahlen, wie Studien zeigen. Ungebräunte Haut behält dagegen ihre elastischen Fasern länger, was zu deutlich weniger Falten und Pigmentflecken im Alter führt.

Sonnenschutz im Alltag: Nicht nur im Urlaub eincremen! Die UV-Gefahr besteht zum Beispiel auch beim Radfahren zur Arbeit, beim Mittagsspaziergang im Freien oder bei der Gartenarbeit. Wer helle Haut hat oder länger als 20 Minuten radelt, sollte auch hier Cremes mit Lichtschutzfaktor 50 verwenden. Eine klassische Tagescreme mit dem LSF 15 ist zu wenig.

Eincremen im Schatten: Der Schatten kann die UV-Belastung zwar deutlich verringern, aber je nach Dichte (z. B. unter einem normalen Sonnenschirm) immer noch erhebliche Mengen an Strahlung durchlassen. Auch Wolken sind für die gefährlichen Strahlen weitgehend durchlässig.

Risiko Wasser: Am Wasser sollte man vorsichtig sein, da die Oberfläche das UV-Licht wie ein Spiegel reflektiert und die Strahlenbelastung dadurch massiv erhöht. Zudem schützt Untertauchen nicht vor Sonnenbrand, da die Strahlung selbst einen Meter tief ins Wasser eindringt.

Vorbräunen im Solarium? Im Solarium fehlt die UV-B-Strahlung, die durch Hautverdichtung eine schützende sogenannte Lichtschwiele aufbaut. Die künstliche Bräune bietet daher keinerlei Schutz vor der echten Sonne. Solarien nützen also nichts beim Vorbräunen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft künstliche UV-Strahlung vielmehr in die höchste Krebsrisikostufe ein.

Nahrungsergänzungsmittel: Sonnenschutz von innen gibt es nicht. Nahrungsergänzungsmittel wie Carotin-Tabletten bieten der Haut nur einen minimalen Eigenschutz von LSF 2, schützen aber nicht vor UV-Schäden oder Hautkrebs. Besser ist eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und Fisch.

Haltbarkeit: Auf der Rückseite fast jeder Sonnencreme befindet sich ein Döschen-Symbol. Darin steht zum Beispiel 12M. Heißt: Das Produkt wirkt nach dem ersten Öffnen 12 Monate lang, sofern es richtig gelagert wurde (nicht in die pralle Sonne legen!).

Bei Sonnenbrand: Abhilfe liefert Aspirin, da Acetylsalicylsäure entzündungshemmend wirkt. Auch Salben mit schwach dosiertem Hydrocortison bekämpfen die Entzündungsreaktion der Haut. Als Hausmittel: Quark auftragen. Nicht länger als zehn Minuten einwirken lassen, da getrockneter Quark die Hitze in der Haut einschließen kann.

Früherkennung: Vorsorge ist auch bei Hautkrebs wichtig!Gesetzlich Versicherte haben ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening. Viele Krankenkassen zahlen die Untersuchung sogar schon früher. Durchgeführt wird das Screening von Hautärzten sowie von speziell geschulten Hausärzten.