Wie die Erbse zum Wirtschaftsfaktor werden könnte

von Redaktion

Durch pflanzliche Produkte wird die Erbse immer wichtiger. © Bein/dpa

Gatersleben – Vegetarische Schnitzel, pflanzliche Milchalternativen oder Proteinriegel: Produkte auf Basis von Erbsenprotein finden sich inzwischen in vielen Supermarktregalen. Forschende und Unternehmen in Sachsen-Anhalt sehen darin eine wirtschaftliche Chance für das Land. Sie arbeiten daran, den Erbsenanbau auszubauen und neue Wertschöpfungsketten aufzubauen.

Der Zeitpunkt kommt nicht zufällig. Immer mehr Menschen verzichten zumindest teilweise auf Fleisch. Nach dem Ernährungsreport der Bundesregierung bezeichnet sich inzwischen mehr als jeder dritte Deutsche als Flexitarier, neun Prozent leben vegetarisch oder vegan. Die Nachfrage nach pflanzlichen Eiweißquellen wächst.

Erbsen gelten als vielversprechende Alternative zu importiertem Soja. Ihr Protein steckt heute bereits in Fleischersatzprodukten, pflanzlichen Drinks oder proteinangereicherten Lebensmitteln. „Dadurch eignet es sich für eine breite Palette an Anwendungen – von Fleisch- und Milchalternativen bis hin zu proteinangereicherten Lebensmitteln“, sagt Jesus Palomino vom Unternehmen Planteneers. Das Unternehmen entwickelt Zutaten und Rezepturen für pflanzliche Lebensmittel.

Die Arbeiten sind Teil des Verbundprojekts „Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten“ (DiP). Im Zuge des Kohleausstiegs soll damit im Süden Sachsen-Anhalts eine Modellregion für nachhaltige Bioökonomie entstehen. Wissenschaftler und Unternehmen arbeiten daran, neue Produkte aus Pflanzen zu entwickeln und den Anbau mithilfe digitaler Technologien effizienter zu machen. Das Vorhaben wird mit rund 105 Millionen Euro gefördert.

Ein Teilprojekt widmet sich speziell der Erbse. Wie weit die Entwicklung inzwischen ist, zeigt ein Erlebnis, das dem Pflanzenforscher Vilson Mirdita vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Erinnerung geblieben ist. Bei einer Projektveranstaltung wurde ein Schnitzel aus Erbsenprotein serviert. „Es war sehr schwer, das Erbsenschnitzel von einem Fleischschnitzel zu unterscheiden“, sagt er.

Doch der Anbau bleibt anspruchsvoll. „Die größten Herausforderungen liegen derzeit in der Wirtschaftlichkeit und der Anbausicherheit“, sagt Agrarwissenschaftlerin Annette Deubel von der Hochschule Anhalt. Die Erträge schwanken teils stark. Hinzu kommt ein Problem, das außerhalb der Landwirtschaft kaum bekannt ist: die sogenannte Bodenmüdigkeit. Nach dem Anbau von Erbsen müssen oft mehrere Jahre vergehen, bevor auf derselben Fläche wieder Erbsen wachsen können, erklärt IPK-Forscher Mirdita. Genau hier setzt die Forschung an. Wissenschaftler suchen nach Erbsenlinien, die robuster und ertragssicherer sind.DANIEL JOSLING

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