Deutschland als Exportweltmeister: Das war einmal …

von Redaktion

Die Bundesrepublik hat den Titel längst an China verloren – Ökonomen fordern angesichts der Krise mehr Mut, Neues zu wagen

Containerschiff im Hamburger Hafen. © IMAGO

München – Exportweltmeister! Deutschland, das lange mit dem Nationalstolz haderte, trug diesen Titel über viele Jahre mit breiter Brust. Doch diese Zeiten sind vorbei. 2009 luchste China der Bundesrepublik diesen Titel erstmals ab – und hat die weltweit die drittgrößte Volkswirtschaft, mittlerweile weit abgehängt. Mit rund 3,75 Billionen US-Dollar ist das Exportvolumen Chinas heute etwa doppelt so groß wie das deutsche, auch die USA liegen beim Export vor uns.

Dass Deutschland den Exporteurs-Titel überhaupt erobert hat, hat nicht nur mit Fleiß und guten Produkten zu tun. Es war auch ein Glücksfall der Geschichte. Der nach der Jahrtausendwende neu eingeführte Euro machte deutsche Waren im Ausland plötzlich billiger und damit attraktiver als in D-Mark-Zeiten, erklärt Moritz Krämer, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Und gleichzeitig öffnete sich China und wurde zum beliebtesten Absatzmarkt deutscher Maschinen und Autos, was zu einer jahrelangen „Sonderkonjunktur“ geführt habe.

Heute ist die Lage anders: China stellt nun viele Waren selbst her und macht Deutschland mit niedrigen Preisen und guter Qualität nicht nur auf den Weltmärkten Konkurrenz, sondern auch in Europa. Gleichzeitig wird die Globalisierung zurückgefahren und Zollkriege vernichten das, worin Deutschland besonders gut war: In internationaler Arbeitsteilung mit weit verzweigten Lieferketten erstellte Waren rund um den Globus zu verkaufen. Die Folge für das einst stolze Land des Wirtschaftswunders: Pleiten, Verlagerungen, Jobabbau und eine schleichende Deindustrialisierung, die übrigens schon vor vielen Jahren eingesetzt hat. Gesellschaftliche Alterung, Bürokratie und hohe Lohnkosten haben das nicht ausgelöst, tun aber ihr Übriges.

Doch wann erobert Deutschland den Exportweltmeister-Titel zurück? „Vermutlich nie“, sagt Krämer. Die Weltlage habe sich geändert, die Sonderkonjunktur sei vorbei und Deutschland müsse sich wohl damit arrangieren, „kleinere Brötchen zu backen“. Andere Ökonomen sehen das ähnlich und fordern Reformen. Vor allem bei Rente und Pflege, die mit ausschlaggebend für die hohen Lohnnebenkosten sind. Aber auch im Steuersystem, bei Genehmigungsverfahren und Digitalisierung.

Trotz Reformen werde Deutschland allein mit dem Export von Autos nicht an alte Erfolge anknüpfen, warnen unisono Volkswirte wie Michael Hüther IW Köln oder Marcel Fratzscher vom DIW. Sie fordern ein neues Geschäftsmodell, um dem Strukturwandel zu begegnen. Kein leichtes Unterfangen in einem Land, das mit Subventionen lieber bestehende Strukturen zementiert. In Deutschland wehre man sich vehement gegen Neues und wolle lieber Erreichtes bewahren, kritisiert auch LBBW-Experte Krämer. „Aber allein mit einer guten Abwehr kann man kein Spiel gewinnen.“ANDREAS HÖSS

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