Der „amerikanische Traum“ verblasst

von Redaktion

Immer weniger Amerikanern gelingt der Aufstieg. © dpa

Miami – Vom Tellerwäscher zum Millionär: Der „amerikanische Traum“ fasziniert im 250. Gründungsjahr der USA immer noch Millionen Menschen. Umfragen zufolge hat das Ideal unter Präsident Donald Trump an Attraktivität eingebüßt, auch wenn dieser immer wieder ein „goldenes Zeitalter“ beschwört. Womöglich auch, weil Trump für etwas anderes steht: den Aufstieg vom Multimillionär zum Milliardär. Nahezu grenzenlose Aufstiegsmöglichkeiten – das verbinden viele mit den Vereinigten Staaten.

„Ich definiere den amerikanischen Traum über harte Arbeit“, sagt der Obstverkäufer Reinaldo Gutierrez Iglesias. „Dieses Land bietet großartige Möglichkeiten“, meint der 60-Jährige, der in Kuba geboren wurde und seit 15 Jahren in Miami lebt. „Aber es gab Zeiten, in denen ich zwei oder drei Jobs gleichzeitig hatte, um meine Familie zu versorgen.“

Dass jeder sein Leben durch harte Arbeit verbessern kann, ist ein weit verbreiteter Glaube in den USA. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup glauben immer noch 69 Prozent, sie könnten den amerikanischen Traum erreichen. Allerdings sind es vier Prozent weniger als noch im Präsidentschaftswahlkampf 2024.

„Für mich ist der amerikanische Traum der Traum eines Unternehmers: in ein Land zu ziehen, in dem es einfacher ist, etwas zu wagen“, sagt der französische Ingenieur Tristan Comte, der für ein Technologie-Startup in San Francisco sitzt. Doch auch für den 28-jährigen Europäer sind die USA von Unsicherheiten geprägt. „Prekär wird mein amerikanischer Traum dadurch, dass die Stadt extrem teuer ist und die Visa äußerst instabil sind“, sagte er. „Ich bin hier und habe ein Gehalt. Aber es gibt keine Garantie, dass das in neun oder zwölf Monaten noch der Fall sein wird.“

Der Ausdruck „amerikanischer Traum“ geht auf den Unternehmer und Historiker James Truslow Adams zurück, der ihn 1931 mit seinem Buch „The Epic of America“ populär machte (Das Epos von Amerika). Er sei „ein Traum von einer Gesellschaftsordnung, in der jeder Mann und jede Frau zu voller Größe auflaufen kann“ – ungeachtet der Herkunft oder der sozialen Stellung, schrieb er.

Dieses Ideal sei schwierig zu erreichen, sagt der Barkeeper und Gelegenheitsarbeiter Jerrial Young. Der 44-Jährige lebt in einer Wohngemeinschaft im Bundesstaat Pennsylvania und spricht von einem täglichen Kampf ums Überleben. Die soziale Ungleichheit in den USA steigt. Young sagt, seine Eltern hätten sich noch „nicht das Genick brechen“ müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wie viele andere in den USA weigert er sich aber, aufzugeben. „Ich glaube schon, dass Veränderungen kommen werden, weil sie kommen müssen“, sagt er.

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