Streng genommen ist heute nicht der 250. Geburtstag der amerikanischen Republik. Die Vereinigten Staaten in ihrer heutigen Form entstanden mit der Ratifizierung der Verfassung am 21. Juni 1788. Diese war jedoch ein unvollkommenes Dokument, denn sie vertagte eine Lösung für die Sklaverei. Erst ein blutiger vierjähriger Bürgerkrieg führte 1865 zu ihrer Abschaffung, auch wenn wir unsere Ursünde bis heute nie vollständig gesühnt haben.
Heute feiern wir den 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. Mit ihr erklärten 13 britische Kolonien ihren Wunsch, sich als unabhängige Staaten zusammenzuschließen. Die Erklärung stiftete eine gemeinsame Identität – gegründet auf das Bekenntnis zu einer Reihe von Idealen. In diesem Sinne ist Amerika weniger ein Ort oder eine Institution als vielmehr eine Idee.
Die Unabhängigkeitserklärung ist ein Dokument von überwältigender Größe und universeller Ausstrahlung. „Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden; dass zu diesen Rechten Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit gehören.“ Zur amerikanischen Gemeinschaft zu gehören, hing niemals von gemeinsamer Abstammung oder Religion ab. Ronald Reagan brachte es treffend auf den Punkt: „Man kann nach Frankreich ziehen, aber man kann kein Franzose werden … Jeder Mensch, aus jedem Winkel der Erde, kann nach Amerika kommen und Amerikaner werden.“
Wie Reagan immer wieder zeigte, sind die Amerikaner ein stolzes Volk. Leider gehören heute einige der lautesten Stimmen aber jenen, die behaupten, Menschen, deren Familien seit Generationen im Land leben, seien „echtere“ Amerikaner als jene, die erst kürzlich eingewandert sind. Wer sich in die Flagge hüllt, aber die Ideale der Unabhängigkeitserklärung einer Politik opfert, die anderen die Chance auf ihr Glück verwehrt, der verwechselt das Symbol mit dem Wesentlichen. Das Bekenntnis der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung galt weder einem Stamm noch einer Blutlinie. Nein – sie bekannten sich zu einem Grundsatz. Und sie taten dies voller Zuversicht, indem sie einander feierlich „unser Leben, unser Vermögen und unsere heilige Ehre“ verpfändeten.