Südeuropa steht in Flammen

von Redaktion

Wie Trockenheit und Winde die Brände ausbreiten – Wo es überall lodert

Südfrankreich kämpft gegen den schwersten Waldbrand seit 50 Jahren. An einem Tag hat sich die Fläche verdreifacht. © dpa

Rom – Anfang Juli und in Südeuropa lodern bereits die Flammen. In Portugal, Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien und auf dem Balkan toben Waldbrände. Insgesamt melden die Behörden verbrannte Flächen von weit über 200 Quadratkilometern, das entspricht in etwa knapp der Hälfte der Fläche des Bodensees. Extreme Trockenheit und Wind sind die Hauptfaktoren für die schnelle Ausbreitung der Brände.

Ist das das Szenario, mit dem man bald auch in nördlichen Breitengraden rechnen muss? Der Deutsche Wetterdienst stuft die Waldbrandgefahr in einigen Gemeinden Baden-Württembergs und des nordwestlichen Bayerns als „sehr hoch“ ein. Auch in Teilen Skandinaviens knistert es schon. Die derzeit größten und gefährlichsten Brände liegen allerdings in Südeuropa.

Aus dem Urlaubsland Italien werden mehrere kleinere Waldbrände gemeldet, etwa im Piemont, westlich des Lago Maggiore in der Lombardei, in den Abruzzen, östlich von Caserta in Kampanien, südlich des Gargano in Apulien sowie bei Licata auf Sizilien.

Die größte Dimension mit 130 Quadratkilometern Fläche hat bislang der Brand nahe der nordportugiesischen Kleinstadt Vouzela erreicht. Das entspricht etwa der Hälfte des Stadtgebiets von Frankfurt am Main. Über 1200 Feuerwehrleute und 15 Löschflugzeuge brachten das Feuer inzwischen unter Kontrolle, 47 Menschen wurden verletzt. Derzeit versuchen immer noch rund 1000 Einsatzkräfte, Glutnester zu löschen.

In Südfrankreich westlich von Perpignan hat der schwerste Waldbrand seit 50 Jahren tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Rund 12.000 Menschen wurden evakuiert, die Bevölkerung von 20 Gemeinden wurde in Turnhallen und Gemeindezentren untergebracht, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Nahe Trévillach verbrannten seit Sonntag knapp 50 Quadratkilometer Wald. Durch Winde hatte sich die Brandfläche innerhalb von 24 Stunden verdreifacht. „Ich war sicher, dass ich sterben würde, bevor ich den Evakuierungsbus erreiche“, sagt Valérie Pla aus Ille-sur-Têt der Zeitung „Le Monde“. Bei der dritten Etappe der Tour de France am Montag waren keine Zuschauer zugelassen, da die Sicherheitskräfte in die Brandregion abgezogen werden mussten. „Der Klimawandel ist da, wir erleben seine Folgen“, sagte Eric Belgioino, Feuerwehrchef im Département Pyrénées-Orientales. „Es ist erst Anfang Juli. Die Saison wird lang.“

Brandstiftung, wie sie etwa beim Waldbrand von Vouzela in Portugal vermutet wird, kommt seltener vor. Über 90 Prozent der Wald- und Flächenbrände in Südeuropa werden durch Unachtsamkeit ausgelöst. Ein Großbrand östlich von Girona in Nordspanien etwa wurde von einem Straßenarbeiter verursacht, der am Freitag an einer Landstraße mit einer Flex arbeitete und die glühenden Funken das Feuer entfachten. Gegen den Mann wird ermittelt. Von dem Waldbrand sind auch Camping-Urlauber an der Costa Brava betroffen. 50.000 Menschen mussten zeitweise zu Hause bleiben. In Spanien werden derzeit rund 60 Waldbrände gezählt.

Nach mehreren kleineren Bränden in Griechenland brach am vergangenen Samstag in Orekastro bei Thessaloniki ein Feuer aus, das sich über Nacht zu einem Großbrand entwickelte. Eine Recyclinganlage und eine Textilfabrik brannten ab. Ein 76-Jähriger wurde verhaftet. Der Verdacht der Polizei: Brandstiftung.JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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