Roland Eichhorn beim Abholen des Unterkiefers in Kipfenberg. © Klaus Haag
München – Dass der Unterkiefer von „Frankenzilla“ sowie weitere Saurierschädel nicht zu Baumaterial wurden, ist glücklichen Fügungen und dem unbürokratischen Handeln von Roland Eichhorn zu verdanken. Der 60-Jährige ist als Leiter des geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU) zwar in erster Linie für die Sicherung von Verkehrswegen, etwa gegen Steinschlag, sowie für die Suche nach Bodenschätzen wie Sand, Kies, Gips und – derzeit vordringlich – Tiefenwasser für den Ausbau der Geothermie zuständig. Doch Saurier begeistern ihn, seit er als Kind in Steinbrüchen seiner fränkischen Heimat erste Fossilien entdeckte.
Logisch, dass er hinfuhr, als ihm ein Steinbruchmitarbeiter von einem möglicherweise wertvollen Fund berichtete. Er sah ein kleines Stück des „Frankenzilla“-Unterkiefers. Der Rest war eingeschlossen in einem zwei Tonnen schweren Steinblock. „Wir haben entschieden, das müssen wir auf jeden Fall bergen und für die Nachwelt sichern“, erinnert sich Eichhorn. Kurzerhand ließ er das Trumm auf einen Anhänger laden und brachte es in Sicherheit. Bei einer Nachsuche wurden zehn weitere Steinblöcke mit möglicherweise wertvollem Inhalt identifiziert.
Dass die Steine ihr Geheimnis weit schneller preisgaben als gedacht, lag an einem Anruf aus Fürth. „Ich wurde vom dortigen Fraunhofer-Institut kontaktiert“, sagt Eichhorn. „Die haben ein XXL-Hightech-Röntgengerät, mit dem eigentlich unter größter Geheimhaltung ganze Formel-1-Wagen und -motoren geröntgt werden.“ Die Spezialisten boten an, die Zwei-Tonnen-Blöcke zu durchleuchten. Die dreidimensionalen MRT-Daten ließen zehn weitere Schädel erkennen – von mehreren Saurierarten. Anhand der 3D-Daten konnte der LfU-Paläontologe Matthias Kranner Modelle drucken, die der Wissenschaft nun als Arbeitsmaterial dienen, obwohl die Schädel noch gar nicht freipräpariert worden sind. Diese Methode, so Eichhorn, habe das Potenzial, die paläontologische Forschung voranzutreiben.
Letzte Erkenntnisse liefern freilich immer noch die Originale, nachdem sie in hunderten Stunden Handarbeit behutsam freigelegt wurden. Beim „Frankenzilla“ legt Frederik Spindler gerade eine Pause ein. Das Fundstück war im LfU in Hof ausgestellt. Anschließend wurde es nach Kipfenberg zurückgebracht, wo Spindler ihm weitere Geheimnisse entreißen will, bevor der Unterkiefer dauerhaft ins Naturkundemuseum Bamberg kommt.P. SCHMIDT