Deutsche Orte, die Fernweh stillen

von Redaktion

Der Geysir in Andernach lockt Besucher an. © Frey/dpa

Andernach/Lübbenau – Fernweh entsteht vor allem durch Bilder: Dort will ich auch mal hin, das will ich auch mal sehen! Doch was ist, wenn das Budget nicht reicht oder man die weite Reise scheut? Dann muss man das Ferne in der Nähe suchen – auch in Deutschland gibt es Geysire, Dolce Vita und atemberaubende Berglandschaften.

1. Es könnte auch der Geirangerfjord oder ein anderer Teil der berühmten norwegischen Küstenlandschaften sein: Wer am Ufer des Königssees steht und über das zwischen steil aufragenden Bergen gedrückte Wasser blickt, könnte sich in Skandinavien wähnen. Man ist aber in den Berchtesgadener Alpen. Was die Naturlandschaften gemeinsam haben: Gerade im Sommer ächzen sie teilweise unter den Touristenmassen.

2. Zugegeben, an die eruptive Urgewalt mancher Geysire in Island oder im Yellowstone-Nationalpark in den USA reicht er nicht heran. Und dennoch ist es beeindruckend, wenn der Geysir in Andernach bei Koblenz das Wasser bis zu 60 Meter in die Luft stößt.

Verantwortlich dafür ist Kohlendioxid aus Magma tief unter der Eifel, das sich mit Grundwasser vermischt. Alle zwei Stunden bricht sich dieses Gas-Wasser-Gemisch aus rund 350 Metern Tiefe Bahn. Ein Ausbruch dauert um die 15 Minuten. Das Wasser ist nicht kochend heiß, wie bei so vielen Geysiren, sondern hat wohltemperierte 20 Grad. Dass der Geysir nahe dem Rhein, unmittelbar neben der Bundesstraße 9, mit seinen aufgeschütteten roten Steinen etwas künstlich wirkt, ist kein Wunder: Der Brunnen wurde von Menschenhand gebohrt, die Ausbrüche sind aber natürlich.

3. Die Gondolieri des Spreewaldes heißen zwar Fährmänner und Fährfrauen. Und wenn sie die flachen Kähne mit den langen Holzstangen durch das Wasser schieben, heißt das Staken und nicht „Voga alla Veneta“ wie in der Lagunenstadt Venedig. Und die Brücke vor dem Café Venedig in Lübbenau ist im Vergleich zur opulenten Rialtobrücke auch eher ein pragmatischer Wasserübergang. Doch das Brandenburger Dolce Vita muss sich nicht verstecken vor dem italienischen Original. Mit 260 Kilometern an befahrbaren Fließen überflügelt es das Kanalnetz von Venedig (38 Kilometer) jedenfalls um Längen. Und dann gibt es da noch das auf Inseln verstreute Dorf Lehde, wo die Post per Boot zugestellt wird und über das der Schriftsteller Theodor Fontane schrieb, es sei ein „bäuerliches Venedig“.

4. Mächtig ragt die Walhalla über der Donau auf – und sieht so vollkommen aus. Der Zahn der Zeit hat an dem bayerischen Prachtbau deutlich weniger genagt als an seinem Vorbild, dem Parthenon auf der Akropolis. Der antike Tempel in der griechischen Hauptstadt ist allerdings auch mehr als 2000 Jahre älter.TOM NEBE

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