LMU-Professor Timo D. Müller ist Direktor des Instituts für Diabetes und Adipositas am Helmholtz-Zentrum. © Helmholtz
München – Der einzelne Patient wird immer mehr im Mittelpunkt stehen, erwartet Prof. Matthias Tschöp. „Es wird so eine Art personalisierte Stoffwechselmedizin geben, bei der jeder das bekommt, was für ihn maßgeschneidert das Beste ist“, prognostiziert der Experte.
Schon in den kommenden fünf bis zehn Jahren erwartet er weitere Durchbrüche bei den Abnehm-Medikamenten: „Sie werden immer weniger Nebenwirkungen haben und immer feiner für die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten werden.“ So werde es Versionen geben, die gleichzeitig antientzündlich wirken. Andere, die das Herz-Kreislauf-System noch besser schützen. Derzeit werde zum Beispiel ein Medikament in Studien erprobt, das zu Gewichtsverlust führen und zugleich eine Fettleber therapieren kann: „Abnehmmedikamente, die ein sogenanntes GLP-1-Glucagon enthalten, haben mehr Effekte in der Leber, die Firma Boehringer arbeitet hier an einer Version namens Survodutid, die wohl bald auf den Markt kommen wird“, erklärt Tschöp. Andere Produkte haben dagegen eine sehr gute Wirkung auf den Diabetes oder den Glukosestoffwechsel. „Es werden Medikamente mit drei und auch fünf Wirkstoffen auf den Markt kommen, die noch stärker und differenzierter wirken.“
Auch in München am Helmholtz-Zentrum wird ein solcher Fünffachwirkstoff erforscht. Prof. Timo D. Müller, der das Institut in der Nachfolge von Prof. Tschöp leitet, hat ein Hybridmolekül entwickelt. Dieses kombiniert zwei Wirkstoffe und kann in Tierversuchen Adipositas und Typ-2-Diabetes wirksamer beeinflussen als derzeitige Medikamente. Der Trick: Das Hybridmolekül bringt einen Wirkstoff namens Lanifibranor direkt in die Zellen, wo er auch wirken soll. Der Studienleiter vergleicht das Verfahren mit einer Art Trojanischem Pferd: Da der Wirkstoff eingeschleust wird, braucht es nur eine geringe Dosis. In Versuchen mit Mäusen sanken die Blutzuckerwerte und es gab Hinweise, dass auch das Insulin effektiver wirkt: Es schleuste Zucker besser aus dem Blut in Gewebe ein, während die Leber weniger Zucker ins Blut abgab. Das habe günstige Effekte auf Herz und Leber. Prof. Müller: „Wir sehen große Wirkung im Tiermodell– jetzt geht es darum, den Ansatz für den Menschen zu optimieren.“ Denn es ist noch offen, ob sich alle Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen.S. SASSE