Ein Flitterwochen-Zimmer in einem Iglu des Snow Hotels in Lappland. © imago
Bezaubernde Nordlichter sieht man in Akaslompolo im finnischen Lappland. © imago
Kurios: Ein Hotelzimmer in einem finnischen Wald. © imago
Bei Touristen beliebt: eine Tour mit dem Rentierschlitten, hier am Nordpolarkreis bei Rovaniemi in Lappland. © imago
Eine Wanderin genießt den einmaligen Blick vom Gipfel des Stornappstinden auf den Lofoten in Norwegen. Auf dem Bild unten legt ein Kreuzfahrtschiff vor dem 300-Seelen-Dorf Flam, ebenfalls in Norwegen, an. © imago (2)
München – Sonne, Strand und Temperaturen weit über 30 Grad? Das will nicht jeder. Immer mehr Deutsche zieht es im Urlaub in den kühleren europäischen Norden. „Coolcation“ – eine Auszeit in kühleren Gebieten. Etwa 3,5 Millionen Deutsche reisen jährlich nach Skandinavien. Dänemark ist mit etwa 1,5 Millionen Reisenden das beliebteste skandinavische Reiseziel und rangiert laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) sogar unter den zehn beliebtesten Reisezielen der Deutschen.
Abseits all der landschaftlichen Reize Skandinaviens ist der Trend auch in den Folgen des Klimawandels begründet: Extreme Hitzewellen, Waldbrände oder lange Dürreperioden in beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Italien oder Griechenland machen Länder wie Dänemark, Schweden oder Norwegen für die Reisenden immer attraktiver. In den Sommermonaten 15 bis 23 Grad, nur selten über 25 Grad, und kühle Nächte: Das sei für viele Urlauber besser auszuhalten, sagt André Detroit vom skandinavischen Reisebüro Nordic Team Travel in Berlin. „Die Menschen suchen im Sommer nach Alternativen zum Mittelmeerraum.“
Skandinavien ist für Deutsche gut erreichbar– per Auto, Schiff oder Flugzeug. „Was den Reiz auch ausmacht, ist, dass die skandinavischen Länder ganzjährig vielfältige Angebote für unterschiedlichste Zielgruppen bieten“, sagt Detroit. Bei Senioren seien Reisen mit den Postschiffen beliebt, Familien seien eher für Camping oder die Pippi-Langstrumpf-Abenteuer-Tour für Kinder in Schweden zu begeistern. Im Juni gebe es die Mittsommer-Festivitäten und im Winter locke das sich über Norwegen, Schweden und Finnland erstreckende Lappland: „Das zieht besonders Romantiker an, die die Polarlichter sehen wollen – Schlittenfahrt mit Rentieren inklusive“, sagt Detroit. Auch auf Sonne muss man nicht verzichten. Vor der Ostküste Schwedens liegen die mit vielen Sonnenstunden und langen Sandstränden gesegneten Inseln Gotland und Öland. Die zerklüftete Westküste ist ein Paradies für Segler und Kajakfahrer. Finnland wiederum ist berühmt für seine waldreiche Seenplatte – mit weit mehr als 100.000 Quadratkilometern die größte Europas.
„Diese Länder bleiben im Gesamtvergleich aber eher in der Nische“, betont DRV-Sprecher Torsten Schäfer. Tatsächlich ist der Mittelmeerraum unangefochten des Deutschen liebstes Auslandsziel (siehe Artikel unten). Detroit hingegen will „Coolcation“ nicht als Nischentrend bezeichnen. „Wir stellen seit zwei Jahren eine deutlich höhere Nachfrage nach Urlaub in Skandinavien fest, auch für Buchungen im Jahr 2027. Wir rechnen mit deutlich steigenden Tendenzen.“ Die Auftragszahlen bei Nordic Team Travel gingen „spürbar“ nach oben, „und das im zweistelligen Prozentbereich“, ergänzt Detroit – trotz der stetig steigenden Preise.
„Coolcation“ hat aber auch seine Schattenseiten. Stichwort Übertourismus. Denn die Sehnsucht nach einem Urlaub in der oft noch sehr unberührten Natur Skandinaviens bringt durch Flugreisen und den Kreuzfahrttourismus gleichzeitig zusätzliche Umweltbelastungen.
Norwegen führt Touristensteuer ein
Besonders Norwegen verzeichnet eine starke saisonale Konzentration: Rund die Hälfte der Touristenankünfte fällt auf die Sommermonate. „Sehr beliebt sind Hotspots wie die Lofoten oder Städte wie Trondheim, Bergen oder Hammerfest“, sagt Detroit. Besonders deutlich zeigt sich der Andrang im kleinen norwegischen Dorf Flam im Auerlandsfjord. Das 300-Einwohner-Dorf wird inzwischen jährlich von 450.000 Touristen besucht. 300.000 von ihnen kommen mit riesigen Schiffen, die in dem kleinen, engen Fjord anlegen. Der Tourismus spült viel Geld in die Kassen, aber die Infrastruktur gerät regelmäßig an ihre Grenzen. Die Flambahn, die als nationale Sehenswürdigkeit gilt, verstärkt mit einer Million Fahrgästen pro Jahr den Tourismusdruck.
Einheimische fordern vielerorts eine Regulierung der Tourismusströme, um die eigene Lebensqualität zu schützen. Auch die Belastung für Natur und Umwelt wird zunehmend zum Thema. Der starke Kreuzfahrttourismus ist sehr emissionsintensiv und verändert das Bild der ursprünglich ruhigen Fjordlandschaft erheblich. „Wir sehen bei unseren Kunden aber ein gestiegenes Umweltbewusstsein“, sagt Detroit. „Viele fragen bei ihrer Reiseplanung nach kleineren Schiffen für die Überfahrt.“ Diese haben meist eine geringere Kapazität von bis zu 500 Passagieren.
Als Folge des Übertourismus hat Norwegen eine Tourismussteuer beschlossen, die es betroffenen Gemeinden seit diesem Sommer ermöglicht, eine dreiprozentige Steuer auf Übernachtungen zu erheben – Geld, das in den Ausbau der Infrastruktur fließen soll. Zu erwarten ist die Steuer unter anderem für das besonders beliebte Reiseziel Lofoten, in Bergen und in Tromso.