Künftig Teil des Verbunds, aber ein eigenständiges Staatsmuseum: Ein Blick ins Museum Brandhorst. © Marcus Schlaf
Kunstminister Markus Blume (CSU) im Museum Mensch und Natur in München. © Astrid Schmidhuber
Neues für die Alte Pinakothek: Die Struktur der Museen in Bayern wird teils radikal geändert. Unser Bild entstand bei der Hängung des Werks „Die Fesselung des Prometheus“ im April 2019. © Schlaf Marcus
München – Stärken entfalten, Synergien schaffen, Potentiale heben – es sind jede Menge Schlagworte, die fallen, wenn Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume die wohl tiefgreifendste Maßnahme seiner Amtszeit vorstellt: die komplette Umstrukturierung der bayerischen, staatlichen Museen. Kein Stein werde mehr auf dem anderen bleiben, versprach er bereits vor wenigen Tagen und am Mittwoch ließ er im Landtag Taten folgen: Aus 18 Einzelmuseen sollen zehn Große werden, die unter dem Namen „Bayerische Staatsmuseen“ zusammengefasst werden. Die Verwaltungseinheit „Bayerische Staatsgemäldesammlungen“ werde abgeschafft, der Behördenstatus für die Führungskräfte soll auslaufen, dafür werde eine dreiteilige Führungsstruktur eingesetzt – und das ist neu und entscheidend – mit Wirtschaftskräften. Denn auch bei der größten Revolution geht‘s ums Geld. Und das sollen die Museen in Zukunft zu einem Teil selbst erwirtschaften.
Doch da Kunst schön ist, aber viel Arbeit macht, wie bereits Karl Valentin wusste, nennt Blume den Stichtag 1. Januar 2029. Bis dahin soll alles umgesetzt sein. Den Fahrplan dazu hat eine Reformkommission entwickelt, mit zwei Experten an der Spitze: Rolf Nonnenmacher, Wirtschaftsprüfer und lange Jahre Partner bei der Unternehmensberatung KPMG, sowie Markus Michalke, Unternehmer, Kunstsammler und im Stiftungsrat der Pinakothek der Moderne.
Zwei, die genau das verkörpern, was der Kern der sogenannten „Museumsoffensive“ ist: Bayerns Kunstschätze sichtbarer und damit auch wirtschaftlich einträglicher zu machen. „Mein Gefühl ist, wir haben viel mehr Potenzial in unserer Museums- und Sammlungslandschaft. Ein Potenzial, mit dem man Menschen in der ganzen Welt begeistern kann“, wirbt Blume im Landtag für seine Reform.
Wie die en détail aussehen soll, haben Nonnenmacher und Michalke in ihrem sogenannten Weißbuch zusammengefasst. Kleine Museen, die bisher eher ein Orchideendasein geführt haben, wie die Staatliche Münzsammlung (noch beheimatet in einem Trakt der Münchner Residenz), gehen im Bayerischen Nationalmuseum auf, das Theatermuseum soll mit in die Pinakothek der Moderne integriert werden. Die Staatlichen Antikensammlungen, die Glyptothek und das Ägyptische Museum werden zu „Museen der Kunst der Antike und des Altertums“ zusammengefasst. Die Textil-, Glas- und Porzellanmuseen firmieren unter dem Verbund „Museen der Industriekultur“. Außerdem wird es ein Staatsmuseum Franken geben, zu dem sich das Museum für Franken in Würzburg sowie das Neue Museum Nürnberg zusammentun. Eine gemeinsame Organisationseinheit werden auch die prominenten Flaggschiffe Alte und Neue Pinakothek.
Die Museen erhalten ihre Sammlungen, ihre Identität und meist auch ihre Standorte, sollen aber in ihrem jeweiligen Verbund gemeinsame Strategien entwickeln bei Personalplanung, Budget, Marketing und Digitalisierung. Nicht jede Einrichtung arbeitet dann für sich, sondern man ziehe an einem Strang. „Gesamtsteuerung statt Mikromanagement“, nennt es Unternehmensberater Nonnenmacher.
Eine Sammlung wird allerdings ganz ausgeschlossen: „Das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke soll in Zukunft als Lehr- und Forschungsmuseum an die Ludwig-Maximilians-Universität gehen. Die Mittel laufen dann auch über den Haushalt der LMU“, erklärt Blume.
Manche Museen bleiben auch eine Einheit für sich, wie das Museum Fünf Kontinente, mit seiner speziellen Sammlung, das Museum Brandhorst mit einem eigenen Stiftungs- und Ankaufsetat oder die außergewöhnlich umfangreiche und hochkarätige Graphische Sammlung. Und das Haus der Kunst, das schon jetzt die Wünsche des Ministers erfüllt: Es zieht ein internationales Publikum an, alt und jung, und das bei nur einem Tag freien Eintritt im Monat.
Sponsoren, Preise – die Museen sollen selbst entscheiden
Auch das sollen die Museen in Zukunft selbst entscheiden, mit welchen Angeboten sie die Besucher in ihre Häuser locken. Sponsoring und Fundraising, ähnlich wie in den USA, könnte sich die Kommission vorstellen, sagt Michalke. Dazu reiste man nach New York, nach Cambridge zu den Harvard Art Museums, aber auch nach Österreich, insbesondere nach Wien, wo einige Museen bis zu 50 Prozent ihres Budgets selbst erwirtschaften. „Aber keine Angst, wir sprechen nicht über eine Privatisierung.“
Bisher bringt der Freistaat jährlich 130 Millionen Euro für die Finanzierung der Museen auf. Blume will „auf gar keinen Fall kürzen“, sondern er lege noch etwas drauf. Rund fünf Millionen Euro sollen helfen, damit die Museumsoffensive schnellstmöglichst an den Start gehen kann. Gilt es doch 3,5 Millionen Objekte (Fotografien und Artefakte der Archäologischen Staatssammlung nicht mitgezählt), 200 Sammlungsgebiete und 32 Standorte auf den Prüfstand zu stellen.
Bei den rund 1000 fest angestellten Mitarbeitern habe man bereits für diese Museumsoffensive geworben. Es gab ein sogenanntes Townhall-Meeting, also eine große, offene Veranstaltung, „zu dem alle Beschäftigten der Staatlichen Museen eingeladen waren, und eine weitere Dialogphase mit allen Direktorinnen und Direktoren“, erklärt Michalke. Und auch seitens des Hauses Wittelsbach, das ja einen Großteil der bayerischen Sammlungen stellt, trage man diese Reform mit. Auf die Markus Blume schon jetzt stolz ist: „Es ist eine historisch einmalige Chance.“