Entscheidender Stich: Beim Fischerstechen – hier in Seehausen am Staffelsee – geht immer einer baden. © Andreas Mayr
Die Schäffler tanzten in diesem Februar auf dem Marienplatz – jetzt heißt es wieder: Sieben Jahre warten. © Preiss/dpa
München – Alle sieben Jahre ist es so weit: Dann tanzen die Münchner Schäffler durch die Straßen. Der Brauch ist mehr als 500 Jahre alt und reicht bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück. Der Legende nach wollten die Handwerker nach einer Pestepidemie den verängstigten Menschen neuen Mut machen. Bis heute treten die Schäffler vom 6. Januar bis zum Faschingsdienstag auf. Das nächste Mal erst 2033.
Wenn im Berchtesgadener Land die Peitschen knallen, kündigt sich das Ende des Winters an. Das Aperschnalzen, auch Goaßlschnalzen genannt, wird dort seit mehr als 300 Jahren gepflegt. Der Name verrät bereits seinen Sinn: „Aper“ bedeutet „schneefrei“. Mit dem lauten Knallen sollten einst Kälte und Dunkelheit vertrieben und der Frühling begrüßt werden. Noch heute messen sich zahlreiche Schnalzergruppen zwischen Weihnachten und Fasching bei Wettbewerben.
Wer beim Fischerstechen trocken bleibt, hat gewonnen. Bei dem Wettkampf versuchen zwei Männer auf Booten, sich mit langen Lanzen ins Wasser zu stoßen. Im Mittelalter diente der Brauch Schiffern und Fischern als Übung für Geschicklichkeit und Balance. Heute wird das Spektakel unter anderem am Starnberger See gepflegt und begeistert jedes Jahr zahlreiche Zuschauer.
Prächtig geschmückte Pferdegespanne, festlich gekleidete Reiter und Blasmusik: Die Leonhardifahrten zählen zu den eindrucksvollsten Bräuchen Bayerns. Sie werden zu Ehren des heiligen Leonhard, des Schutzpatrons der Bauern und Nutztiere, veranstaltet. Die Prozessionen haben ihre Wurzeln im Mittelalter und finden traditionell rund um den 6. November – den Gedenktag des Heiligen – statt. Besonders bekannt sind die Fahrten in Bad Tölz, Kreuth und Benediktbeuern, wo Pferde und Gespanne feierlich gesegnet werden.
Mit schweren Glocken, zotteligen Fellen und kunstvoll geschnitzten Holzmasken ziehen die Perchten durch die Straßen Oberbayerns. Der Brauch hat vorchristliche Wurzeln und sollte böse Geister und die Dunkelheit des Winters vertreiben. Unterschieden wird zwischen den „Schönperchten“, die Glück bringen sollen, und den Furcht einflößenden „Schiachperchten“. In Kirchseeon, im Berchtesgadener Land und im Chiemgau gehören die Perchtenläufe bis heute zur Adventszeit.ANASTASIA BONDARENKO