Der abrupte Sturz eines Aufsteigers

von Redaktion

Die Masken-Deals waren der Tiefpunkt in Spahns Laufbahn. © MACDOUGALL/AFP

Berlin – Jens Spahns Sturz kommt auf dem bisherigen Höhepunkt seiner politischen Karriere, von der manche sagen, dass sie ihn noch ins Kanzleramt hätte führen können. Nach Anlaufschwierigkeiten hatte er seine Position an der Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zuletzt gefestigt und sich als wohl mächtigster Mann der CDU neben Bundeskanzler Friedrich Merz etabliert.

Mit einem Wahlergebnis von 91,3 Prozent war es im Mai 2025 vielversprechend losgegangen. Doch nur zwei Monate nach Spahns Start als Fraktionschef platzte die Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht. Das wurde Spahn angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannte.

Aus der Bahn werfen ließ sich Spahn davon aber nicht. „Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen“, sagt der CDU-Politiker aus dem westfälischen Münsterland. Das hat er auch schon auf anderen politischen Tiefpunkten bewiesen. Zum Beispiel bei der Affäre um den Kauf von Corona-Masken, die ihn bis in diese Legislaturperiode verfolgte.

Beharrungsvermögen in Krisenzeiten

Sein Beharrungsvermögen in Krisenzeiten hat ihn letztlich für weitere Aufgaben gestählt. Spahn ist 46, sitzt aber schon mehr als sein halbes Leben im Bundestag. 2002 wurde der Westfale mit 21 Jahren als damals jüngster Abgeordneter der Union ins Parlament gewählt. Von 2017 bis 2021 war Spahn Gesundheitsminister unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und nach dem Wahlsieg der Union im Februar 2025 auch als Wirtschaftsminister im Gespräch. Merz machte ihn aber zum noch mächtigeren Fraktionschef. Und das, obwohl er schon vorher den einen oder anderen Konflikt mit ihm ausgetragen hatte.

Nach dem Richterstreit stabilisierte Spahn sich an der Fraktionsspitze, wehrte im Herbst den Aufstand der jungen Rebellen in der Fraktion gegen die Rentenreform ab. Von da an ging es bergauf. Zuletzt hatte Spahn zusammen mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch einen maßgeblichen Anteil am Reformpaket und hatte die Fraktion damit als Machtzentrum neben dem Kanzleramt gestärkt.

Bei der Leihmutterschaft hat ihn aber offensichtlich sein politischer Instinkt verlassen. Er stützte das Verbot in Deutschland beim Parteitag im Februar, ließ sich als Fraktionschef wiederwählen, ohne darüber zu reden, und erzählte auch dem Kanzler erst vergangene Woche davon. Die Wucht der Empörung, die das öffentliche Bekanntwerden der Leihmutterschaft entwickelte, unterschätze er komplett.MICHAEL FISCHER

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