Ein verhagelter Start in den Sommer

von Redaktion

Der Bundeskanzler gestern Abend im TV-Interview: „Spahn hat uns sehr, sehr spät über das alles informiert“

Sommerinterview im Sturm: Kanzler Friedrich Merz mit ZDF-Journalistin Diana Zimmermann in Meschede. © Asbach/dpa

Meschede/München – Es klingt so sanft nach Geplauder im Sonnenschein – doch die Sommerinterviews sind für Friedrich Merz jedes Mal stürmischer als erhofft. Im Sommer 2025 schon reagierte er zunehmend genervt auf die Dauerfragen damals nach Richterwahl und Reformstau. Jetzt, gestern Abend ausgestrahlt, erwischt ihn das ZDF-Format exakt nach dem Rücktritt von Jens Spahn. Merz bemüht sich um Fassung, manchmal sogar einen Hauch Fröhlichkeit bei der Aufzeichnung am Hennesee in Meschede, seinem heimatlichen Hochsauerlandkreis.

Klar, es geht lange um Spahn. Merz schildert, wie ihn der Parteifreund vor inzwischen über einer Woche unter vier Augen über die Leihmutterschaft informierte. „Ich habe dem Kind viel Glück gewünscht“, sagt der Kanzler. „Naja. Ich habe mir gedacht, hoffentlich geht er kommunikativ gut damit um und erklärt es gut.“ Er habe es niemandem weitergesagt und das Spahn überlassen.

Merz macht deutlich, dass er mit dem Ergebnis unglücklich ist. Spahn habe „ja auch Partei und Fraktion sehr, sehr spät über das alles informiert“. Ob er sich hintergangen fühle? Nach dieser Frage von ZDF-Journalistin Diana Zimmermann zögert Merz, das sagt schon viel: „Ähm, das will ich hier nicht öffentlich bewerten.“

Merz deutet auch an, vielleicht sein Kabinett umzubilden. „Es könnte eine Gelegenheit sein, nochmal über die Aufstellung der Regierung nachzudenken“, sagt er lächelnd, ergänzt aber zweimal, er rede im Konjunktiv. Auf Nachfrage, ob er Kanzleramtschef Thorsten Frei umsetzt, weicht er aus.

Immerhin: In der Union sind sie erleichtert, dass Spahn wenigstens kurz vor dem Interview ging. Im Extremfall hätte Merz ihn ja nicht selbst entlassen können, das Sommertheater für die Union wäre dann noch viel größer geworden. Im nachrichtenärmeren Juli und August machen kleine Aufregungen noch viel größere Wellen. Und die Chancen für Merz, endlich mehr über anderes zu reden, über Inhalte, über die tatsächlich erreichten Reformen, wäre dann umso kleiner.

Diesmal bleiben am Stausee in NRW zumindest einige Minuten für den Kanzler, um vor Millionenpublikum im ZDF auch mal Erfolge zu skizzieren. Gleichzeitig muss er sich allerdings auch für seine Kommunikation rechtfertigen – der häufige Vorwurf an Merz, er vergreife sich manchmal im Ton bei der Debatte um Krankschreibungen oder ums Stadtbild, kommt auch im Sommerinterview. Er reagiert kantig: „Zur Wahrheit gehört, dass viele Menschen in Deutschland gesagt haben, genau so ist es, wie der Friedrich Merz das da gesagt hat.“ Er wirft dem ZDF indirekt vor, dieses Bild zu verzerren: „Die kommen in Ihrer Berichterstattung nicht vor. Sie zeigen immer diejenigen, die Kritik an mir äußern.“ Merz sagt, das sei das gute Recht der Medien. Aber seines sei, auch zustimmende Rückmeldungen zu schildern. Er habe übrigens „nie jemandem persönliche Faulheit unterstellt“. Doch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sei zu niedrig. „Das ist nicht Faulheit. Aber unsere Produktivität ist zu gering.“CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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